Erfahrung, Wie ist das eigentlich bei Euch?
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Wie ist das eigentlich bei Euch? Mai 2015

Heute, in meiner Muttertagswoche, darf ich Euch einen neuen Beitrag aus meiner Reihe „Wie ist das eigentlich bei Euch?“ präsentieren, in der ich deutsche Mamas, die im Ausland leben, von ihrem Alltag mit Kindern fernab der Heimat berichten lasse. Im Wonnemonat Mai bewegen wir uns gar nicht so weit weg von Deutschland: nach Holland zu den Oranjes. Oder wie Kristine von Importkaaskopp selbst sagt: ins Land der Kaasköppe. Ich bin  sehr froh, dass sich Kristine bei mir gemeldet hat, um bei meiner Reihe mitzumachen. Denn 1. habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder bei ihr vorbeigeschaut (ohne, dass sie es wusste *hihi*) und 2. hat Holland noch in meiner Reihe gefehlt. Ich finde es spannend, zu erfahren, wie Kinderbetreuung etc. in unserem Nachbarland läuft. Und auch hier kann man deutlich die Unterschiede zu Deutschland sehen: Männer arbeiten viel öfter Teilzeit. Kristine lebt zum Beispiel mit ihrem Mann ein Teilzeitmodell, von dem Papa Schulze und ich träumen! *Neid* Daher wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen!

Kristine und ihre beiden Kaasköppe im Park

Kristine und ihre beiden Kaasköppe im Park

Liebe Kristine, sag mal, wie ist das eigentlich bei Euch?
Eine kurze Vorstellung – das bin ich:

Ich heiße Kristine, bin Anfang 30 Mitte 30 und bin vor mittlerweile fast acht Jahren der Liebe wegen ins Land der Kaasköppe gezogen. Ich arbeite festangestellt als Übersetzerin und bin seit Januar 2012 Mama eines kleinen, blonden Halb-Holländers: der kleine Kaaskop. Als ich im Sommer 2013 meinen Blog ins Leben gerufen habe, weil ich einfach gerne schreibe, sollte es sich darin eigentlich um mein Leben als Deutsche in Holland allgemein drehen, aber irgendwie ist ein Mama-Blog daraus geworden! Die kulturellen Unterschiede gehören aber weiterhin zu meinen festen Themen.

Wie kinderfreundlich ist die Stadt, das Land?

Generell finde ich die Niederlande ein kinderfreundliches Land. Die Niederländer sind ja als ein sehr offenes Völkchen bekannt und Kinder sind eigentlich überall willkommen. In fast allen Restaurants gibt es Kinderstühle und ein Kindermenü, oft auch einen Wickelplatz und eine kleine Spielecke. Dass hierzulande immer mehr Leute drei Kinder haben, sagt wohl genug. Und nicht umsonst machen auch Deutsche gerne Urlaub hier. Nur mit dem Kinderwagen kommt man nicht überall gut durch, denn vor allem in älteren Vierteln sind die Bürgersteige arg schmal und obendrein oft mit Fahrrädern zugeparkt. In den Bussen ist auch weniger Platz für Kinderwagen als ich es von meiner Heimatstadt Kiel kenne – aber die meisten Niederländer nehmen mit Kind sowieso eher das Auto oder das (Lasten-)Fahrrad!

Ein Meer aus Fahrrädern

Ein Meer aus Fahrrädern


Babytransport auf Holländisch

Babytransport auf Holländisch

Gibt es viele Spielplätze?

Ja und meistens sind sie auch ganz gut gepflegt, finde ich. Nur in der Innenstadt muss man wirklich wissen, wo man suchen muss, aber das ist wohl auch in Deutschland so. Es gibt viele Parks, in denen oft auch ein großer Spielplatz mit verschiedenen Bereichen für die einzelnen Altersgruppen zu finden ist. In Utrecht, wo ich bis vor Kurzem gewohnt habe, finde ich den Griftpark sehr schön, der Spielplatz dort ist wirklich toll, ebenso wie die kinderboerderij. Solche „Kinderbauernhöfe“, in denen man meistens zu den Tieren ins Gehege rein darf und es oft auch einen Spielplatz mit Leihspielzeug gibt, findet man wirklich fast überall im Land (siehe Karte hier: http://www.kinderboerderijen.nl/waar-in-de-buurt). Außerdem sind die Spielplätze von Schulen meistens frei zugänglich.

Auf einer kinderboerderij in Amsterdam

Auf einer kinderboerderij in Amsterdam

Gibt es viele Angebote für Kinder?

Ja hoor! („hoor“ sagt man, um sein „ja“ oder „nein“ zu betonen) Das fängt schon mit Babyschwimmen, Babymassage, Musik auf dem Schoß usw. an und hört beim Kita-Frisör, Kleinkindertanzen und einem kostenlosen Büchereiausweis für Babys mit Willkommensgeschenk nicht auf. Die meisten Kinder sind Mitglied eines Sportclubs (neben z.B. Fußball sind hierzulande auch Hockey, korfbal (eine Art Softball) und Wasserball sehr beliebt). Es gibt Museen, zu deren Zielgruppe nachdrücklich auch Kinder gehören (z.B. das Dick Bruna Huis /Nijntje-Museum, über das ich mal gebloggt habe) und auch Theaterstücke oder Konzerte speziell für Kinder werden angeboten. Nur das mit den Wickelstationen in der Drogerie sollten sich die Niederlande mal von Deutschland abgucken, finde ich.

Ist es einfach, einen Babysitter zu finden?

Das sind meistens Opa und Oma, jemand aus der Familie oder das Nachbarsmädchen. Es gibt auch Websites, auf denen Babysitter vermittelt werden, aber damit habe ich keine Erfahrung.

Wie sehen die Betreuungsmöglichkeiten aus?

Gut. Die meisten Kinder unter 4 (mit 4 kommen sie in die Schule, wo die ersten zwei Jahre aber eher der deutschen Vorschule ähneln) gehen in eine private Kita (staatliche gibt es nicht) oder zur Tagesmutter. Die Kitas nehmen Kinder ab 6 Wochen, was für Deutsche wohl unvorstellbar ist. Für Kita und Tagesmutter erhält man vom Staat einen Betreuungszuschlag, der aber leider immer weiter gekürzt wird. Während in Deutschland Kitaplätze knapp sind, müssen hier Kitas mangels Nachfrage schließen, da es vielen Eltern schlichtweg zu teuer wird, die Kinder in der Kita betreuen zu lassen. Wir zum Beispiel zahlen für ein Kind, das drei Tage die Woche in die Kita geht, im Monat gut 1000 Euro für die Kita. Davon kriegen wir vom Staat ca. 400 Euro zurück. Im Preis inbegriffen sind Windeln, Milchpulver, Obst-Snack, Mittagessen (hier in Holland isst man mittags Brot), Getränke und Nachmittagssnack. Es gibt sogenannte vertikale (alle Altersgruppen gemischt) und horizontale (0-2 bzw. 2-4 Jahre) Gruppen, der Betreuungsschlüssel richtet sich nach der Zusammensetzung der Gruppen. Mehr als 8 Kinder pro Erzieherin und 16 Kinder pro Gruppe sind nicht erlaubt. Wenn eine der festen Erzieherinnen mal krank oder im Urlaub ist, regelt die Kita eine Vertretungskraft. Die Öffnungszeiten der Kitas sind sehr elternfreundlich, die meisten haben von ca. 7:30-18:15 Uhr geöffnet. Gleitzeit quasi, denn so lange sind die Kinder dort natürlich nicht. Auch in den Schulferien sind die Kitas geöffnet, nur an offiziellen Feiertagen und an den jährlich 2 Schulungstagen der Erzieherinnen sind sie geschlossen. Ach ja: an welchen Tagen die Kinder in die Kita gehen, bleibt den Eltern überlassen. Der kleine Kaaskop geht zum Beispiel nur Di-Do, der Nachbarsjunge Mo-Do, ein Mädchen aus seiner Gruppe nur Di und Do… Für Schulkinder gibt es vor der Schule, nach der Schule und in den Schulferien den buitenschoolse opvang, also die außerschulische Betreuung. Tagesmütter gibt es wie gesagt auch, aber damit habe ich keine Erfahrung. Wegen des gekürzten Betreuungszuschlags scheinen sie aber beliebter zu werden, weil sie nach tatsächlich geleisteten Stunden abrechnen anstatt pro Tag oder halbem Tag wie es bei den Kitas der Fall ist.

Gehen in der Regel beide Elternteile arbeiten? Wie ist die Arbeitsverteilung bei den Eltern? Wie ist die gesellschaftliche Meinung diesbezüglich?

Meistens gehen beide Elternteile arbeiten. Das wird wohl auch damit zusammenhängen, dass es hier in Holland keine bezahlte Elternzeit gibt! Die meisten Mütter nehmen nach dem 16-wöchigen Mutterschutz noch Urlaub und müssen dann wieder ran, wenn sie nicht ihren Job ganz aufgeben wollen. Man hat zwar Anspruch auf 13 Wochen ouderschapsverlof, aber der ist wie gesagt in der Regel unbezahlt (manche Arbeitgeber zahlen freiwillig einen Teil des Gehalts fort, aber das ist eher selten). Viele teilen sich ihren ouderschapsverlof über 26 Wochen auf, sodass sie nach dem Mutterschutz erstmal nur noch 50 % ihrer alten Wochenarbeitszeit arbeiten. Ich hab damals nach meinem Mutterschutz 13 Wochen Vollzeit frei genommen und danach wieder wie vor der Schwangerschaft 4 Tage die Woche gearbeitet (32 Stunden). Der große Kaaskop arbeitet auch 4 Tage (allerdings 36 Stunden).Das sieht man hier übrigens auch oft: dass Vater und Mutter jeweils 4 Tage arbeiten und einen zuhause beim Nachwuchs sind. Ich finde es ideal! „Papatage“ sind hierzulande auch für z.B. Manager keine Seltenheit.

Bist Du glücklich mit der Situation? Wie ist ein Vergleich mit Deutschland?

Ich bin soweit ganz glücklich mit meinem Leben hier in Holland! Familie und Beruf lässt sich gut kombinieren, finde ich. Dank der teuren aber guten Betreuungsmöglichkeiten und der vielseitigen Teilzeitmöglichkeiten können Familien relativ frei entscheiden, wie sie die Betreuung regeln möchten. Vor allem bei den Männern sind die Niederlande europaweit absoluter Spitzenreiter in Sachen Teilzeit und viele Arbeitgeber sind flexibel, was die Arbeitszeit betrifft. Wenn die Art der Arbeit es zulässt, kann man in der Regel problemlos abends Arbeitszeit nachholen, wenn man z.B. unter der Arbeitszeit mit seinem Kind zum Zahnarzt musste oder so. Ich habe zwar selber wenig Erfahrung mit Arbeiten in Deutschland, aber ich habe den Eindruck, dass niederländische Arbeitgeber ihren Mitarbeitern mehr Vertrauen schenken als deutsche und akzeptieren, dass Kinder einfach zum Leben dazugehören. Ich habe auch den Eindruck, dass niederländische Mütter sich seltener rechtfertigen müssen, wenn sie viel oder gar nicht arbeiten gehen, wenn die Kinder noch klein sein. Auf bezahlte Elternzeit bin ich aber doch ein wenig neidisch!

Vielen  lieben Dank, liebe Kristine, dass Du Dir die Zeit genommen und meine Fragen beantwortet hast!

Bereits mitgemacht an dieser Reihe haben die Bloggerin Séverine von Mama on the Rocks aus der Schweiz, meine Freundin Renate in Sidney, Tanja vom Blog Tafjora- eine deutsche Familie in Frankreich aus Frankreich, Bloggerin Anne vom Blog Die Wüste & Ich aus Dubai und Nadine vom Blog Buntraum aus Wien, Dajana vom Blog Mit Kinderaugen, die eine Zeit in den USA verbracht hat und Lara vom Blog Dreaming Today, die in Finnland lebt. Im April hat mir Susanne, die in Andalusien lebt, meine Fragen beantwortet. Ihr Blog heißt Andalusienmutti. Hier geht es zu den entsprechenden Beiträgen: Schweiz Sydney Frankreich Dubai Wien  USA Finnland Spanien

Lebt Ihr ebenfalls mit Eurer Familie im Ausland und würdet gerne bei mir im Rahmen dieser Reihe davon berichten? Dann freue ich mich über eine Mail von Euch an

mama.schulze(at)gmx.de.

2 Kommentare

  1. Melanie sagt

    Ich liebe ja die Serie wie ist das eigentlich bei euch? und lese immer ganz gespannt mit wie es woanders so mit der Kinderbetreuung und co. aussieht.
    Das holländische Modell klingt gar nicht schlecht und hat finde ich viele positive Aspekte:-))
    Ich wünsche Kristine und ihrer Familie weiterhin alles Gute.

    Liebe Grüßle Melanie

  2. Pingback: Wochenende in Bildern 9./10. Mai - Mama Schulze

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