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Von wenig Nerven I Leben zu 5t

Heute Abend bin ich irgendwie alles: weinerlich, traurig, genervt und am Ende meines Lateins. Seit 9 Monaten sind wir nun zu 5t. Bisher hat alles soweit gut geklappt und wir hatten uns alle in unseren neuen Familienrollen eingefunden. Natürlich gab es hier und da ein Husten. Aber es war nie so, dass ich bzw. wir so gar nicht wussten, was wir tun sollten. Aber so langsam aber sicher sind wir genau an diesem Punkt. Hierzu tragen mehrere Faktoren bei:

Unser kleiner Mann wird nun immer mobiler, fordernder und interessierter. Er will bei seinen großen Schwestern mitmischen. Es nervt ihn, dass er noch nicht hinter ihnen herkommt, dass er noch nicht laufen kann und einfach nicht so schnell ist. Dabei muss er gar nicht genau dasselbe tun, wie die Mädels. Er will einfach nur bei ihnen mittendrin sein- dabei kann er sich stundenlang alleine beschäftigen. Auch das Essen nervt ihn. Er will ebenfalls einen Apfel essen- und zwar alleine. Wie seine große Schwester. Er will auch ein Stück Kuchen haben. Und zwar genau dasselbe wie seine Schwestern. Ich kann ihn so verstehen und lasse ihn auch so gut es geht probieren. Aber für manche Aggregatzustände ist er einfach noch zu klein. Zumindest, wenn er sie alleine handeln will.

Die Mittlere läuft hier und da klassisch „unter dem Radar“. Der kleine Bruder fordert viel Aufmerksamkeit, die große Schwester fordert (aufgrund der Schule) viel Aufmerksamkeit (in Form von Neuigkeiten und/oder Hausaufgaben) und sie „mogelt sich oft so durch“. Das ist hier und da praktisch, da sie sich nicht so bemerkbar macht, wie ihre Geschwister. Aber an anderer Stelle merke ich dann, dass sie so überhaupt nicht hört. Sie lässt alles hinter sich liegen, räumt nicht auf und macht einfach ihr Ding. Gehe ich dann in die Diskussion mit ihr, schreit sie mich an (oder Papa Schulze) und ist dabei so laut, dass sie nichts mehr mitbekommt und keinen Raum für eine Ansprache lässt. Sie geht dann auf Totalangriff und erinnert an so einen kleinen Kläfferhund, der ein riesiges Theater macht, um von seiner Größe abzulenken. So richtig in Fahrt kommt sie dann. Dagegen anschreien bringt natürlich gar nichts. Mache ich, machen wir auch nicht. Da hilft nur, beruhigend und leise zu werden. Und am Ende noch einmal alles in Ruhe mit ihr durchzusprechen. Das frisst Zeit, die manchmal einfach nicht da ist. Und Nerven, die aufgrund des 3fach-Mama/Papa-Daseins manchmal ebenfalls einfach nicht da sind.

Die Große geht seit 6 Wochen zur Schule und anschließend in den Hort. Eine große Veränderung. Viel Neues wird gelernt, viele Eindrücke müssen verarbeitet werden. Und sie war schon immer verbal sehr stark. Soll heißen: Sie redet viel und holt sich dadurch ihre Aufmerksamkeit, die sie braucht. Und sie testet zurzeit ununterbrochen ihre Grenzen aus, bekommt von den großen Kindern in Hort und Schule viel mit. Sie muss ihre neue Rolle als Schulkind finden und viel mehr „funktionieren“ als vorher im Kindergarten. Das beschäftigt sie natürlich. Als Folge stellt sie zurzeit bei uns zu Hause alles in Frage. Alles wird diskutiert, alles ist „gemein“, „unfair“ und „blöd“. Und diese Diskussionen sind kräftezehrend, denn sie hat sich argumentativ natürlich weiterentwickelt und ist mit einem schnöden „Nein!“ nicht mehr ruhig zu stellen. Das ist auch gut so. Aber anstrengend.

Jedes Kind für sich hat seine Berechtigung, sich in seiner speziellen Situation so zu verhalten, wie es das tut. Ich kann, wir können, das bei jedem unserer Kinder nachvollziehen und verstehen. Aber die Masse macht es. Und zwar anstrengend. Zwischendurch sind wir dadurch mit unserem Latein am Ende und wissen nicht weiter. Wie heute. Heute war wieder einmal alles zusammen. Und daher endete der Abend in Schokolade. Obwohl ich die doch gar nicht esse.

Einmal im Jahr gehe ich zu einer Familienberatung. Um mir Rat zu holen, zu reflektieren und die Bedürfnisse aller nicht aus den Augen zu verlieren. Das hat mir, das hat uns in den vergangenen Jahren sehr gut getan. Und ich glaube, dass es wieder Zeit dafür wird. Wir brauchen einfach einmal wieder den professionellen Blick von Außen. Morgen werde ich direkt einen Termin vereinbaren. Ja, es wird Zeit!

4 Kommentare

  1. Marion Protzner sagt

    Liebe Jusu, ich kann dich nur zu gut verstehen. So sehr man seine Kinder /sein Kind liebt – oder gerade deswegen – so anstrengend sind die verschiedenen Entwicklungsphasen. Oft weiss man gar nicht wie man reagieren soll und das ist für uns MSler gar nicht gut weil das ganz besonders an die Nerven geht. Noch dazu habt ihr das ganze Programm dreifach. Wir haben nur die eine. Aber Kopf hoch, das geht vorbei, heute ist Lea 19 und nur noch zeitweise ein Pubertier. Aber dann kommen andere Probleme. … Allerdings auch entspanntere Phasen. Glaube mir: Das wird. LG Marion

  2. Liebe Mama schulze
    Ich kann dich voll und ganz verstehen,habe diese Situation auch durch.meine Mädchen waren 5 und 6 als meine jüngste geboren wurde und mein Mann War in dieser Zeit nur am Wochenende Zuhause und es ist nicht immer einfach gewesen.gerade meine mittlere War damals sehr schwierig weil sie sich ständig benachteiligt fühlte.mittlerweile sind sie 17,16 und fast 11 also pupertät vom feinsten und die Probleme haben sich quasi verlagert. Ich hätte nie gedacht das ich das mal sage aber manchmal wünsche ich mir die zeit zurück wo sie klein waren.es War wesentlich einfacher als jetzt.
    Ich würde gerne sagen es wird einfacher aber es wird einfach nur anders.

  3. Silke sagt

    Menno, solche Phasen kommen und gehen. Mein Großer ist 5 Jahre älter als der Kleine. Er holt sich durch schlapp-spielen und kleinen Aufsässigkeiten Aufmerksamkeit von mir. Erst bin ich laut und ungehalten, bis mir einfällt, dass er ein Superbruder und -kind ist und eben auch erst 8. Dann frage ich: willst du kuscheln? Er zögert dann stolz ein bisschen und merkt dann, dass er das möchte. Wir beide kommen uns dann näher und beruhigen uns. Es ist dann immer sehr schön. Ein bisschen wie Stillen früher.

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