Erfahrung, Trennung
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Wenn Erwachsene sich trennen

Wir haben im Familien- und Freundeskreis die zweite Trennung. Letztes Jahr hat sich die Patentante von MaxiSchnecke & MiniSchnecke von ihrem langjährigen Freund getrennt. Nun ist das bei meinen Schwiegereltern auch der Fall. Und das beschäftigt MaxiSchnecke. MiniSchnecke bekommt es mit ihren 20 Monaten natürlich noch nicht so mit. Aber MaxiSchnecke fragt natürlich. Und, wie es sich für eine 3-jährige gehört, reicht nicht eine Frage & eine Antwort, sondern sie stellt mindestens 5 Fragen und hinterfragt jede Antwort mindestens 4 Mal. Bevor ich MaxiSchnecke von den Trennungen erzählt habe, habe ich mir so meine Gedanken, wie ich das am besten anstelle. So Trennungen sind ja kompliziert. Es gibt meistens nicht DEN einen Grund, sondern mehrere. Und die Gründe sind wiederum nicht so einfach & kindgerecht zu erklären. Aber das Kind braucht eine einfache Erklärung. Sonst beschäftigt sie das Thema noch länger und intensiver. 
Vor einem Dreivierteljahr, als sich die Patentante von den Schnecken getrennt hat, war die ganze Situation für mich noch etwas einfacher. MaxiSchnecke war eben auch noch ein halbes Jahr jünger. „Der X kommt jetzt nicht mehr, wenn uns die Patentante besucht. Die beiden haben Streit und vertragen sich nicht mehr. Das ist bei Erwachsenen manchmal so.“ Warum, wieso, weshalb, wurde nicht großartig hinterfragt. Seitdem hat sich MaxiSchnecke kräftig weiterentwickelt.
Nun waren wir bei der Oma (ohne Opa) zu Besuch und MaxiSchnecke merkte, obwohl sie den Opa ohnehin noch nie viel gesehen hat, das Opa fehlte. Opas & Omas gehören schließlich zusammen. 
Verstärkt wurde das große Fragezeichen nun dadurch, dass Opa abends unangekündigt vorbei kam. Das war für MaxiSchnecke zuviel. Sie saß beim Abendessen und verweigerte sofort das Essen, hatte vor Opa Angst & ich konnte richtig spüren, dass sie ihre kleine Welt nicht mehr verstand. Erklärungsversuche à la „Opa ist nur ganz kurz da, weil er dann wieder zur Arbeit muss.“, verwirrten sie nur. Sie merkte, dass etwas nicht stimmt, dass die Stimmung zwischen Oma & Opa irgendwie komisch war. Und die Schnecke war total aufgelöst.
Und dann habe ich es ihr ganz einfach erklärt: „Oma & Opa haben Streit. Sie werden sich nicht mehr vertragen. Und deswegen wohnt Opa jetzt auch nicht mehr hier. Deswegen musst Du keine Angst haben. Oma & Opa haben sich nicht verändert.“ Und dann kam es: „Warum haben Oma & Opa Streit?“ Tjaa, nun, Augen zu und durch und einfach verpackt: „Weil der Opa immer so viel arbeitet und nie Zeit für Oma hat.“  MaxiSchnecke hat das verstanden: „Und deswegen wohnt er nicht mehr hier! Weil die sich nicht mehr vertragen. Wo wohnt der Opa jetzt?“ „In einer anderen Stadt.“ „In Frankfurt?“ „Nein, in einer Stadt, die Du nicht kennst.“ 
Damit war & ist natürlich noch nicht Schluss. Wir haben und werden das nun noch zig Mal durchsprechen. Aber MaxiSchnecke’s kleine Welt ist nicht mehr total durcheinander. Es ist eine Erklärung, die sie versteht. Und sie ist nicht gelogen. Sie gibt natürlich nicht alle Facetten der Trennung wider. Aber es ist so in Ordnung für sie.
Gleichzeitig erinnerte sie sich direkt wieder an die Trennung ihrer Patentante. „Oma & Opa haben Streit. Wie meine Patentante & X. Die vertragen sich auch nicht mehr? Warum haben X & Y Streit?“ Darauf hatte ich spontan keine Antwort. Wie erklärt man das Auseinanderleben von Erwachsenen in allen seinen Schattierungen einem Kind? „Hmmmh“, war meine Antwort, „am besten fragst Du das Deine Patentante, wenn Du sie das nächste Mal siehst. Sie erklärt Dir das dann.“ Ich dachte mir, so ist es einfacher, dann kann die Patentante auch selbst entscheiden, wieviel sie erzählen mag und mit welchen zukünftigen Fragen sie gelöchert werden möchte. Auch diese Antwort war für MaxiSchnecke in Ordnung. Sie wusste, sie bekommt eine Antwort auf ihre Frage. Wir nehmen sie ernst. 
….und als sie ihre Patentante letzte Woche gesehen hat, hatte sie ihre Frage schon wieder vergessen… (Aber die Frage kommt bestimmt noch einmal auf)

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