Blogparade, Erfahrung, MaxiSchnecke, MiniSchnecke
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Mama Schulze on Jesper Juul

„Von ihren biologischen Voraussetzungen her, könnten Kinder bereits sehr früh Verantwortung für sich übernehmenm. Das liegt jedoch nicht in unserer Tradition.“

Sonja von Mama Notes hat zu einer kleinen Blogparade aufgerufen. Sie hat einen tollen kleinen Wandkalender mit Sprüchen von Jesper Juul, die sie regelmäßig zum Anlass nimmt, sich inspirieren zu lassen und darüber zu schreiben.

Die obige Ausssage hat mich doch sehr an unsere MaxiSchnecke erinnert und daher habe ich beschlossen, bei der kleinen Blogparade mitzumachen und unsere Geschichte dazu mit Euch zu teilen.

Als MaxiSchnecke eine große Schwester wurde, war sie noch nicht einmal 2 Jahre alt. Da ich MiniSchnecke ambulant entbunden habe, also 3 Stunden nach ihrer Geburt schon wieder mit ihr zu Hause war, hat MaxiSchnecke die Kleine schon ab dem ersten Tag voll und ganz begleitet. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass sie sie bisher nie als Konkurrenz gesehen hat?! Vielleicht?!

Sie hat sich vom ersten Tag um ihre kleine Schwester gekümmert. Sie gehört seitdem fest in ihre Welt. Morgens wacht sie auf und ihre ersten Gedanken gelten der kleinen Schwester: Schläft die Kleine noch, schleicht sie sich leise aus dem gemeinsamen Kinderzimmer, ist sie wach, hilft sie ihr aus dem Bett.

Dass nur MaxiSchnecke eine Süßigkeit bekommt, ist für sie undenkbar. In der Apotheke nimmt sie einen Traubenzucker für ihre kleine Schwester mit, isst sie Kekse und MiniSchnecke macht zum Beispiel noch Mittagsschlaf, dann legt sie 2 oder 3 für sie zur Seite.

Neben diesen Punkten will die große Schwester aber noch mehr für ihre kleine Schwester tun. Sie hilft ihr zum Beisiel beim Anziehen oder zeigt Ihr, wie man ein Haus malt. Auch neue Zahlen, die sie gelernt hat, versucht sie der Kleinen beizubringen. Sie hilft ihr mit der Zahnpasta, schüttet ihr Wasser zum Trinken nach und ‚liest‘ ihr Bücher vor. Oder, wenn die Kleine sich weh tut, dann holt sie ihr das geliebte Kuscheltier.

Manchmal ist es mir zuviel Verantwortung, die die Großen übernehmen möchte. Dann will sie ihre Schwester erziehen. Sagt Ihr, dass dieses oder jenes eintreffen wird, wenn sie dieses oder jenes macht. Droht ihr mit Konsequenzen. Und will sie vor Schmerzen bewahren: „MiniSchnecke, Du musst aufpassen, sonst tust Du Dir weh!“ Manchmal denke ich mir dann, dass die Große doch eigentlich noch gar nicht so groß ist mit ihren 4 Jahren. Dass sie sich nicht schon so viele Sorgen um die kleine Schwester machen soll. Und, dass so viel Verantwortung vielleicht zu viel ist für die kleinen Schultern.

Einen für mich richtigen Weg hatte ich bisher noch nicht gefunden. Ich beobachte mich, wie ich mit MaxiSchnecke dann und wann schimpfe. Schimpfe, weil sie sich zu viel um ihre kleine Schwester kümmert. Weil sie nicht anders kann. Sie kann nicht aus ihrer Haut heraus. Sie MUSS der Kleinen einfach immer helfen. Dieses Bedürfnis ist tief verwurzelt in ihr. Es ist wie ein Reflex. Und sie reagiert auf ein „MaxiSchnecke, Du musst Dich nicht um die MiniSchnecke kümmern. Ich mache das schon.“ nicht.

Das oben stehende Zitat von Jesper Juuls hat mich zum Nachdenken angeregt. Es zeigt mir, dass ich meiner MaxiSchnecke im Gegenteil schon mehr Verantwortung zutrauen kann. Verantwortung, die ihr gut tut. Und die sie vielleicht auch selbstbewusster macht?! Verantwortung, die auf sie zugeschnitten ist, auf ihr Bedürfnis der Sorge um die kleine Schwester. Die sich so gestaltet, dass sie Stück für Stück mehr übernehmen kann. Natürlich müssen wir MiniSchneckes Bedürnisse ebenfalls miteinbeziehen. Sie darf mitreden, ob ihr die Sorge ihrer Schwester gefällt. Und das tut sie auch. Sie artikuliert klar und deutlich, wann sie die Hilfe ihrer Schwester möchte. Und wann eben nicht.

Ich habe mir überlegt, MaxiSchneckes Verantwortung mehr zu fördern. Ihr den Rahmen zu bieten und sie mehr in die alltäglichen Dinge miteinzubeziehen. Und somit die Verantwortung, die sie übernehmen möchte auch etwas zu lenken. Denn bisher war diese eher unkontrolliert. Ich denke, dass daher auch meine Angst kam, meine kleine Große zu überfordern.

Damit habe ich auch schon angefangen. Klar zu sagen, dass sie ihrer kleinen Schwester helfen soll. Und das macht sie. Und ist dann hinterher unheimlich stolz. Natürlich stellt sich dann immer wieder aufs Neue die Frage, wieviel Verantwortung MaxiSchnecke übernhemen kann/soll. Aber ich denke, dass es gut sein wird im Hinterkopf zu wissen, dass wir ihr ruhig mehr zutrauen können. Und Hinzuschauen und Hinzuhören. Sie wird es uns schon zeigen, sobald es zuviel wird, oder?!

Und wie nehmen MaxiSchnecke & MiniSchnecke das Mehr an Verantwortung auf? MiniSchnecke bedankt sich bei ihrer Schwester für Ihre Hilfe. Sie küsst ihre große Schwester. Dann tuscheln sie miteinander, umarmen sich und strahlen über ihre ganzen Gesichter. Und MaxiSchnecke ist gleich wieder ein Stückchen mehr über sich hinaus gewachsen.

 Danke, Jesper Juul und Sonja alias Mama Notes für diesen Denkanstupser!

3 Kommentare

  1. Katha sagt

    Jaja die sensiblen großen Geschwister… Auch ich hab mir schon so meine Gedanken darüber gemacht. Ähnliche, wie deine. Sie können einfach irgendwie nicht anders. Ich sehe es auf der einen Seite als große gabe, sich so emphatisch zu verhalten auf der anderen Seite fürchte ich manchmal, dass die große sich nicht genug abgrenzt von der kleinen. Ihr schmerz ist eben auch der Schmerz der großen, ihre Freuden genauso. Manchmal denke ich, sie sind seelenverwandte. Hab noch nie erlebt, dass sich zwei Menschen nur mit blicken unterhalten können. …
    Oft beobachte ich die beiden und bin zutiefst berührt. dieses gegenseitige Vertrauen ist so rein und irgendwie überirdisch, dass ich ihnen wünsche, es es möge ein Leben lang bestehen!
    P. S. Wenn bei uns ein noch kleineres kind zu Besuch kommt, wird es mittlerweile von beiden Damen behütet, selbstverständlich und auch hier ohne jeglichen Neid o. Ä.

    • Liebe Katha, wie schön Du das geschrieben hast: Seelenverwandte. Das ist genau die richtige Umschreibung. Manchmal denke ich auch an Ying und Yang. Und auch ich habe oft Angst, dass sie vielleicht zu eng sind. Und sich deswegen irgendwann einmal nicht mehr gegenseitig ertragen können. Das wäre so unglaublich schade!
      LG JuSu

  2. Das ist ein wirklich interessanter Artikel – wir haben zwar das Thema noch nicht, weil noch kein zweites Kekskind unterwegs ist, aber ich habe mir über die Thematik schon oft Gedanken gemacht. Auch weil unsere Kita altersgemischt von 2 bis 6 ist – das ist zwar nicht ganz so, aber auch da macht man sich viele Gedanken über die Verantwortung der Kinder untereinander und wer da eigentlich was will und was gut ist und was nicht. Als unser Kekskind mit 2 Jahren dahin kam, haben die größeren Kinder sie sofort in Beschlag genommen und ihr viel beigebracht. Die älteren Kinder bekommen dort auch ganz bewusst ein bisschen mehr Verantwortung, sie dürfen den Kleinen bestimmte Dinge zeigen oder sie auch mal trösten, helfen etc. – das funktioniert wirklich gut und das Kekskind hat dadurch tolle Freundinnen gefunden, die ihr immer noch neue Dinge zeigen. Und sie hat dadurch auch gelernt, sich gegen Ältere abzugrenzen und auch mal nein zu sagen, wenn sie eine Hilfe nicht möchte. Das hat zwar eine Weile gedauert und war manchmal echt schwierig, aber ich glaube, es ist echt wertvoll für sie, zumal sie ja keine älteren Geschwister hat.

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