Multiple Sklerose
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Welt-MS-Tag: Liebt Euer Leben

Heute ist Welt-MS-Tag. Heute vor fünf Jahren bin ich mit der Diagnose Multiple Sklerose aus dem Krankenhaus entlassen worden. Wie das war, als ich die Diagnose bekommen habe, könnt ihr hier nachlesen.

Der Welt-MS-Tag ist immer am letzten Mittwoch im Mai. An ihm wird auf die Erkrankung aufmerksam gemacht und über sie aufgeklärt. MS-Gruppen haben Informationsstände, im Fernsehen laufen entsprechende Spots oder Reportagen, Zeitungen schreiben über die Erkrankung, etc. Für mich ist dieser Tag durch die Verknüpfung mit der Diagnose natürlich jedes Jahr ein ganz besonderer Tag.

Es ist so unglaublich viel passiert, seitdem ich die Diagnose vor 5 Jahren bekommen habe. So viel, dass ich es manchmal gar nicht fassen kann. Ich habe zwei wunderhübsche Töchter bekommen und meine ganze Einstellung zum Leben hat sich geändert.

 

Mein ganzes Glück: Papa Schulze & die Schnecken

 

Heute kann ich das Leben genießen, kann ich die schönen Dinge sehen, riechen, erfassen, und manchmal möchte ich das pure Leben einfach nur aufsaugen. Ich wünsche mir manchmal, diese schönen Momente, die ich nun viel öfter erkenne als früher, einfrieren und für immer für mich konservieren zu können.

Glücklich im Alltag

 

Vor der Diagnose war ich viel unzufriedener, habe mich viel mehr mit anderen verglichen, war neidisch, konnte nicht richtig genießen. Was habe ich Probleme gewälzt, gestritten und immer neue negativen Themen geschaffen! Ich konnte mich schon freuen oder lachen. Trotzdem schwebte über allem stets ein Zweifel: Hatte Person A nicht bessere Noten, das bessere Praktikum, das Studium schlauer gewählt und jetzt einen besser bezahlteren Job? War Frau B nicht schlanker, gut aussehender und gewitzter als ich? Oder hatte Person C nicht viel mehr Freunde als meine Wenigkeit?

Dadurch habe ich viele schöne Momente schlichtweg verpasst. Heute muss ich dagegen manchmal weinen, weil mein Leben so schön ist.

Wieso ist das so, dass man sich an seinem Leben oft erst richtig erfreuen kann, wenn man einen Schicksalsschlag erlebt hat? Wieso fällt es im Alltag oft so schwer, innezuhalten? Nicht dem nächsten Trend hinterher zu jagen und immer mehr zu wollen? Warum sind viele von uns so unzufrieden? Warum grämen wir uns so?

Unzufriedenheit, Neid, negative Gedanken: allesamt sind sie Gift für die Gesundheit. Das merke ich tagtäglich durch die Multiple Sklerose. Denn geht es mir psychisch nicht gut, dann merke ich das auch direkt körperlich. Dann spüre ich meine Beeinträchtigungen durch die Multiple Sklerose viel stärker.

Daher ist es mir heute ein Anliegen, euch zu sagen:

Liebt Euer Leben nicht erst, wenn Ihr krank seid, ein lieber Mensch stirbt oder sonst etwas Schlimmes passiert. Liebt Euer Leben jeden Tag! Immer wieder aufs Neue. Macht es Euch immer wieder bewusst! Ihr habt nur das Eine! Es ist eines der Schwersten. Aber mit Liebe und Dankbarkeit wird es immer leichter sein.

Entschuldigt bitte, wenn ich heute etwas pathetisch daherkomme. Ich trage diese Zeilen schon ein paar Tage mit mir herum und sie liegen mir am Herzen. Mein Blog „Mama Schulze“ ist neben Spaß auch Therapie für mich. Und zur Therapie gehört auch Erkenntnis 😉

 

13 Kommentare

  1. Nadine sagt

    Danke, liebe JuSu!

    Während ich das lese, fangen meine Augen an zu schwimmen, ich schaue schnell nach oben und blicke direkt in die fröhlichen Augen meiner großen Tochter, die genüsslich die Reste ihres Frühstücks in ihre Schnute schiebt.

    Ich weiß, auch heute wird ein schöner Tag. Und auch ich wurde dessen leider erst kurz vor zu spät bewusst.

    Genieße Deinen Donnerstag, ich grüße Dich ganz lieb!

  2. Birte Krümmel sagt

    Das hast du so toll geschrieben. Mein Mann hat auch MS und geht leider mit verdrängen damit um. Als er vor 7 Jahren das zweite mal im KH lag weil er einen Schub hatte und er endlich die Diagnose bekommen hat war unser Ältester gerade 3 Monate alt. Ich dachte damals ich schaff es nicht. Mittlerweile haben wir drei Kinder seine Entzündungsherde haben sich komplett zurückgebildet und ich gucke ganz positiv in die Zukunft das es so bleibt und keins der Kinder etwas vererbt bekommen hat.

  3. Talymiau sagt

    Thema MS wurde damals (ich glaube das war 2005) bei uns in der Schule aufgegriffen, wir nahmen an dem Projekt „Run for help“ teil, kennst du bestimmt oder 🙂 ?
    Ich finde toll, das es das heute noch gibt.
    Immer wenn ich Dich lese, denke ich an die Zeiten als wir im Jubipark die Runden für die Sponsoren gedreht haben.

    Leider geht mir im Alltag viel zu oft der Gedanke verloren, wie froh ich sein kann, das meine Familie und Freunde alle gesund sind.
    Die Zweifel von denen du vor deiner Diagnose sprichst, sind mir nicht unbekannt.
    Danke fürs wachrütteln ♥

  4. Melanie sagt

    Liebe JuSu
    Ein toller Post und so schön geschrieben! Ich freue mich so sehr, dass ich dich und deinen Blog gefunden habe und finde deine Einstellung großartig! Sei ganz lieb gedrückt! ♥♥
    Viele liebe Grüßle Melanie

  5. Schöne Worte
    DANKE!
    Zufällig hab ich deinen Blog entdeckt und jetzt bleib ich gern ein bisschen hier. Zum einen weil ich viel zu wenig über MS weiß und zum anderen weil du mir sofort sympathisch bist 🙂
    Liebe Grüße aus Oberbayern und SERVUS
    sagt die Steffi

  6. So schön gechrieben liebe JuSu und ich kann deine Worte als Betroffene nur bestätigen 🙂 Und selbst als Mama von erwachsenen Kindern erlebe ich jede Minute mit ihnen bewusster und überhaupt genieße ich die guten Momente im Leben nun doppelt und dreifach 🙂

  7. Bewußt leben. Das sollte auch denen gelingen, die nicht von schweren Schikcsalsschlägen getroffen werden. Aber wenn es einem eigentlich gut geht, findet man viel schneller das berühmte Haar in der Suppe.
    Du beeindruckst mich sehr. Aber das habe ich Dir ja schon oft gesagt 🙂

    Liebe Grüße
    Suse

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