Mama mit MS, MS Thursday
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Weißt Du, meine Mama ist krank.

„Weißt Du, meine Mama ist krank.“

Diesen Satz höre ich nun immer häufiger von meiner MaxiSchnecke. Völlig zusammenhangslos spricht sie ihn aus. Zu Oma oder Opa, zu den Nachbarn oder Freunden. Dass Mama krank ist, scheint sie zu beschäftigen.

Ich habe viel nachgedacht, wie ich damit umgehen soll. Ich will diesen Satz und die damit verbundenen Gedanken meiner Tochter nicht einfach ignorieren, ihm aber auch nicht zu viel Beachtung schenken. Zum einen möchte ich ihr das Gefühl geben, sie ernst zu nehmen. Ich möchte nicht einfach über ihre Gedanken hinwegtreten. Sie ist eine kleine Person, die sich viele Gedanken macht. Und das finde ich gut so und daher möchte ich sie darin bestärken.

Zum anderen möchte ich jedoch nicht, dass die Multiple Sklerose dadurch mehr Platz in unserem Alltag bekommt. Mir geht es (noch) so gut mit der MS, dass ich keine Schreckensbilder malen oder Ängste bei meinen Töchtern auslösen möchte. Ja, die MS ist ein Teil meines und unseres Lebens. Aber nicht mehr. Trotzdem, oder gerade dadurch ist sie bei uns präsent. Und da ich einen offenen Umgang mit der Erkrankung pflege, gibt es natürlich zahlreiche Fragen von der Großen (5). Die Kleine (3) lässt sich noch Zeit mit der Fragerei, hört aber immer ganz ruhig und bedächtig zu, wenn Maxi und ich über die MS sprechen.

Mama ist krank – wie ich damit umgehe

Ich habe begonnen, diesen Satz zunächst zu bestätigen und abzuwarten, ob mehr von ihrer Seite kommt. Tut es meistens nicht. Indem ich diesen Satz bestätige, zeige ich ihr, dass ich ihr zuhöre und hole Familie, Freunde und Bekannte aus für sie ungewohnten Situationen heraus. Denn viele sind sich unsicher, wie sie reagieren sollen. Verständlicherweise, denn a) ist diese Situation für sie ungewohnt und b) wissen sie nicht, wie ich damit konkret umgehe. Wenn ich dann das Gefühl habe, dass es für die MaxiSchnecke OK ist, dann belasse ich es dabei und gehe nicht weiter darauf ein. Habe ich das Gefühl, dass da „noch etwas“ auf der kleinen Seele brennt, dann frage ich sie, ob sie mit mir darüber sprechen möchte und beantworte ihr alle weiteren Fragen.

Mama ist krank – wie die Kita damit umgeht

„Meine Mama ist krank“ – dazu spreche ich auch in regelmäßigen Abständen mit den Erzieherinnen der MaxiSchnecke, um auf dem Laufenden zu bleiben. Manchmal sprechen sie mich auch darauf an. Vor einigen Wochen zum Beispiel. Denn da hat sich Maxi auch in der Kita sehr viel mit meiner Krankheit beschäftigt und darüber geredet. Insbesondere hat sie sich Sorgen darum gemacht, dass ich meine Medikamente nicht regelmäßig nehme, sondern sie vergesse. Dazu muss ich sagen, dass ich mein Medikament selten vergesse. Aber das scheint ihr trotzdem Angst zu machen. Sie weiß genau, dass Mama die Medikamente nehmen muss, damit die Krankheit nicht schlimmer wird.

Natürlich hat mich interessiert, wie die Erzieherinnen mit den Fragen und Gedanken meiner Tochter umgehen. Sie sagten mir, dass sie ihr in erster Linie zuhören. Ihr würde es gut tun, unbefangen darüber sprechen zu können. Und das läuft ja auch mit meinem Umgang konform. Bisher seien noch keine Ängste dabei aufgetaucht, um die ich mir Sorgen machen müsse. Generell sei das Thema Krankheit in der Kindergartengruppe sehr präsent. Jede Wunde, jede Verletzung würde von allen Kindern inspiziert werden.

Wir haben vereinbart, dass sie mich informieren, sobald sich an diesem Zustand etwas ändern sollte und meine Tochter ängstlich, traurig oder wütend werden sollte.

Eine Pillendose für Mama

Als ich das beschriebene Gespräch mit den Erzieherinnen hatte, hatte die MaxiSchnecke dann noch eine besondere Überraschung für mich: Sie hat mir eine Pillendose gebastelt. „Mama, da kannst du dann immer alle Deine Tabletten reintun und dann vergisst Du sie auch nicht!“

Mama ist krank

Die Pillendose: ein Geschenk der MaxiSchnecke

Ich war zunächst sehr gerührt. Gemeinsam mit der Erzieherin flossen ein paar Tränen. Viele Gefühle übermannten mich: Freude, Trauer, Stolz und Wut. Freude, da ich eine so tolle und empathische Tochter habe. Trauer, da sie sich schon in so jungen Jahren mit meiner Krankheit beschäftigten muss. Stolz, da wir so einen schönen und offenen Umgang mit meiner Krankheit gefunden haben. Und Wut, weil ich zeitgleich wütend auf das Universum bin, dass wir nicht ein ganz normales Familienleben führen können.

Ich finde es toll, dass die Erzieherin zusammen mit meiner Tochter überlegt hat, wie die Kleine dafür sorgen kann, dass ich immer meine Medikamente nehme. Sie hat ihr die Dose besorgt, die meine Tochter dann angemalt und verziert hat. Meine Große war sehr stolz auf ihr Werk. Gestrahlt hat sie über das ganze Gesicht und war gleich noch ein paar Zentimeter größer <3.

Und seitdem sie mir die Dose geschenkt hat, macht sie sich in der Kita nicht mehr so viele Gedanken um meine Erkrankung und mich. Ich finde, dass das gut so- sie soll dort schließlich unbeschwerte Stunden haben!

Dich interessiert, wie meine Töchter und ich mit der MS in unserem Alltag umgehen? Dann bist Du vielleicht neugierig auf folgende Texte:

„Mama, ich werde Ärztin“

Meiner Tochter zum 3. Geburtstag

Mama, ich habe auch so ein Kribbeln!

Mama mit Multiple Sklerose

 

 

 

1 Kommentare

  1. Kerstin sagt

    Liebe JuSu!
    Ich finde deine Tochter klasse. Sie zeigt für ihr Alter unheimlich viel Empathie und du kannst sehr, sehr stolz auf sie sein. Ich kann aber auch verstehen,;dass du manchmal wütend bist, dass sie sich überhaupt solche Gedanken machen muss. Aber, so schlimm und blöd und manchmal richtig besch… deine Krankheit ust, so finde ich auch hier ein Körnchen Gutes. Deine Töchter lernen nebenbei was wirklich zählt. Und das kann man in unserer Zeit nicht hoch genug bewerten. Ich habe momentan zwei Mädchen in meinem Umfeld, die in der Pubertät sind. Ganz „normale“ Mädchen aus unproblematischen Elternhäusern ( eine davon ist meine Nichte). Beide durchleben gerade nicht nur die üblichen Selbstzweifel der Pubertät, sondern es geht viel tiefer. In der Klasse meiner Nichte ist es gerade populär sich zu ritzen! Weil die Augenbrauen nicht so toll aussehen….weil es langweilig ist….weil irgendjemand bei Facebook die Freundschaft gekündigt hat. Bei der Anderen wird schon mit 14 getrunken. Für mich ist das ein Zeichen der Zeit. Kinder, die sich in ihre eigenen körperlichen Entwicklung überholen, viel zu viel in sozialen Medien rumhüpfen und schon sehr früh keine Hobbys mehr haben und nichts mit sich anzufangen wissen. Die aber auch nicht mehr wissen, was wirkliche Probleme sind. Sicherlich ist es natürlich nicht überall so. Aber ich wette, dass diese Phase bei deinen Mädchen anders verlaufen wird: weil sie wissen, was im Leben zählt. Ohne dabei an Leichtigkeit verlieren zu müssen.
    Ich denke, ihr macht alles richtig. Ich vermute , dass deine Tochter bei Anderen immer wieder die Aussage trifft, dass du krank bist, um sich in den Reaktionen zu spiegeln. Erschrecken die Leute oder lenken ab, wird es für sie sicherlich bedrohlicher. Das merken Kinder sofort. Wenn du es aber so toll auffängst und einfach sagst: ja,;genauso ist es! holst du sie an der richtigen Stelle ab. Und die Idee und die Umsetzung der Pillendose finde ich klasse.
    Euch allen ganz tolle Ostern!

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