Ausland, Erfahrung, Wie ist das eigentlich bei Euch?
Kommentare 4

Wie ist das eigentlich bei Euch? März 2015

Ich freue mich, dass sich heute Lara vom Blog Dreaming Today den Fragen von „Wie ist das eigentlich bei Euch?“ stellt und uns einen Einblick in ihr Leben in Finnland gibt! Ich verfolge Laras Blog seit letztem September als Lara quasi im letzten Drittel ihrer Schwangerschaft angekommen war, da ich es interessant finde, sozusagen aus erster Hand zu erfahren, wie das Leben im als so kinderfreundlich umschriebenen Finnland ist. Sie ist im Dezember Mama eines kleinen Jungen geworden. Dazu möchte ich ihr an dieser Stelle natürlich noch einmal ganz herzlich gratulieren :-). 
Übrigens habe ich mit Papa Schulze einmal ein verlängertes Wochenende in Helsinki verbracht und wir wollen seitdem unbedingt noch einmal hin! Wenn wir das wirklich einmal in die Tat umsetzen, müssen wir uns unbedingt treffen, Lara 🙂

Liebe Lara, magst Du Dich uns bitte vorstellen?

Ich bin Lara, 27 Jahre und schreibe auf meinem Blog Dreaming Today über mein Leben in Finnland und viele andere Themen wie Reisen, Rezepte und meine Leidenschaft Häkeln. Nach dem Abitur wollte ich mir eine Auszeit gönnen und entschloss mich für einen Aufenthalt als Au-pair in Finnland. Fast 8 Jahre nach dieser Entscheidung bin ich noch immer hier. Mittlerweile lebe ich mit finnischem Freund und seit Dezember mit Baby dazu in der Nähe von Helsinki.

Über das Thema Kinder in Finnland könnte ich problemlos einen Roman schreiben, ich werde versuchen, mich kurz zu halten. Durch meinen Au-pair-Aufenthalt, Studium und Arbeit als Kindergartenlehrerin in einer Vorschulgruppe habe ich viele Einblicke in das  Leben von und mit finnischen Kinder sammeln können. Nun habe ich endlich selber die Chance, das Leben mit Kind von der privaten Seite erkunden zu können!

Da ich als Mutter noch nicht in Deutschland gelebt habe, kann ich nicht alles so gut vergleichen. Ostern steht unser erster Besuch in der alten Heimat an und ich bin gespannt! Gespannt bin ich auch, wie euch meine Eindrücke gefallen. Eure Fragen beantworte ich gerne, da ich vieles in meinem Beitrag nur angerissen habe.

Wie kinderfreundlich ist dein Land/ deine Stadt?

Finnland hat nicht ohne Grund einen Ruf als kinderfreundlich und dies macht sich mir immer wieder bemerkbar. Teilweise in Kleinigkeiten wie einem Kinderwaggon in Fernzügen, mit einer Spielecke und Wickelplatz. Schwangere werden vom Staat mit der „Mutterschaftsbox“ voller Sachen für die Erstausstattung beschenkt. Kinder sind eben willkommen! Im Großraum Helsinki, wo wir wohnen,kann man mit einem mitgeführten Kinderwagen umsonst die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Die Kinderfreundlichkeit spiegelt sich gerade im Betreuungssystem wider, auf das ich noch zu sprechen komme.

Lara beim Auspacken der „Mutterschaftsbox“
Eine riesige Box voller schöner Sachen für den neuen Erdenbürger

Ich empfinde diese Kinderfreundlichkeit als eine angenehme Selbstverständlichkeit in Finnland. Kinder haben nun mal andere Bedürfnisse und diese werden von vielen Seiten bedacht. 

Gibt es viele Spielplätze?

Wir haben sogar im Hinterhof einen kleinen Spielplatz, wie viele andere Häuser auch. 

Die Kindergärten sind natürlich alle mit einem Außengelände ausgestattet, neuere Einrichtungen attraktiver gestaltet als ältere. Sind die Kindergärten geschlossen, können diese von allen genutzt werden.

Im Winter werden die Sportplätze auf den Schulhöfen vereist und nach Schulschluss kann dort nach Herzenslust Schlittschuh gelaufen oder Eishockey gespielt werden.

„Nachbarschaftsspielplatz“

Es gibt einige Spielplätze mit einer Art „Nachbarschaftsclubhaus“, dort werden Aktivitäten angeboten. Ich gehe zum Beispiel zu einer Stillgruppe in einen „Nachbarschaftspark“ in unserer Nähe. Das ist für mich eine gute Möglichkeit, mit anderen Müttern in Kontakt zu kommen. Finnen sind teilweise schüchtern und stiller, da bietet sich so ein Treffpunkt für Mutter und Kind(er) an, um neue Kontakte zu knüpfen.

Nachbarschaftsclubhaus mit Spielplatz

Gibt es viele Angebote für Kinder?

Viele Kinder gehen zur Musikschule, teilweise findet diese am Vormittag im Kindergarten statt. 

Ich habe mir schon eine Liste zusammengestellt von Aktivitäten, zu denen ich hingehen will, z.B.  „Babyspielevormittag“ oder „Mutter-Kindfrühstück“. Vieles davon findet in den erwähnten „Nachbarschaftsparks“ statt. Es ist immer irgendwo etwas los! Man muss nur die Augen offen halten.

Darüber hinaus haben die Büchereien (für alle umsonst zu nutzen) viele verschiedene Angebote und laden zum Lesen und verweilen ein.

Mir ist positiv aufgefallen, dass die Eltern oft mit ihren Kindern rausgehen. Am Wochenende oder am Nachmittag sieht man viele Eltern, die bei Wind und Wetter mit ihren Kindern raus gehen. Immerhin gibt es Regenkleidung! 

Wie sehen die Betreuungsmöglichkeiten aus?

Die Betreuung ist sehr gut geregelt, wofür Finnland weithin bekannt ist. Schon die Kleinen können mit 9 Monaten in den Kindergarten gehen. Vorschule ist zwar offiziell nicht Pflicht, doch fast alle Kinder besuchen diese im letzten Jahr vor der Einschulung. Dies ermöglicht, eventuelle Schwächen vor dem Schuleintritt zu erkennen und zu fördern. Die Kinder werden mit 7 eingeschult und entscheidend ist das Kalenderjahr. 

Der Großteil der Einrichtungen ist öffentlich und von den Kommunen finanziert, die Eltern zahlen einen eigenen Anteil, abhängig vom Einkommen. Kinder, deren Eltern zu Hause sind oder zum Beispiel von Familien mit Migrationshintergrund, haben genauso einen Anspruch auf Betreuung (ca. 6 Stunden pro Tag), wie alle anderen. 

Die Kitas haben meist zwischen morgens halb 7 und am frühen Abend gegen halb 6 geöffnet. Diese Zeiten sind je nach Einrichtung anders geregelt. Morgens geht es mit einem Frühstück los, Brote schmieren müssen finnische Eltern nicht.

Es gibt, was in Deutschland ja leider Mangelware ist, 24 Stunden Kitas für Eltern im Schichtdienst, oder die beispielsweise auf einem Schiff 1-2 Wochen am Stück arbeiten.

Weitverbreitet ist das System der Tagesmutter, manche arbeiten mit einer Kommune zusammen. Diese ermöglicht eine „Notgruppe“ in einem Kindergarten der Stadt, sollte eine Tagesmutter krank oder im Urlaub sein. 

Finnland ist so organisiert, dass überall der Service (in der Kindertagespflege, Schule oder dem Gesundheitssystem) gleich sein soll. Ich finde es beruhigend zu wissen, dass mein Kind überall gut aufgehoben ist und es nicht von der Gegend abhängt, wo es die Betreuung bekommt. Blöde Erzieherinnen kann es immer überall geben, vor denen ist ebenfalls Finnland nicht sicher. 😉

Gehen meistens beide Elternteile arbeiten  oder ist es eher üblich, dass z.B. die Frau zu Hause bleibt?

In Finnland arbeiten meist beide Eltern, da es die Betreuung der Kinder ermöglicht. 

Dass Frauen berufstätig sind, ist alltäglich und es wird als normal angesehen (meiner Meinung nach sogar erwartet), dass eine Frau irgendwann eine Zeit im Beruf ausfällt, da sie ein Kind bekommt. Es ist ziemlich selbstverständlich, wenn Kinder eine Tageseinrichtung  besuchen.

Trotzdem bleiben gleichermaßen wie in Deutschland eher die Mütter zu Hause, als die Väter. 

Alle Väter bekommen direkt ab dem Tag der Geburt 3 Wochen Vaterschaftsurlaub und noch einmal ab dem Zeitpunkt, wenn das Baby 9 Monate alt ist, für 6 Wochen. Es war für uns beruhigend zu wissen, dass mein Freund sofort ab dem Tag der Geburt frei hatte. Er musste sich keinen Urlaub nehmen, der eventuell dann doch nicht zur Geburt des Kindes „passt“.

 

Wie sieht es mit Babysittern aus?

Ähnlich wie in Deutschland bieten viele Studenten oder Schüler ihre Dienste an. 

Während des Studiums habe ich bei einer Babysitteragentur gearbeitet, die mich zu kranken Kindern geschickt hat. Ich wurde von den Firmen der Eltern bezahlt, dass diese nicht ausfallen und zur Arbeit kommen können. Dieser Babysitterdienst gilt jedoch nur für bestimmte Firmen, die diesen Service einkaufen.

Bei einer Kinderschutzorganisation kann man nach einem Babysitter fragen und wird vermittelt oder man fragt das (ältere) Nachbarskind!

Bist Du glücklich mit der Situation in Finnland? Wie ist der Vergleich mit Deutschland?

Es ist nie immer alles gold was glänzt, das gilt für jedes Land! Auch in Finnland müssen einige Eltern auf einen Kitaplatz warten oder sich dann nach privaten Kitas umschauen. Der Betreuungsschlüssel, wenngleich höher als in Deutschland, könnte trotzdem erhöht werden und viele Kitas und Schulen versinken im Schimmel, um nur einiges anzureißen.

Doch ich fühle mich hier wohl und gut aufgehoben. Besonders jetzt in der neuen und öfters beängstigenden Situation mit Kind, in einem anderen Land fernab der eigenen Familie.

Ich habe das Gefühl, es wird uns als Familie sehr einfach gemacht. Gerade mir als Frau, weil es an mir liegt, wann ich wieder arbeiten will und nicht an der Frage, ob mein Kind einen Platz in einem Kindergarten bekommt.

Vielen lieben Dank, liebe Lara, dass Du mitgemacht und uns einen Einblick in Dein Leben in Finnland verschafft hast!

Bereits mitgemacht an dieser Reihe haben die Bloggerin Séverine von Mama on the Rocks aus der Schweiz, meine Freundin Renate in Sidney, Tanja vom Blog Tafjora- eine deutsche Familie in Frankreich aus Frankreich, Bloggerin Anne vom Blog Die Wüste & Ich aus Dubai und Nadine vom Blog Buntraum aus Wien sowie Dajana vom Blog Mit Kinderaugen, die eine Zeit in den USA verbracht hat. Hier geht es zu den entsprechenden Beiträgen:

Schweiz
Sydney
Frankreich
Dubai
Wien 
USA

Lebt Ihr ebenfalls mit Eurer Familie im Ausland und würdet gerne bei mir im Rahmen dieser Reihe davon berichten? Dann freue ich mich über eine Mail von Euch an mama.schulze(at)gmx.de.

4 Kommentare

  1. Oh, was für eine schöne Reihe! Habe ich erst jetzt entdeckt und werden mich mal durchklicken.
    Finnland klingt wirklich toll (wäre es nicht so weit weg von der Familie und kalt und dunkel – in meiner Vorstellung jedenfalls).
    Bin gespannt auf weitere Länder!
    Viele Grüße
    Sarah

  2. Pingback: Wie ist das eigentlich bei Euch? April 2015 - Mama Schulze

  3. Pingback: Wie ist das eigentlich bei Euch? Juni 2015 - Mama Schulze

Kommentar verfassen