Ausland, Erfahrung, Wie ist das eigentlich bei Euch?
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Wie ist das eigentlich bei Euch? Teil IV

Ich freue mich sehr für den vierten Teil meines Oktoberprojekts Anne Harenberg vom Blog Die Wüste & ich – Hier gibt es „wüste“ Geschichten über das Leben in Dubai gewonnen zu haben. Ich habe sie über die Brigitte MOM Blogs gefunden und sie hat sich sofort bereit erklärt, hier auf Mama Schulze von ihrem Leben mit Kindern in Dubai zu berichten.

Anne’s Blog „Die Wüste & ich“

Ich freue mich sehr darüber! Denn ich weiß ja nicht, wie das bei Euch ist, aber ich weiß über Dubai herzlich wenig. Schon gar nicht, wie es sich dort mit Kind(ern) lebt. Und noch einmal weniger, wie es sich als Alleinerziehende mit Kind(ern) dort lebt. Daher, Vorhang auf, hier kommt Anne’s Gastbeitrag:


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Manchmal kann ich es selber kaum glauben, aber ich lebe nun schon seit fast 8 Jahren in Dubai und seit 13 Jahren im Ausland (davor u.a. in London und Singapur). Meine Töchter wurden in Singapur bzw. Dubai geboren und haben beide noch nie in Deutschland gelebt. Nach Dubai gekommen bin ich wegen meinem Mann, der hier eine Stelle angeboten bekommen hatte. Der Mann hat sich mittlerweile aus Dubai (und aus der Ehe) verabschiedet und ich lebe seit über zwei Jahren als alleinerziehende Mutter hier.

In Dubai leben über 200 verschiedene Nationalitäten zusammen und entsprechend gibt es hier so viele verschiedenen Formen der Kinderbetreuung, dass ich gar nicht alle aufzählen könnte. Die bei wohlhabenden asiatischen Familien und auch bei vielen westlichen Expats (so nennt man die auf Dauer im Land lebenden Ausländer) wohl beliebteste Variante ist die Live-in-Maid oder Live-in-Nanny. Die Häuser bzw. Appartements in Dubai verfügen fast alle über ein extra Zimmer mit angeschlossenem Bad für eben diese Maids oder Nannys. Sie kommen vorwiegend aus den Philippinen, Sri Lanka und Indien und kümmern sich um Kinder und den Haushalt. Wie viel und in welcher Form kann man frei entscheiden. Manche Familien nutzen eine Live-in-Maid vorwiegend für die Hausarbeit und um abends mal auf die Kinder aufzupassen, andere vertrauen ihnen ihre Kinder ganztägig an, z.B. wenn beide Elternteile arbeiten.

Eine Live-in-Maid ist in Dubai ein für mehr oder weniger bezahlbarer Luxus (inklusive Visum, Urlaubsflug, Versicherung usw. betragen die Kosten zwischen 600 und 800 Euro im Monat), der aber auch seine Tücken haben kann. Viele der Maids sprechen nur gebrochen Englisch und kommen aus einem fremden Kulturkreis, was zu Problemen führen kann. Auf der anderen Seite ist eine Live-in-Maid für die Kinder eine feste Bezugsperson, die sich zu Hause um sie kümmert. In einem Land, in dem fast alle Ausländer sind und niemand Familie/Großeltern hat, die sich um die Kinder mitkümmern könnten, ist es eine gute und wichtige Alternative für die Kinderbetreuung.

Wer keine Live-in-Maid möchte, hat die Möglichkeit Kinder ab drei Monaten in Kinderkrippen oder Kindergärten unterzubringen (bezahlten Urlaub nach der Entbindung gibt es in den Emiraten nur für sechs Wochen, Elternzeit gar nicht). Viele dieser Einrichtungen sind auf berufstätige Eltern eingestellt und bieten Öffnungszeiten von 7 – 19 Uhr und haben auch in den Ferien geöffnet. Die Kosten sind unterschiedlich und hängen von den Größen der Betreuungsgruppen und Zusatzangeboten (z.B. Sprach- oder Sportkurse) ab. Da es in Dubai keine Steuerabgaben gibt, sind alle Kinderbetreuungseinrichtungen in privater Hand und müssen aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Zuschüsse vom Staat gibt es nicht.

Die Schule bzw. Vorschule beginnt für die Kinder in Dubai je nachdem für welches Schulsystem man sich entscheidet frühestens mit 4 Jahren. In den Emiraten gibt es britische, amerikanische, kanadische, französische, indische, australische und noch eine ganze Reihe weiterer Schulen. Zwei deutsche Schulen gibt es auch. Die Auswahl an Schulen ist riesig und fast alle sind in privater Hand und verlangen zum Teil sehr hohe Schulgebühren. Staatliche Schule gibt es, doch diese stehen nur emiratischen Kindern offen. Da die Unterrichtssprache an diesen Schulen Arabisch ist, wären die Schulen aber auch sonst nicht besonders attraktiv für viele Ausländer.

Die meisten Schulen dauern bis zum Nachmittag (zwischen 14.30 & 16 Uhr) und bieten keine weitere Betreuung bis zum Abend an. Fast alle Schule bieten einen – kostenpflichtigen – Busservice an und verfügen über eine Kantine, in der warmes und kaltes Essen gekauft werden kann. Insgesamt ist die Kinderbetreuung in Dubai also gut gelöst, vor allem wenn beide Eltern voll berufstätig sind – billig ist das ganze allerdings nicht.

Das Leben mit Kindern generell ist in Dubai sehr angenehm. Da fast immer die Sonne scheint, reichen kurze Hosen, T-Shirts und Kleider, dickes Einmummeln entfällt. Man kann an den öffentlichen Strand, Parks oder in die Wüste fahren. Fast alle Appartement-Häuser und die privaten Wohnanlagen, in denen die meisten Expats wohnen, verfügen über schöne Spielplätze und Schwimmbäder.

Die Araber sind ausgesprochen kinderlieb und in Restaurants und Geschäften sind Kinder nicht nur willkommen, sie werden immer freundlich bedient und oft mit kleinen Geschenken oder Süßigkeiten beglückt – oft sogar mit mehr als den Eltern lieb ist.

Der, aus meiner Sicht, größte Nachteil am Leben mit Kindern in Dubai ist die fehlende Selbstständigkeit. Dubai ist keine gewachsene Stadt und man muss fast immer mit dem Auto fahren, um von einem Punkt zum anderen zu kommen. Es gibt zwar Busse und eine Metro, doch das Nahverkehrsnetz ist sehr weitmaschig. Entsprechend können die Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule/Freunden fahren oder laufen, sondern müssen immer von den Eltern gebracht werden oder den Schulbus nehmen.

Ich bin mit meinen Mädchen sehr glücklich in Dubai und empfinde es als großen Vorteil für sie, dass sie weltoffen aufwachsen und sehr viele verschiedene Kulturen und Nationalitäten kennenlernen. 

Quelle: http://schwiegermutterinklusive.wordpress.com/uber-mich/

Herzlichen Dank & Alles Gute, liebe Anne!

PS: Übrigens könnt Ihr auf Anne’s Blog und in ihren Büchern „Schwiegermutter inklusive“ & „Schwiegermutter inklusive II“ herrlich lustige Geschichten über die Schwiegermutter lesen. Wunderbar!

Bereits mitgemacht an dieser Reihe haben die Bloggerin Séverine von Mama on the Rocks aus der Schweiz, meine Freundin Renate in Sidney und Tanja vom Blog Tafjora- eine deutsche Familie in Frankreich aus Frankreich. Hier findet Ihr die entsprechenden Beiträge:

Schweiz
Sydney
Frankreich

1 Kommentare

  1. Sarah Thomas sagt

    Wie viele Kinder gehen in die Schule und wie ist der Schulweg für die Kinder? Kommen die Kinder mit dem Schulbus zur Schule oder werden sie von den Eltern gebracht? Oder geht es sogar zu Fuß? Wie sieht es mit Kinderarbeit aus?

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