Ernährung, MS Thursday, Multiple Sklerose
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Intermittierendes Fasten bei Multipler Sklerose

Intermett… was?! Intermittierendes Fasten bei Multipler Sklerose. Dazu möchte ich Euch heute einige Zeilen schreiben- passend zu beginn der Fastenzeit.

Beitrag bei 3Sat

Schon vor einiger Zeit habe ich einen sehr interessanten Beitrag bei 3Sat zum Fasten bei Multipler Sklerose (Link zum 6-minütigen Beitrag) gesehen. Darin geht es um die Zusammenhänge von Ernährung und Multipler Sklerose, genauer um das Fasten und die MS. Markus Bock von der Charité Berlin hat eine Versuchsreihe mit 60 MS-Patienten durchgeführt und diese eine Woche lange fasten lassen. Während dieser Fastenwoche haben die Patienten nur selbstgemachte Gemüsebrühe, Tee & Wasser zu sich genommen. Und die Ergebnisse sind verblüffend- seht Euch das Video (s. oben) bitte unbedingt an. Nach einer Woche ging es den Patienten, im Film einer Patientin mit schon fortgeschrittenen Einschränkungen, deutlich besser. So hatte die Patientin anfangs starke Gangschwierigkeiten, die nach der Woche Fasten nahezu verschwunden waren.

Dieser Beitrag hat mich nicht mehr losgelassen, seitdem ich ihn im letzten Jahr gesehen habe. Ich besorgte mir das Rezeptbuch „Zuckerfasten“ von Markus Bock, in dem er eine zucker- und kohlehydratarme Kost empfiehlt- im Gegensatz zur Paleo-Diät, der ich mich ja eigentlich verschrieben habe, aber mit Milchprodukten. Eine Zeit lang probierte ich dieses Zuckerfasten aus. Aber irgendwie hielt ich sie nicht lange durch. Ich weiß nicht genau, woran es lag- irgendwie konnte ich die Diät während der Weihnachtszeit nicht gut durchhalten. Ich wurde immer wieder bei der süßen Weihnachtsbäckerei schwach.

Fasten bei Multipler Sklerose

Aber trotzdem ging mir das Fasten bei Multipler Sklerose nicht aus dem Kopf und ich überlegte oft, wie ich so eine Fastenwoche in meinem Alltag mit 3 Kindern und vor allem mit meinem Medikament Tecfidera unterbringen könnte. Denn eigentlich soll man Tecfidera zum Essen einnehmen, da es ansonsten zu unangenehmen Nebenwirkungen (Magenschmerzen, Durchfall) kommen kann. Das wollte ich nicht riskieren. Auch wollte ich das Medikament nicht einfach so eine Woche lang absetzen. Klar, ich hätte das Gespräch mit meiner Neurologin suchen können- aber, da sie Alternativen jeglicher Art nicht ganz so aufgeschlossen ist, ließ ich es sein.

Intermittierendes Fasten bei Multipler Sklerose

Dann bin ich auf das Intermittierende Fasten oder Intervall-Fasten aufmerksam geworden. Dabei geht es darum, Fastenzeiten mit Zeiten der Nahrungsaufnahme zu kombinieren. Dabei sind die zwei häufgsten Varianten: 16:8 oder 5:2.

Bei der 16:8-Variante, fastet man 16 Stunden des Tages. Dabei nimmt man keine Kalorien zu sich, trinkt nur Wasser oder ungesüßten Tee oder mal etwas Brühe. In den weiteren 8 Stunden darf man Nahrung zu sich nehmen, sollte jedoch darauf achten, dass man nicht zu riesige Portionen zu sich nimmt.

Bei der 5:2-Variante fastet man tageweise. Dabei wechseln sich 5 Tage der Nahrungsaufnahme mit 2 Tagen des Fastens ab.

Mehr Infos, wie das Intermittierende Fasten funktioniert, erfahrt Ihr hier.

Auch das intertemittierende Fasten soll sich positiv auf die Multiple Sklerose auswirken. Denn durch die Nahrungskarenz gehen die Entzündungsprozesse im Körper zurück und eine Remyelinisierung setzt ein (das Myelin ist der Teil der Nerven, der bei der Multiplen Sklerose zerstört wird). Hierzu läuft aktuell sogar eine Studie an der Charité in Berlin.

Übrigens soll das Fasten sich nicht nur positiv auf die MS auswirken, sondern auch auf Rheuma, Parkinson, Psiorias, Alzheimer…

Ich mache 16:8

Ich habe mich für die 16:8-Variante entschieden und am Montag dieser Woche damit begonnen.  Konkret esse ich zwischen 18 Uhr abends und 10 Uhr morgens nichts, sondern trinke ausschließlich Wasser und Tee. Zwischen 10 und 18 Uhr nehme ich 4 kleinere Mahlzeiten zu mir. Das lässt sich super mit meiner Medikamenteneinnahme verbinden. So nehme ich die erste Tablette Tecfidera um 10 Uhr und die zweite Tablette nach dem Abendessen.

Was esse ich?

Zunächst trinke ich mehrere Gläser Wasser und Tassen ungesüßten Tee. Seitdem ich mit dem Intervall-Fasten begonnen habe, habe ich viel mehr Durst. Die Nahrungsaufnahme starte ich dann um 10 Uhr mit einem frischen Saft aus Karotten, Äpfeln und Orangen mit einem Löffel Leinöl. Danach trinke ich meinen heiß geliebten Latte Macchiato mit Kuhmilch und einem Teelöffel Honig. Zwischen 12 und 13 Uhr esse ich dann etwas Gemüse mit Fleisch. Gegen 16 Uhr hatte ich in den letzten Tagen unterschiedliche Snacks, sogar einmal ein süßes Teilchen vom Bäcker, aber auch ein Stück Obst oder ein paar Nüsse. Um 18 Uhr bereite ich mir dann ein leichtes Abendessen zu: etwas Suppe oder ein wenig Gemüse mit Käse überbacken.

Wie geht es mir?

Mir geht es wirklich richtig gut damit- das hätte ich nicht gedacht, dass ich sofort eine Verbesserung spüre. Ich habe am vergangenen Montag gestartet- nun ist es Donnerstag Abend. Die Umstellung auf die 16:8 ging wirklich schnell und ich hatte sofort viel weniger Hunger. Der gefürchtete Heißhunger fiel total aus. Wie ich oben schon geschrieben habe, merke ich, dass ich viel mehr Durst habe. Heute habe ich während einer Dienstbesprechung nebenher innerhalb einer Stunde über einen Liter Wasser getrunken.

Daneben merke ich, dass ich mehr Energie habe. Die vergangenen Wochen waren von vielen Erkältungen und wenig Schlaf geprägt. Dadurch konnte ich mich nur wenig bewegen. Und, wie das so ist: Je weniger ich mich bewege, desto weniger habe ich auch Lust dazu. Aber nun verspürte ich schon am Dienstag wieder den Drang nach Bewegung und nahm in der Arbeit jede Treppe freiwillig. Da ist plötzlich so eine Leichtigkeit und Energie. Darüber hinaus habe ich gemerkt, dass ich die letzten beiden Nächte viel besser geschlafen habe. Noch kann ich nicht bewerten, ob das Zufall ist oder mit dem Fasten zusammenhängt.

Wie geht es weiter?

Den Zucker möchte ich nun wieder noch stärker reduzieren. Dabei geht es mir auch um die Kohlehydrate, die ja zu Zucker verstoffwechselt werden. Dazu werde ich mich nun wieder stärker am „Zuckerfasten“ von Markus Bock orientieren. Und ich werde weitermachen- Ende unbekannt.

Darüber hinaus habe ich beschlossen, Euch wöchentlich am Donnerstag darüber zu informieren, wie es mir mit dem Intermittierenden Fasten bei Multipler Sklerose geht. Sozusagen als Wiederbelebung meines #MSThursday und zur Info für alle diejenigen, die sich für das Fasten bei Multipler Sklerose interessieren.

Habt Ihr bereits Erfahrungen mit dem Fasten gesammelt? Auch schon speziell bei Multipler Sklerose? Könnt Ihr mir weitere Tipps geben? Ich freue mich auf Eure Kommentare 🙂

 

19 Kommentare

  1. Melanie sagt

    Hi, ich hab das 16:8 Modell seit Jahren drauf. Weil ich so ein kleiner Vielfraß bin, war ich 16 Uhr oft mit meinen Tsgeskalorien am Limit und dann war bis zum nächsten Morgen 8 Uhr Schluss. Es war also mehr, um schlank zu sein 😉 . Dass das jetzt so positiv bewertet wird, finde ich toll und rückblickend kann ich sagen: Seit 2011 kein Schub und auch gute Phasen. Da ich meinen Großen lange gestillt habe und seine Babyschwester gerade auch stille, schaffe ich es im Moment nicht. Esse auch mehr Kohlenhydrate als sonst, wenn ich DEN Hunger mit Eiweiß stillen würde, würden meine Nieren wahrscheinlich streiken. Werde nach der Stillzeit erneut umstellen. Bin gespannt auf deine wöchentlichen Berichte 🙂 . Liebe Grüße Melanie

    • Liebe Melanie, das hört sich gut an- ich bin ebenfalls gespannt, wie es bei mir weitergehen wird und ich werde auf jeden Fall berichten. LG

  2. Ich mach auch seit Dezember 16:8. Ab 18Uhr esse ich nichts mehr und trinke nur Wasser. Es gibt auch Tees, die insulinwirksam sind. Deshalb trinke ich auch keinen Tee zur Sicherheit. Manchmal ist es auch eher 15:9. Je nachdem, wie im Büro das Frühstück reinpasst. Ich war anfangs auch total irritiert, wie das Hungergefühl verschwunden ist. Ich hab zuvor immer gefuttert; hatte immer Hunger, am liebsten noch abends vor der Glotze. Und jetzt fällt es mir überhaupt nicht schwer nichts mehr zu essen. Ich muss mich regelrecht zur ersten Malzeit aufraffen!
    Nur wenn ich abends Sport mache (1 bis 2 mal die woche), esse ich danach meistens noch einen Proteinriegel.
    LG Anni.

    • Liebe Anni, ich weiß, dass Früchtetees nicht so gut sein sollen. Ich trinke meist Pfefferminztee oder einen anderne Kräutertee. Mit Sport habe ich es leider noch nicht ausprobieren können. Aber das habe ich mir schon fest vorgenommen. LG

      • Ich frage mich auch, wie es mit Medikamenten ist, die man in diesem Zeitfenster nimmt. Da ist ja auch oft Glukose, Laktose etc. dabei meine ich. Kurbelt so eine kleine Pille o.ä. schon den Stoffwechsel an? Weiß das jemand?

  3. Conny sagt

    Hallo Julia, vielen Dank für den Hinweis auf die Studie zum Fasten bei MS – die kannte ich noch nicht! Das Intervallfasten passt ja auch sehr gut zu den Empfehlungen von Terry Wahls. In ihrem Paleo-Plus-Programm empfiehlt Wahls ja entweder zwei Mahlzeiten am Tag im Abstand von 12 Std. oder alternativ eine tägliche Fastenzeit von idealerweise 16 Stunden. Ich habe auch MS und orientiere mich an der Diät von Terry Wahls.

    Apropos Ernährung, Terry Wahls empfiehlt ja auch täglich Fermente zu essen. Dazu gibt es eine schöne Website von Barbara Hosfeld aus Berlin, die auch MS hat und auf ihrer Seite eine tolle Übersicht über die Wirkung und die Herstellung von Fermenten zusammengestellt hat: http://www.wildefermente.de Es lohnt sich wirklich das auszuprobieren. Ich fermentiere inzwischen regelmäßig Gemüse und das ist nicht nur lecker und gesund, sondern auch ganz einfach umzusetzen.

    Viele Grüße!

    • Liebe Conny, vielen Dank für den Fermentier-Tipp. Ich war schon lange auf der Suche nach Anregungen. Ich habe auch bereits selbst versucht, zu fermentieren. Allerdings war das nicht von Erfolg gekrönt. LG JuSu

  4. Maria sagt

    Liebe Julia, dein Blog ist jetzt nicht nur der erste, den ich abonniert habe (nachdem ich als berufstätige Zwillingsmama mit MS von deinem Buch wirklich begeistert war), sondern auch der erste, den ich kommentiere. Was zeigt, dass du mir wirklich viele Denkanstöße gibst – danke dafür!
    Die Idee mit dem intermittierenden Fasten hat mich spontan total angesprochen, und mir war relativ schnell klar: Das will ich auch probieren! Gestern habe ich angefangen, und was soll ich sagen: Das Reduzieren der Mahlzeiten ist nicht halb so schwierig wie das Einhalten einer „richtigen“ Diät mit Kalorienzählen & Co. Was mich allerdings noch stört: Die Tecfidera-Flushs nach meinem verspäteten Frühstück haben mich an den ersten beiden Tagen mit einer Heftigkeit getroffen, die ich vorher selbst am Beginn der Basistherapie noch nicht erlebt habe. Muss ich mir vorstellen, dass das so bleibt? Solange ich zu Hause vor mich hinglühen kann wie gestern und heute, ist ja alles gut. Aber die Vorstellung, das bei einem dienstlichen Termin zu kriegen, finde ich nicht so lustig… Gibt es da Erfahrungen? LG Maria

    • Hallo Maria, wie machst du es mir der Tecfidera-Einnahme? Nimmst du die Tablette morgens auf nüchternen Magen? Ich nehme sie dann erst um 10 Uhr morgens zur ersten Mahlzeit. Da hatte ich jetzt dann keine Flushs. LG

  5. Maria sagt

    Ich nehme sie auch erst zur ersten Mahlzeit – bei mir zwischen 10 und 11. Meine Theorie war halt, dass die fehlende Regelmäßigkeit der Einnahme die Flushs verstärkt. Tja…

  6. Maria sagt

    Ich experimentiere mal weiter und berichte dann! LG und danke erstmal für deine Antworten!

  7. Steffi sagt

    Hallo Julia, fasten und intermittierendes Fasten scheint ja jetzt überall angesagt zu sein 🙂 Ich mache das jetzt auch schon seit ein paar Wochen, 16:8, ab 20 Uhr bis 12 Uhr. Auch ich nehme Tecfidera und hatte super häufig mit Flushs zu kämpfen. Jetzt nehme ich Tec morgens um 7 / 7:30 Uhr auf nüchternen Magen (das darf jetzt wahrscheinlich kein Arzt lesen…) und trinke bis mittags nur etwa einen Liter grünen Tee. Mittags esse ich dann etwas und abends dann noch einmal (alles Paleo – also auch kein Brot oder Zucker usw.). Falls ich zwischendurch Hunger bekomme, dann noch ’ne Banane oder einen Apfel. Seitdem so gut wie keine Flushs mehr und wenn doch, dann so mimimal, dass man es kaum merkt. Magen-Darm-technisch vertrage ich es auch super. Ich bin begeistert! Wie sich das Ganze auf den Rest der Erkrankung auswirkt – keine Ahnung. Aber im Moment habe ich tatsächlich das Gefühl, dass mir diese Kombination (intermittierendes Fasten + Paleo) wirklich gut tut! Ich bin fest davon überzeugt, dass man einiges selber in der Hand hat und mit Ernährung vieles beeinflussen kann.

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  9. Maria sagt

    Update von mir: nach einer Woche waren meine Flushs wieder auf Normalniveau 🙂
    Positive Folgen für Fitness und MS-Symptome kann ich jetzt eher keine beobachten, aber die Gewichtsabnahme von bisher 2,5 Kilo ist auch hochwillkommen. Von daher bleibe ich erstmal dabei.

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