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Mombie: Meine Geschichte vom Scheitern

Es ist Februar 2013. MiniSchnecke ist 2,5 Monate alt. Sie schläft tagsüber nicht. Sie schreit und schreit und ist müde. Aber sie schläft nicht. Und wenn es abends ist, ist sie so unglaublich überdreht, dass sie nicht zur Ruhe findet. Papa Schulze läuft zeitweise knapp 3 Kilometer mit ihr auf und ab im Zimmer bis sie einschläft. Er hat einen Schrittzähler. Daher wissen wir das.

Tausend Tipps

Ich kann die tausend Tipps, die mir die Leute um mich rum geben damit sie schläft, nicht mehr hören. Ich bin ein hormongesteuertes Monster, das total übermüdet ist und enttäuscht. Enttäuscht von der Situation. MiniSchnecke ist doch mein zweites Kind, ich bin doch keine Anfängerin  mehr! Ich habe doch schon ein älteres Kind. Und das schläft problemlos. Jedenfalls seitdem es 1 Jahr alt ist. Und im ersten Jahr war sie zwar keine beneidenswerte Dauerschläferin, aber sie hat tagsüber ab und an geschlafen. Ist einfach mal im Kinderwagen eingeschlafen. Oder vom Gucken unter dem Spielebogen oder in der Babywippe. Oder auf meiner Brust, während ich im Bett lag. Und ich als Mutter konnte dann auch Schlaf nachholen. Nun ist es das genaue Gegenteil: Die Kleine schläft tagsüber nicht, wenn, dann nur in meinem Arm. Ich darf mich währenddessen aber nicht in die Waagerechte begeben. Ich muss derweil sitzen- ansonsten wacht sie auf. Und schreit. Ich dachte, das zweite Kind wuppe ich mit links. Jetzt bin ich nur noch fertig und mache mir Vorwürfe, dass ich den Alltag nicht schaffe.

„Vielleicht braucht sie nicht so viel Schlaf?!“

Als ich diesen Satz höre, könnte ich gewalttätig werden. Ich stelle mir vor, wie ich in das Gesicht meines Gegenübers hineinschlage. Mit aller Kraft… Ein knapp 3 Monate altes Baby, dass nur maximal 8 Stunden Schlaf und zwar mit Unterbrechungen braucht?! Das kann nie und nimmer genug sein! Ich weine. Ich bin verzweifelt. Ich renne zur Schlafberatung. Zum Osteopathen. Zur Heilpraktikerin. Ich achte auf meine Ernährung, lasse jeglichen Kaffee oder anregenden Tee weg. Auch alles Essbare, was irgendwie Unruhe erzeugt. Das hilft alles auch. Irgendwie. Aber es bringt auch nicht die große Wendung.

Stillen nur im stillen Zimmer

Auch beim Stillen gibt es mit MiniSchnecke eine Besonderheit: Sie trinkt nur an der Brust, wenn sie mit mir alleine ist. Zu Hause lässt sie sich nur alleine – ohne MaxiSchnecke – in einem bestimmten Stuhl, dem Sessel in ihrem Kinderzimmer, stillen. Unterwegs, zum Beispiel bei der Rückbildungsgymnastik, klappt es überhaupt nicht. MiniSchnecke schreit, sobald jemand um uns herum einen Mucks macht. Sie regt sich dann total auf und schreit und schreit. „Die hat Dich aber schon ganz schön im Griff!“, bekomme ich zu hören. Das impliziert, dass ich an dieser Situation Schuld trage. Aber, was soll ich tun? Trinkt MiniSchnecke nicht, hat sie Hunger. Und dann leidet sie und schreit auch. Die ganze Situation überfordert mich.

Ich bin völlig fertig

Ich bin völlig fertig

Ich schreie

Irgendwann schreie ich nur noch. Ich schreie das Baby an, die ätere Schwester, den Mann. Der Mann versucht, mir neben der Arbeit den Rücken freizuhalten und er bekommt alles ab. Meinen ganzen Frust, meine Enttäuschung, meine Wut. Irgendwann stehe ich da und werfe mit der Schmutzwäsche nach ihm. Ich bin ein Mombie geworden, eine Mischung aus Zombie und Mom. Ich erkenne mich selbst nicht wieder. Ich stehe quasi neben mir und schaue mir zu wie ich austicke. Wie eine Bombe gehe ich hoch. Und dann bin ich nicht mehr aufzuhalten.

Ich widere mich an

Mein Verhalten nervt mich. Ich widere mich an, nein, ich ekele mich an. So will ich nicht sein. Ich habe ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Mann, gegenüber meiner Familie. MaxiSchnecke ist die perfekte große Schwester, sieht in der Kleinen keine Konkurrenz, kümmert sich, nimmt Rücksicht. MiniSchnecke will einfach alles von ihrer großen Schwester mitbekommen. Will keinen Moment verpassen. Und ich stehe vor ihr und schreie sie an, dass sie schlafen soll. Oder, dass sie einfach mal unterwegs an meiner Brust trinken soll. Dafür schäme ich mich. So hatte ich mir die erste Zeit zu Viert nicht vorgestellt. Ich bin nur noch fertig.

Die Henne oder das Ei

Irgendwann weiß ich nicht mehr, was zuerst da war: das Kind, das nicht schläft oder nur trinkt, wenn es mit mir alleine ist, oder meine Enttäuschung, mein Stress, dass ich meine Rolle als zweifache Mama nicht packe. Ist das Kind Schuld an der Situation? Bin ich Schuld? Verdammt, aber irgendjemand muss doch Schuld haben an dieser beschissenen Situation! Dazu kommt noch der Stress, dass ich mich aufgrund der MS nicht stressen sollte. HAHAHAHA! Schon mal versucht, sich zu beruhigen, weil es nicht guttut?! Das funktioniert GAR NICHT.

„Das Problem sind Sie!“

Irgendwann sagt der Osteopath diesen Satz. Ich will das nicht hören. Das kann doch nicht sein! Ich soll Schuld an dem Dilemma sein? Aber ich tue doch alles, was möglich ist! So einfach kann mir doch nicht die Schuld gegeben werden! Oder doch?

Rückblickend muss ich sagen: Zuerst war das Kind da, dass sich nicht entspannen konnte. Jedes Kind ist anders. Jedes Kind kommt schon mit seinen ganz eigenen Eigenschaften, mit einem eigenen Charakter, eigenen Vorlieben zur Welt. Nur, weil Kinder Geschwister sind, müssen sie  sich in ihrem Verhalten nicht gleichen. Wenn ich heute über diese erste anstrengende Zeit mit MiniSchnecke spreche, erzählen mir oft auch andere Eltern, wie unterschiedlich ihre Kinder waren. Dass sie zum Beispiel völlig unterschiedlich in ihrem Schlafverhalten waren.

Ich habe aber zusätzlich durch mein Verhalten in dieser Situation nicht gerade für eine entspannte Atmosphäre gesorgt. Ich habe zu sehr versucht, gegen MiniSchneckes Verhalten anzukämpfen. Habe mir zu viel vorgenommen. Ich wollte unbedingt die Mama sein, die die zwei Kinder mit geringem Altersabstand mit links wuppt. Irgendwann merkte ich: Die Tage, an denen ich mir gar nichts vornehme, ich den Tag einfach so nehme wie er kommt, laufen am Entspanntesten. Wenn ich mir einfach Zeit für meine Kinder nehme, ihnen zuschaue, ruhig mache, selber durchatme, den Haushalt liegen lasse und einfach mit ihnen singe. Das waren zum Beispiel auch die Tage, an denen ich noch nicht mal den Schlafanzug ausgezogen habe.

Eigentlich vermeide ich es, in die Vergangenheit zu schauen, um zu analysieren, was ich falsch gemacht habe. Denn aus den Überlegungen komme ich dann meist schwer wieder heraus. Aber für die Blogparade #geschichtenvomscheitern von Alu von grossekoepfe mache ich das heute. Denn ich bin damals mit der kleinen MiniSchnecke und der etwas größeren MaxiSchnecke grandios an meiner eigenen Vorstellung vom perfekten Mutterdasein mit zwei kleinen Kindern gescheitert.

Irgendwann war diese stressige Phase vorbei. Und das kann ich gar nicht an einem Datum, einem Ereignis oder ähnlichem festmachen. Ich weiß auch gar nicht mehr, zu welcher Jahreszeit es war. Ich habe keinen Anhaltspunkt. Irgendwann habe ich mich entspannt, habe MiniSchnecke nur noch zu Hause gestillt, war weder beim Pekip, noch in der Krabbelgruppe, noch sonst irgendwo. Ich habe meinen Tag komplett nach ihren und MaxiSchneckes Bedürfnissen gerichtet. Und speziell bei MiniSchnecke bedeutete das, dass sie ein Bedürfnis nach Ruhe hatte. Auch zu den Schlafenszeiten war ich ausschließlich zu Hause und alles wurde entspannter. MiniSchnecke hat getrunken, MaxiSchnecke hat in der Zeit in ihrem Zimmer gespielt, MiniSchnecke hat tagsüber die Schlafenszeit in ihrem Bettchen verbracht und gut geschlafen. Und war danach dann auch gut drauf. Und ich hatte Zeit für mich, um mich zu entspannen.

Heute ist diese Phase sehr weit entfernt. MiniSchnecke ist ein entspanntes zweijähriges Mädchen. Sie schläft so, wie ein zweijähriges Kind schläft. Mal gut, mal schlecht, mal unruhig. Sie isst gut, lacht viel, ist bockig, ist weinerlich, macht viel Schabernack und lacht sich schlapp. Und ich? Ich sehe heute vieles entspannter. Ich weiß, dass jede Lebensphase der Kinder ihre eigenen Herausforderungen hat. Ich bin darin nicht perfekt, muss mich auch in jeder Phase erst einrichten. Ich schimpfe, ich schreie, manchmal weine ich und bin verzweifelt. Aber heute hinterfrage ich mein Verhalten regelmäßig und eifere nicht mehr irgendeinem vermeintlichen Idealbild hinterher.

Habt Ihr auch solche anstrengenden Phasen mit Euren Kindern durchlebt? Wie seid Ihr damit umgegangen? Und, was mich wirklich mal interessieren würde: Hattet Ihr auch ein Kind, dass sich ausschließlich zu Hause stillen lassen hat? Denn ich habe bisher keine Mutter getroffen, bei der das genauso war…

34 Kommentare

  1. Ich finde es toll, dass du ehrlich bist und auch, dass du am Ende gemerkt hast, woran es lag und vor allem: dir selber eine kleine „Schuld“ eingestehst. Oft hört man nur: Das KIND hat eine Blockade. Das KIND kann das nicht…es ist selten die Mama. Dass du Hedy angeschrien hast, tut mir gerad in der Seele weh, aber nicht wegen deines Verhaltens, sondern meinem. Denn auch ich habe das mal gemacht und erinnere mich an den Blick meines Babys, wie sie mich mit großen Augen anschaute, weil Mama gerad nicht wie Mama ist.

    Aber ma ne Frage: Sonst sind zwei Kinder schon ok, ne? Denn irgendwann steht auch bei uns die Diskussion nach dem zweiten an und es wird wirklich eine Diskussion.

    LG
    Bella

    • Liebe Bella, genau: diesen Blick von Hedy mit ihren knapp 3 Monaten, nachdem ich sie angeschrien habe, bekomme ich auch heute nicht mehr aus dem Kopf. Das tut mir immer noch Leid. Aber, ich bin nicht fehlerfrei und ich denke, dass die Hauptsache ist, es zu reflektieren. Und, abgesehen davon, sind zwei Kinder super!!! Dazu gab es ja mal ne Blogparade von Mama in the Rocks und mir #mehralschaos, LG JuSu

  2. Nadine sagt

    Guten Morgen liebe JuSu,
    Ich habe auch 2 Mädels: meine Große wurde Anfang Dezember 4; die Kleine wurde 10 Tage nach dem 4. Geburtstag ihrer Schwester geboren. Der große Altersabstand war eine Fügung des Schicksals…
    Bei uns wird das Thema Eifersucht ganz groß geschrieben! Einerseits liebt die Große die Kleine sehr (umgekehrt auch, die Schwester ist die wichtigste Person!). Andererseits bekommen mein Mann und ich alles ab, was man sich so vorstellen kann… Wir werden gehauen, getreten, geboxt, angespuckt… Plötzlich wird wieder eingepullert, die kleine Schwester wird gekniffen, geweckt, ihr Kopf wird hochgedrückt, Spielzeug weggenommen. Zusätzlich darf ich für die Große Muttermilch abpumpen, sie spricht plötzlich wie ein Baby oder kommt auf so tolle Ideen wie „wir können die Kleine doch lieber in den Müll werfen“.
    Nur zu Hause stillen kennen wir nicht, dafür haben wir die Herausforderung, dass beide Mädels reine Mamakinder sind und beide den Schnuller verweigern. Oder sollte ich sagen verwürgern? Das trifft es besser. Die Kleine beruhigt sich nur an meiner Brust; eine Stillmahlzeit dauert mindestens eine, gerne auch zwei oder drei Stunden. In den ersten Wochen stündlich eine Stunde lang. Daneben ein großes Mädchen, das nur Mama an sich ran lässt und sich von niemandem sonst trösten lässt. „Ich mache hier so lange Theater bis ich meine Mama ganz für mich habe!“
    Die ersten Wochen sahen also so aus, dass ich die Kleine an einer Brust hatte, die Große auf dem anderen Schoß mit einer Tasse Muttermilch und irgendwann schliefen beide auf mir ein. Auch die Kleine ließ sich keinen Zentimeter von mir weglegen. Ich habe mir dann immer tapfer eingeredet, dass ich genau dafür zwei Arme und zwei Beine bekommen habe!
    Jetzt ist die Kleine fast vier Monate alt, die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten werden länger, sie schläft auch mal in ihrer Wiege, wir haben meist nur noch 4-5 „Schlepptage“ (Tage, an denen sie nur durch tragen in den Schlaf findet) pro Woche. Die Große schläft wieder in ihrem eigenen Bett (inzwischen auch öfter mit Papas Begleitung). Ich glaube fest daran, dass alles besser wird!
    Die Kommentare von anderen ignorieren wir meistens, denn wir wissen, dass keiner von den Sprücheklopfern die Stresssituationen so aushalten würde wie wir. Wir wollten zwei Kinder und wenn wir jünger wären, würden wir ganz sicher auch noch mehr Kinder bekommen. Denn, und da schreibst Du mir aus dem Herzen, diese unendliche und bedingungslose Liebe wiegt einfach alles auf!
    Also ein klares JA, Verzweiflung und Liebe liegen auch bei uns direkt nebeneinander. Genauso wie Mut und Wahnsinn, ein zweites Kind zu bekommen, auch wenn alle äußeren Umstände dagegen sprechen und alle dagegen sind!
    Ich grüße Dich ganz lieb!

    • Liebe Nadine, danke für Deinen Kommentar. Oje, das hört sich anstrengend an. Ja, man kommt definitiv an seine Grenzen. Und Kinder können manchmal echt grausam sein! Ich drücke Euch ganz feste die Daumen, dass es weiterhin Schritt für Schritt besser wird! Ich grüße ganz lieb zurück!

  3. Katja sagt

    Julia so schön geschrieben! Aus dem Herzen heraus. Was du (be)schreibst trifft oft auch auf uns bzw mich zu. Der Alltag mit 3 kleinen Kindern fordert mich sehr&manchmal ist meine Kraft alle. Aber auch hier überwiegen die tollen Momente und ich weiß das es irgendwann nicht mehr so anstrengend sein wird. Auch ich höre oft ich habe es mir so ausgesucht und das stimmt. Ein ernstgemeintes „Du machst das toll genauso wie du es machst“ gibt mir wieder Kraft wenns grad nicht so einfach ist.
    Mein erster Sohn schrie die ersten sechs Monate gefühlt auch immer und schlief so gut wie nie. Zufrieden war er nur selten. Auch er ließ sich nur zuhause, im liegen, im Elternschlafzimmer stillen. Und nur dort. Woanders verwehrte er sich extrem und trank nicht. Stillen bedeutete für uns beide nur Stress und nach 3 Monaten wurde ich krank und musste aufgrund der Medikation abstillen. Mit der Flasche kamen wir beide besser zurecht und es ging uns besser. Anspruchsvoll ist er geblieben 🙂 (heute 4)
    Sein kleiner Bruder war das komplette Gegenteil als Baby. Er schlief und trank immer und überall, war wach meist zufrieden, beschäftigte sich schon früh gut allein und konnte problemlos überall mit hingenommen werden-so ist es bis heute (2 Jahre alt)
    Und meine jüngste Tochter, morgen 10 Wochen alt, ähnelt im Verhalten meinem Erstgeborenen. Sie schläft tagsüber kaum, schreit viel und ist ein Tragling. Ablegen-Fehlanzeige. Sie lässt sich ungern woanders stillen aber da es manchmal nicht anders geht akzeptiert sie aus Hunger das es eben jetzt so ist. Am entspanntesten ist sie zuhause, unterwegssein stresst sie. Aber ich weiß es wird besser werden. Das sind meine Erfahrungen zum Thema 🙂
    Schön das ich nun wieder einmal weiß: ich bin nicht allein.

    • Liebe Katja, danke für Deinen Kommentar! ich freue mich total, hier von Dir zu lesen! Du hast meine große Hochachtung mit den drei Kindern im geringen Altersabstand. Und, da das wirklich viel zu kurz kommt u ich Dich ja auch ein wenig kenne: Du wuppst das ganz wunderbar mit den 3en!!! Ich drücke Dich, LG

  4. Danke für diesen ehrlichen und berührenden Beitrag. Das erinnert mich alles so an das komplette erste Babyjahr mit meinem Großen. Das hat sich nur nach Scheitern angefühlt. Ich weiß gar nicht, was schlimmer ist: als unerfahrene Erstmama solch ein „schwieriges“ Kind zu bekommen und völlig überfordert und hilflos zu sein oder als Zweitmama, wenn man schon ein pflegeleichteres Baby hatte und sich dann fragt, warum ist denn diesmal alles anders?
    Mein Sohn konnte auch nur in ruhiger Umgebung ohne Ablenkung stillen, d.h. am liebsten zuhause bzw. in unserem vertrauten Garten. Sobald irgendetwas anders war als sonst, hat er geschrien. Geschlafen hat er auch nur ca. 9 zerstückelte Stunden von 24h. Und hinsetzen durfte ich mich die ersten 3-4 Monate nicht, wenn er an mir eingeschlafen war, da wachte er sofort auf! Also laufen. Laufen, wenn er wach war, laufen, wenn er schlief. Schrecklich. Ich war – genauso wie mein Mann auch – nach wenigen Tagen am Ende. Das Baby hat geschrien, wir haben geschrien oder geheult und so wurde der Kreislauf immer schlimmer. Wir haben dann auch erst sehr langsam alle zueinander gefunden und unseren Rhythmus komplett an den Sohn angepasst. Dann lief es für alle am besten.
    Ich glaube aber nicht an die „Schuldthese“: Kinder kommen pflegeleicht oder anstrengend auf die Welt und es wäre übermenschlich, wenn man auf ein Kind, das nur schreit und sich nicht beruhigen lässt, immer ruhig und gelassen reagieren würde. Das kann keiner. Das Einzige, was helfen würde, wäre Hilfe von außen und Entlastung. Leider ist das mit dem ständigen Stillen und Schreien schlecht möglich. Und mein Großer hat auch extrem an mir geklebt, d.h. man konnte ihn nur schwer weggeben. Vom schlechten Gewissen ganz zu schweigen.
    Es ist ein Prozess, in dem man viel über sich lernt, bis man einen Modus gefunden hat, mit dem sich alle halbwegs wohlfühlen. Mit 2 Kindern natürlich nochmal schwieriger. Gut, dass Deine Große sich selbst beschäftigt hat. Übrigens: meine Kleine war dann ein ziemlich pflegeleichtes Baby, also genau umgekehrt zu Dir.
    Liebe Grüße und danke!

    • Oh, vielen lieben Dank: Endlich eine Mama, die das mit dem Stillen auch kennt! Das ist beruhigend :-). Man lernt wirklich sehr viel über sich selbst, da hast Du Recht. Bei mir war Hilfe von außen schwierig: meine Schwiegerfamilie fällt komplett aus u meine Familie wohnt 250km entfernt. Daher haben wir auch, als die Kleine 6 Monate alt war, bereits mit einer Babysitterin begonnen. So hatten wir dann immer mal wenigstens abends ab und an 2 Stunden als Paar für uns. LG

  5. Ich kann das gerade sehr gut nachvollziehen. Der Große war mit 4 Monaten aus dem Elternschlafzimmer ausquartiert und mit 7 Monaten abgestillt. Warum klappt das denn NICHT beim Zweiten auch so einfach? Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es eben zwei verschiedene Kinder sind. Und die Familiensituation auch ganz anders ist. War Kind 1 permanent im Fokus, „erkämpft“ sich Kind 2 lautstark die Aufmerksamkeit. Und braucht eben einfach noch etwas länger die Nähe beim Stillen.

    Manchmal stecken wir die Ansprüche an uns selbst ziemlich hoch. ZU hoch. Da hilft nur Entschleunigung und das hast du ja prima gemeistert!

    Ganz liebe Grüße <3

  6. Katta sagt

    Hier! 18 Monate und 57Min Abstand, das erste ein absolutes Anfängerkind und das 2. ein Extrem-Schreikind/24h-Kind. Bis zu 8h täglich in den ersten 6 Monaten. Wir haben mit dem 1. sogar einen 3wöchigen Urlaub in Skandinavien inkl. Fähre gemacht. Beim 2 mit 12 Wochen mal einAusflig nach Berlin, nach 1 Tag wieder nach Hause und das ganze erste Jahr nicht verreist. Ich habe die gleichen Erlebnisse wie du, inkl. Einkapseln zu Hause. Heute sind sie 6+4,5 und ich bin versöhnt. Aber mehr als 1x pro Monat wegfahren ist nicht; aber dafür machen wir viel zusammen… Viel geholfen hat mir Renz-Polster und Juul, auch meine Bedürfnisse sind wichtig, daher gehen beide Eltern arbeiten und kümmern sich um die Kinder. Man muss das Leben eben an die Kinder anpassen, aber es ist trotzdem schön, mittlerweile…..

  7. Hallo 🙂

    Bei unserem Ältesten durfte nicht mal Jemand im Hintergrund leise vorbeischleichen – jede Bewegung im Augenwinkel führte zur sofortigen Trink-Blockade und einem endlosen Geschrei. Und wehe, mein Mann kam in dem Moment von der Arbeit heim, wenn gerade „Fütterungszeit“ war. Allein das Geräusch vom Schlüssel in der Tür ließ unseren Sohn sofort das Milchfläschchen ausspucken und es dauerte ewig, ihn wieder zum Trinken zu animieren…
    Endlich habe ich mal Jemanden gefunden, bei dem Stillen auch nur funktionierte, wenn es still drum herum und eben die gewohnte Umgebung war!
    Danke für deinen ehrlichen Bericht!
    Liebe Grüße
    Christine

  8. Melanie sagt

    Hallo liebe Julia
    Vielen lieben Dank für diesen ehrlichen Bericht! Du hast das so schön geschrieben!!
    Bei mir war es genau anders herum wie bei dir.Mein Großer war damals ein echtes Schreikind und es wollte einfach nichts klappen! Er hat nur geschriehen und war durch nichts und niemandenzu beruhigen. Kein Tragen, kein schaukeln, kein Schnuller rein gar nichts! Auch das stillen wollte überhaupt nicht klappen! Mich hat das damals alles total unter Druck gesetzt, denn ich wollte doch alles so perfekt wie möglich!
    Erst nach einem Jahr wurde es langsam besser und wir konnten so langsam alle anfangen es zu genießen.Mein Mann wollte eigentlich schon viel früher ein zweites Kind aber ich hatte immer Angst davor, weil ich dachte wenn es dann wieder so wird…geb ich mir die Kugel…Doch dann kam alles anders und der zweite Sohn war ein megabraves und ruhiges Baby und alles war sehr entspannt!Und heute sind die beiden 13 und 8 und wir lernen wieder neu in anderen Bereichen *lach*
    Herzensgrüße aus Franken
    sendet Melanie

  9. Ich habe mich in manchen Dingen auch wiedergefunden. Mein Kind war auch sehr ruhebedürftig und schnell ablenkbar. Zum Stillen musste absolute Ruhe herrschen. Ausflüge durften maximal eine halbe Stunde gehen, sonst gab es Problem mit dem Stillen. Denn da musste man wieder zu Hause sein. Der Höhepunkt davon war auch ca. mit drei Monaten.
    Eine Hebamme erzählte mir im Nachhinein, dass es auch eine Frage ist, wie man das Kind von Beginn an an das Stillen heranführt und abschottet. Wichtig sei es, es von Anfang an an Hintergrundgeräusche zu gewöhnen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob mein Kind dann anders reagiert hätte. Wir werden es beim zweiten sehen…
    Lieben Gruß, Wiebke

  10. So ein toller, ehrlicher, emotionaler Text. Diese erste Phase mit zwei Kindern kann so hart sein. Für mich waren die ersten beiden Jahre mit zwei Kindern wahnsinnig schwierig – und sehe mich in Deiner Beschreibung sehr wieder.
    Irgendwann wurde es besser, in Schritten. Irgendwann hatte ich raus, wie ich die Kinder ins Bett bekomme, wie die Nachmittag verlaufen können ohne Druck und Zank und wie ich selber mehr zu mir und zu Ruhe finde.
    Ich habe aus dieser Zeit die Notwendigkeit kennen gelernt, meine eigenen Bedürfnisse früher zu erkennen und möglichst zu befriedigen, zumindest in Kompromissen. Denn wenn nicht, platzt es aus mir raus und ich werde ein brüllender Mombie. Ganz ganz unschön. Obwohl auch ich das Problem war, darf und muß ich mich um mich selbst kümmern. Das zu erkennen war ein richtiger Schritt für mich, hat mir aber viel weiter geholfen, als alle „schlaf, wenn das Kind schläft“-Tipps… 🙂

  11. Karin sagt

    Wie du: MS. Wie du: ein großes Kind (wobei meine schon fast 5 Jahre war), das ein „Vorzeigebaby“ gewesen ist. Wenigstens im Vergleich zu ihrer kleinen Schwester. Weil die kleine Schwester Mumie in meinem Bauch gespielt hat, kam sie nicht nur zu klein und zu leicht auf die Welt mit scheinbar unstillbarem Hunger. Sie kam auch mit Blockaden und weil es ja sonst zu leicht wäre, mit Reflux zur Welt. Erwähnten die Ärzte auf der Neointensiv auch mal in einem Nebensatz, aber was das nun genau bedeutet und das es relevant werden könnte, sagte mir niemand. Die ersten Wochen schrie die Kleine praktisch nur. Wenn sie mal schlief, dann grundsätzlich nur, wenn Besuch da war („Ich weiß gar nicht, was du hast. Sie schläft doch so schön!“) oder der Staubsauger lief. Gestillt habe ich nicht, und getrunken hat sie überall. Da kann ich also nicht mitreden *g*.

  12. Sissi sagt

    Ich habe Zwillinge und ein älteres Kind. Mein großer wurde auch nur zuhause gestillt, am liebsten im halbdunkeln.
    Halsblockaden wurden vermutet aber letztendlich war er einfach zu neugierig. Er wurde Monate nur in den Schlaf geföhnt. Mit dem Haarföhn. Auch nachts wenn er aufgewacht ist.

    Heute geht er zur Schule und ist wie schon damals wunderbar. Seine Neugierde, seine extreme Aufmerksamkeit, Begeisterungsstürme und seine emotionale Art das alles sind Eigenschaften die ihm vielleicht mal Türen öffnen werden.
    Meine Zwillinge davon schläft einer auch schlecht ein. Sie haben beide den gleichen Tagesablauf und die gleiche Mutter/Vater und doch ist ihr Wesen sehr verschieden.

    Ich kann mich in deinen Zeilen oft wiederfinden. Nichts vor zu haben entschleunigt vieles.

  13. Julia sagt

    JuSu, du sprichst genau von meinem Kind! ich habe düse Phase ja fast schon verdrängt, er, konstantin, ist jetzt auch 2 geworden! bis ins Detail!
    Danke für diesen treffenden Artikel!

  14. skippymom sagt

    Ich fühle mit!
    Toller Text! Sehr ehrlich, ich hoffe das viele Mamas mit anstrengenden Babies ihn lesen können…

    Unser Sohn ist auch alles andere als ein Anfängerbaby

    Er wollte von Anfang an ständig an der Brust sein, dort seinen Hunger stillen, Trost suchen, einschlafen…

    Er wollte immer getragen werden, oder sitzen, bloß nicht hin legen…
    Nix verpassen – ständiger Körperkontakt.

    An Stillabstände hielt er sich nicht.
    Er lehnte jede Flasche ab, auch jeden Nuckel.

    Auto fahren hasste er, Ausflüge mit dem Kinderwagen auch, genauso wie gepuckt sein und fest gehalten werden- womöglich noch in der waagerechten. Nicht im Elternbett schlafen?- Unmöglich!

    Ich habe mich oft gefragt warum mein Sohn so anstrengend ist, war verzweifelt, verunsichert. Laut der meisten Ratschläge aus Familien und Bekanntenkreis habe ich wohl was falsch gemacht, bin um den Finger gewickelt, muss mich durchsetzen.
    Mein Kind ist anstrengend, das erkannten andere trotzdem.
    Eigentlich glaubte ich nicht das mein Kind mich tyrannisiert. Eigentlich glaube ich, es ist wichtig und richtig auf mein Kind einzugehen. Aber warum ist er dann so anstrengend – wieso sind die anderen Babies nicht so?

    Bücher von Susanne lüpold, Herbert renz Polster und william sears haben mir in der zeit geholfen
    Mein Kind zu verstehen, zu akzeptieren und anzunehmen UND keine Fehler bei mir zu suchen.

    Eigentlich finde ich es bedenklich:
    Aus der Gesellschaft wird (jungen) Müttern so oft suggeriert, es sei das Kind das funktionieren müsse.
    Dabei muss ich als Mutter doch in der Lage sein, eigene Bedürfnisse denen meines Kindes unter zu ordnen.

    Jetzt sind wir beide entspannter.
    Er ist fröhlich, aufgeschlossen, neugierig und fast kein 24std Baby mehr.

    Ich bin sicher, ich habe schon alles richtig für meinen Sohn gemacht, wie er es braucht, nicht wie ich es gern gehabt hätte.

    Und ein weiteres Kind möchte ich trotzdem- irgendwann, ich bin jetzt ja Sturm erprobt

  15. Ein superschöner Text, ich habe feuchte Augen bekommen.

    Und mich gleichzeitig wiedererkannt. Meine Große (inzwischen 9) war ebenso, wir sind nächtelang gewandert, sie wollte nicht schlafen und ich wurde innerlich wütend weil ich doch immer alles versuchte richtig zu machen.
    Ich hatte ja vorher viel gelesen und wusste – theoretisch – genau wie man es machen sollte. Statt auf meine ureigenen Instinkte zu vertrauen habe ich mir von anderen reinreden lassen.
    Heute wünschte ich rückblickend, dass ich mich mehr auf mich, auf mein Kind und meinen Bauch verlassen hätte.

    Was das Stillen angeht, meine Große hat sich zwar unterwegs stillen lassen, danach aber immer heftiges Bauchweh bekommen und schlimme Blähungen. Weil sie ja alles drumherum mitbekommen musste! Ihre Augen waren überall.

    Mein Kleiner (6 Jahre;)) war als Baby anders, hat tagsüber viel geschlafen, vor allem zu Hause. Er braucht heute noch viel Ruhe und Zeit zu Hause für sich und seine Spielideen.
    Wir geniessen die Ferien, wenn nachmittags kein Programm ist und wir uns treiben lassen können.

    Ich wünsche allen Eltern dass sie ihren eigenen Rythmus finden und sich auf ihren Bauch verlassen können.

    Liebe Grüße
    Julia

  16. Ute sagt

    Top,bei mir war es genau so!Ich habe ebenfalls alle diesen Phasen durchgemacht (mein Sohn ist jetzt 1 und meine Tochter 3)!Du bist nicht allein und man muss nicht immer die Gummibärchenwelt spielen!Die Realität sieht leider zu oft anders aus und gut gemeinte Tipps können sich alle in die Haare schmieren!Ich war dann auch wohl gute 6 Monate ein Mombie

  17. Juliane sagt

    Ich kann das gut nachvollziehen. Unsere zweite Tochter kam, als die große 18 Monate alt war. Sie lies sich immer nur für 2-3 Minuten stillen, bis der anfängliche Hunger gestillt war. Denn sie wollte nichts verpassen, wollte ihrer großen Schwester zuschauen. Nach 10 Minuten bekam sie wieder Hunger. Und so hatte ich das Gefühl, den ganzen Tag zu stillen. Irgendwann beschloss ich auf die Flasche umzusteigen. Die trank sie immer schnell leer und siehe da – sie war satt. Schlafen wollte sie nur auf meinem Arm. Aber da war noch ihre große Schwester, die natürlich auch noch Bedürfnisse hatte. Und wie bei dir, war diese „Phase“ dann irgendwann vorbei und sie schlief in Ihrem Bett. Nicht lange, aber sie schlief und war danach wieder fröhlich.

    Als dann unser Sohn zur Welt kam (Altersabstand 3 Jahre zur Jüngsten), dachte ich, dass das ja keine Herausforderung mehr sein könnte. Weit gefehlt! Er schlief noch schlechter! Maximal eine halbe Stunde tagsüber verteilt. Also ca. 3 mal 10 Minuten. Das machte mich wahnsinnig. Im Kinderwagen brüllte er nur. Ich hörte von allen Seiten, das wäre bei Jungs normal.
    Mit 3 Monaten kam er zu einer Tagesmutter, weil ich wieder arbeiten wollte. Ich hoffte, dass er bei ihr mehr schlafen würde, weil die Tagesmutter mit ihm ruhiger umging, aber auch bei ihr schlief er sehr wenig und immer mit halboffenen Augen… Tatsächlich!
    Mit ca. einem Jahr, schlief er dann zur Mittagszeit eine Stunde lang. Endlich!

    Mittlerweile sind meine Kinder 6, 5 und 2 Jahre alt. Sie schlafen nachts meistens sehr gut und der Kleine mittags 1,5 Stunden. Wenn ich das Schlafverhalten meiner Kinder rückwirkend betrachte, glaube ich, dass die Große einfach besser geschlafen hat, weil sie nichts abgelenkt hat. Die Kleinen kamen nicht zur Ruhe und haben sich immer mehr „hochgeschaukelt“. Ich wurde dadurch auch nervös und so hat sich eine Spirale ergeben, aus der wir nicht ausbrechen konnten.

    LG
    Juliane

  18. Tina sagt

    Kommt mir so bekannt vor. Meine Tochter war ein Anfänger-Baby, hat alles so toll geklappt dass ich mich daheim gelangweilt habe. Als dann 17 Monate danach mein Sohn zur Welt kam, war alles anders.
    Er hat die ersten 3,5 Monate eigentlich nur geschrien… geschlafen dann wenn er auf dem Papa im Schaukelstuhl lag, das war dann die Zeit in der ich mal schlafen konnte bis es ans nächste Stillen ging.
    Wir hatten auch alles durch, Osteopathe, Globoli, Kaffee weggelassen (es war sooo grausam diese 2 Wochen!!!)… aber nichts half und schwups irgendwann war es besser.
    Und heute bin ich froh dass wir einen zu geringen Abstand haben, die zwei lieben sich abgöttisch und spielen (meistens) schön miteinander 🙂
    Jetzt mit 6 und fast 5 Jahren haben wir die Phase dass der Kleine „einfacher“ ist und die Große eher das komplizierte Kind 😀

  19. Ihr Lieben, so viele tolle und Mut machende Kommentare. Mut machend, weil sie zeigen, dass Mamas in solchen stressigen Situationen nicht alleine sind. Und man fühlt sich in diesem Stress doch häufig sooo alleine und verletzlich. Daher: Gemeinsam sind wir stark und alles andere als alleine. Und die vielen Kommentare demonstrieren auch, dass wir nich so hart zu uns sein sollten. Denn wir versuchen doch alle, die beste Mutter für unser Kind zu sein und geben täglich alles. Danke!

  20. Rebby sagt

    als meine Jungs (3) klein waren gab es keine Probleme. Sie haben überall geschlafen und auch getrunken. Der große ist ein ganz ruhiger. Dennoch kann ich mitfühlen. Denn zwei sind richtige Kampf-Hähne und der zur Zeit jüngste eine richtige Diva.
    Er brauch nur zu singen oder einfach nur den anderen Anzuschauen, schon flippt der aus.
    Das ist manchmal echt zu viel. Oder sie haben das Talent zu trödeln wenn man ein Termin hat. Aber da denke ich mir dann es gibt soviel Leute die allein sind und trotzdem immer spät dran sind. Also warum stressen wenn’s mal wieder länger dauert?
    Man sollte sich seine „Inseln“ schaffen, es dauert leider meist bis man die Lösung gefunden hat.

  21. Du beschreibst genau das, was bei mir/uns los war. So lange haben wir auf ein Baby hingearbeitet und dann ging nichts. Er schlief max. 20 Minuten und sonst schrie er hysterisch. Er wollte grundsätzlich nur aufrecht gehalten oder getragen werden. Selbst die Hebamme wusste keinen Rat. Was auffiel war, dass sein Kopf immer schief war. Er hatte eine Blockade, die gelöst wurde. Aber wirklich ruhiger wurde er nicht. Irgendwann merkte ich auch, dass er nur im halbdunkeln und ohne Publikum trank. Schlafen nur alleine und im stockdunkeln. Wir regelten den Tagesablauf nur nach seinem Rhythmus. Vorwürfe von Bekannten, Familie etc. hagelten auf mich ein und ich fühlte mich nur furchtbar. Irgendwann machte ich es wie du. Sagte alles Aufregende ab, gab Mini die Ruhe, die er brauchte. Sperrte Menschen aus, die nur dumme Kommentare ablieferten. Mein Mann war immer an meiner Seite. So wurde es langsam besser. Nach sechs Monaten stellte sich ein langsamer Rhythmus ein und ich traute mich in eine Pekipgruppe. Heute ist es viel viel besser. Aber seine Phasen hat er immer noch. Die Zeit hängt mir noch nach und das ist auch der Grund, warum ich mich nicht oder noch nicht an ein zweites Baby herantraue. Nochmal würden wir das nicht aushalten. Da sind wir uns einig. Du hast mein Mitgefühl und meine Hochachtung. Fühl dich verstanden. Alles Gute, Bine

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  23. Claudia sagt

    Danke für diesen wundervoll ehrlichen Artikel 🙂 unsere erste war auch ein sehr forderndes Kind. Schlafen ausschließlich im Kinderwagen oder am arm (wohlgemerkt ohne tragehilfe). Erst jetzt mit 22 Monaten haben wir vereinzelt Nächte, bei denen sie nur 2,3 x munter wird. Die Nächte an denen sie durchgeschlafen hat kann man an einer Hand abzählen. Und dann kam mit 18 Monaten Abstand ihr geschwisterchen. Ich hatte solche Angst davor, dass auch sie so extrem zehrend werden würde. Und sieh an: sie ist das totale Gegenteil. Sie schläft regelmäßig durch seit sie 7wochen ist, lacht viel und trinkt gut.
    Und es fällt mir so leicht, sie zu „verwöhnen“ wie man so schön sagt. Sie schläft ausschließlich bei mir und seit ich mich abgefunden habe, dass eben die große eine schlechtschläferin ist, zehrt es auch nicht mehr so 😉

  24. julia sagt

    Hallo,
    ein ganz toller Artikel!
    Mein Sohn konnte auch nur Zuhause gestillt werden. Mein Umfeld konnte das nicht nachvollziehen und kam auch mit Tipps und ja bei denen war es ja ganz anders… Immerwieder musste neu erklärt und gerechtfertigt werden..
    Mir war es egal, komme was wolle, ich habe das Haus höchstens 2-3 Stunden verlassen. Und das stillen dauerte ca 1-1, 5 Stunden. Und auch jetzt (mein Sohn ist mittlerweile 1, 5Jahre) bin ich immer zeitig um 11.30Uhr zum Mittergsdchlaf und abends um 18.00 Uhr Zuhause.
    Ich genieße die Auszeit. Es geht auch nicht ohne.. Wenn es diese klaren regelmäßigen Phasen der Ruhe nicht gibt dann ist der ganze Tag und auch mindestens der Tag danach im Eimer. Immernoch gibt es Menschen in der Familie die das nicht verstehen wollen und uns Tagesausflüge vorschlagen die selbst mir zu viel sind! Mein Sohn schläft auch nicht wenn Besuch da ist. Ich finde es herrlich entspannend. Er braucht einfach seine Ruhe und dafür danke ich ihm. Ach und bis vor kurzem hat er bei uns geschlafen. Nun wühlt er, es wurde zu dritt etwas eng, deswegen hat er ein eigenes großen Ehebett in seinem Zimmer. Und wenn er schlecht schläft , schlafe ich einfach dort und zum einschlafen lege ich mich auch mit ihm hin. So das verstehen auch nur wenige aber für mich ist es so schön und da durch wird er wohl später kein schlechterer Mensch oder? 😉

  25. Liebe JuSu,

    ich, auch MS, hab an mich selbst die größten Ansprüche gestellt und bin grandios gescheitert!
    Alleine das Stillen war schon ein Thema – ich hatte „keine Milch“ oder sagen wir, ich war im Kopf zu sehr bemüht, eine gute Mama zu sein! Denn ÜBERALL liest / hört / sieht man ja während der Schwangerschaft, dass Muttermilch das wohl Allerbeste für das Kind ist – und wenn man dann nicht stillen kann aus vllt. eben dieser inneren Blockade, den (eigenen) Ansprüchen gerecht zu werden, was ja meist das Schwerste ist, wird da mal eben eine postnatale Depression draus.

    Mein Mann hat unseren Sohn in den Arm genommen und er hat sich sofort beruhigt – ich hab mich minderwertig gefühlt und gedacht „hey, das kann es ja wohl nicht sein!!! ICH bin die Mama und ICH bin da! Warum magst Du mich nicht?!“
    So hab ich wirklich ganz lange gedacht (und erwische mich bei dem Gedanken leider immer noch manchmal – obwohl unser Sohnemann übermorgen 5 Jahre alt wird!).

    Ich habe leider schon manchmal aus Wut sowas doofes gesagt wie „ach, wenn ich einfach mal weg bin, dann könnt ihr euch umschauen, wer dann alles macht“.
    Völlig blöd 🙁 Und im Nachhinein bereue ich es sofort 🙁

    Da ich als Löwe (und Aszendent Löwe noch dazu) ein pures Feuerzeichen bin (ob man jetzt dran glaub oder nicht), hab ich mich da manchmal nicht gut im Griff.

    Daher danke für Deinen tollen Bericht – ich weiß nicht, ob da nicht wirklich auch die MS zusätzlich einen großen Anteil haben kann, dass man manchmal so „neben sich steht“ und sich danach fragt „hey…. was war DAS denn bitte grad?!!?“

    Ich merke es oft bei mir, dass ich dann „launenmäßig ins Schwanken komme“, wenn mein Blutzucker nicht passt. Ja… eine chronische Krankheit wäre ja zu langweilig 😉
    Ich brauch Action und greif gleich mehrfach zu.

    Aber davon ab – Julius (mein Sohn) hat schon manchmal gesagt „du Mama…. du bist komisch… pieks Dich mal“.
    Das sind dann wieder die Momente (nicht nur!! 😉 ), da läuft mein Herz über vor Liebe, weil ich einfach merke, dass er mich liebt, wie ich bin – wenn auch manchmal die doofe Mama 😉

    Toller, ehrlicher Artikel und ich konnte, trotz Nichtstillens, ungefähr mitfühlen, wie es Dir wohl gegangen sein mag…. !! <3

  26. Liebe JuSu,

    du sprichst mir aus der Seele. Und du hast mich damit unwissentlich gerade beim Treffen einer wichtigen Entscheidung wieder ein Stück weit bestätigt, die meine persönliche Geschichte vom Scheitern betrifft. Das, was das Herz sagt, ist letztendlich doch das einzige, was zählt. Dankeschön!

    Liebe Grüße,
    Anne

  27. Kathrin sagt

    Ich kenne es auch, meine Kleine (2,5 Jahre jünger als Ihr Bruder) hat sich nur im liegen im Bett stillen lassen. So kam es, dass ich ganz viele Betten von Freunden kennen gelernt habe, wenn ich dort zu Besuch war. Mein Großer hat auch in der Zeit immer gespielt… Heute ich die Kleine selbst fast 2,5 Jahre alt und wir können darüber alle herzlich lachen, dass ich da mit Ihr in fremden Betten lag :-). Damals war mir allerdings nicht zum lachen, denn es mußte alle 2-3 Std. ein Bett in einem stillen Raum her ;-)! Ich habe sie dann übrigens ganze 2 Jahre gestillt, im Bett zum Einschlafen ;-)!

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