Wie wuppst Du das?
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Sag mal, wie wuppst Du das, Anna?

Ich freue mich, dass ich eine weitere, ganz besondere Mama für mein Interview zur Vereinbarkeit gewinnen konnte: Die einzigartige Anna vom Blog berlinmittemom. Leider durfte/konnte ich sie noch nicht persönlich kennenlernen, aber ich gehe einmal stark davon aus, dass sie genau so vor Liebe & Einfühlungsvermögen & Humor sprüht, wie ihre Texte <3. Aber Vorsicht, Anna ist Mama von drei Kindern und sie schreibt darüber so schön, dass es glatt Lust auf ein drittes Kind hat 😉

Vereinbarkeit

Die wunderbare Anna

So, nachdem ich Euch nun hoffentlich Lust darauf gemacht habe, einmal bei ihr vorbeizulesen S(falls Ihr das nicht eh schon einmal getan habt), sollte ich Euch auch ihre Kanäle mitteilen, oder? Voila:

Blog: berlinmittemom

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Und noch ein paar weitere Infos:

Stadt: Berlin

Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Vereinbarkeit

Anna und ihr Lausbub

So, und jetzt frage ich noch einmal: Sag mal, Anna, wie wuppst Du die Vereinbarkeit?

Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Bist Du happy damit?

Mein Tag beginnt um 6:30, manchmal auch 6:15, je nach dem, was ansteht, und damit fängt die Arbeit quasi an. Ich stehe auf, gehe ins Bad, dusche und mache mich fertig. Dann wecke ich die Kinder, kommandiere sie ins Bad und in ihre Klamotten und scheuche sie runter zum Frühstückstisch. Ja, kommandieren und scheuchen sind die richtigen Begriffe dafür, denn anders geht es frühmorgens bei uns nicht. Da mein Mann in der Regel unter der Woche viel weg ist, wuppe ich den Alltag mit den Kindern alleine. Und so früh am morgen, wenn alles an mir hängt und die Uhr tickt, muss es einfach laufen. Dann Frühstück, Brotdosen, Schultaschen… und los geht’s.
An den meisten Tagen bringe ich die Kinder zur Schule, an anderen nehmen sie den Bus um 7:40. Da sie alle drei auf dieselbe Schule gehen bzw. in denselben Gebäudekomplex müssen, macht das zumindest die logistischen Herausforderungen für mich überschaubarer. Wenn die Kids in der Schule sind geht’s für mich an den Schreibtisch.
In der Regel bin ich zu Hause und arbeite von dort, ansonsten fahre ich für Interviews oder andere Termine auch durch die Gegend. Dann habe ich mein Laptop dabei und hoffe auf Orte mit Wlan, wo ich zwischendurch was arbeiten kann. Und manchmal, wenn mir zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, die Nachbarin ständig klingelt oder ich mich zwischen Schreibtischarbeit und Hausarbeit zerrieben fühle, schnappe ich mir mein Macbook und was ich sonst so brauche und flüchte in ein Lieblingscafé. Da kann ich dann zum Teil wirklich besser abschalten und kriege mehr gemacht.
Um 15h ist die Schule aus, da hole ich die Kinder wieder ab, es sei denn, jemand hat noch Training oder einen Club, dann ist es auch mal 16h. An Arbeit ist jetzt nicht mehr zu denken, jetzt sind die Kinder dran. Und natürlich der Haushalt. Wenn die drei Wilden dann abends im Bett sind, muss ich in der Regel noch mal ans Macbook. Eine Nachtschicht bis nach Mitternacht habe ich mindestens zwei Mal in der Woche, nicht selten auch öfter.
Dieses Freelance- und Selbständigen-Leben hat sein Für und Wider. Ich liebe meine große Freiheit und bin mir des Luxus’ bewusst, dass ich jederzeit für meine Kinder da sein kann, wenn sie beispielsweise krank werden oder in der Schule etwas Besonderes ansteht. Ich bin die Mama, die das fast immer einrichten kann. Aber die Zeit, die mir dann verloren geht für meine Arbeit, hänge ich hinten wieder dran und dann kommt es zu so unschönen Dingen wie Migräne aus Schlafmangel -und ich habe mir selbst ein Beinchen gestellt. Das immer auszubalancieren finde ich oft herausfordernd. Aber ja, ich bin happy.

Wie werden Deine Kinder in der Zeit betreut? Funktioniert das gut?

Meine Kinder besuchen eine Ganztagsschule, das heißt, der Unterricht geht bis 15h, sie bekommen ein Mittagessen dort und haben ausführlichere Pausen am Tag. Nachmittags gibt es eine Betreuung bis 18h, falls ich es also bräuchte, wären sie bis dahin betreut. Tatsächlich haben wir das noch nie in Anspruch genommen. Die Nachmittagsbetreuung ist super, die beiden Kleinen lieben es, dort noch Zeit mit ihren Freund*innen zu verbringen oder eins der Angebote wahrzunehmen. In organisierten Clubs können sie diverse Sportarten machen, Schach spielen, Fotografieren lernen, tanzen, Instrumentalunterricht nehmen oder zusätzliche Fremdsprachen spielerisch lernen, außerdem gibt es diverse Schulmannschaften, einen Chor und ein Orchester sowie einen Theaterclub. Die Kinder können je 3 Clubs für ein Halbjahr wählen und haben so Hobbys und Schule unter einem Dach. In diesem Jahr haben sie zusammen Yoga, Ballett, Fußball, Chor, Tischtennis, Karate und Bauchtanz belegt. Sie haben Spaß, ich weiß sie perfekt versorgt. Besser geht’s für uns nicht.

Haben Du und Dein Mann eine Arbeitsteilung was das/die Kind/er betrifft und wie gestaltet sie sich? Läuft die Organisation gut?
Unser Familienleben ist gerade wieder im Umbruch und das ist nicht das erste Mal. Mein Mann war in den letzten Jahren hier in Berlin als Unternehmer selbständig, da konnte er seine Zeit anders einteilen und war viel präsenter. Er hat die Kinder zur Schule gebracht und war auch abends genauso zuständig wie ich. Wir haben sonntags abends vorm Tatort zusammen Wäsche gefaltet und sind gemeinsam oder eben abwechselnd zu Elternabenden und Lehrergesprächen gegangen. Jetzt ist er wieder als Berater fest angestellt und muss sehr viel reisen. Das bedeutet für uns alle eine große Umstellung. Nichts, was man nicht geregelt bekäme, aber eben eine Umstellung. Oft ist er montags bis freitags weg, da bin natürlich dann ich voll zuständig. Und selbst wenn er in der Stadt ist, hat er abends oft noch Termine oder muss zu Unzeiten mit anderen Zeitzonen telefonieren – da bleibt nicht viel Zeit übrig, die er sich der Familienarbeit widmen könnte, so sehr ihm das auch oft fehlt oder er sich als schlechterer Vater fühlt, weil er die Dinge nicht mehr so tun kann, wie zuvor. Wir waren uns darüber bewusst, dass das so sein würde und auch einig, dass sich unsere Rollen damit wieder einmal verändern. Wie schwierig das zum Teil wirklich sein würde, wussten wir vorher nicht. Aber wir spielen uns immer besser ein. Die Kinder haben einen nicht geringen Anteil daran, dass das unterm Strich gut funktioniert. Und natürlich ist die Wertschätzung dessen, was der jeweils andere für die Familie tut unerlässlich, genauso die uneingeschränkte gegenseitige Unterstützung. Wenn wir das voneinander nicht wüssten, sondern uns ständig den Schwarzen Peter zuschieben würden, würde das nicht klappen.

Bleibt in Deinem Alltag auch noch Zeit für Dich ganz persönlich übrig? Wie nutzt Du sie?

Das ist tatsächlich der Part, der mir oft am meisten zu schaffen macht. Ich habe jahrelang immer nur die „Reste“ der Zeit abbekommen und sie dann oft nur noch mit Schlafen verbracht, nicht mit Dingen, die mir wichtig sind. Das versuche ich zu ändern, aber es fällt mir oft schwer. Immerhin habe ich meinen Sport fest in meine Woche eingefügt und knapse mir diese Zeit von meiner Schreibtischzeit ab: zwei Mal in der Woche trainiere ich mit einer Personal Trainerin, die ich mir seit einigen Monaten gönne, ein Mal gehe ich noch zum Kiesertraining. Dass das mal Zeiten werden, die mir helfen, mich auf mich zu konzentrieren, hätte ich vor einigen Jahren nicht gedacht, aber das sind tatsächlich die Momente, die nur für mich sind: nicht der Arbeit gewidmet, nicht der Familie, nicht dem Haushalt, nicht den Kindern oder dem Mann – nur mir. Ansonsten habe ich meine wichtigen Freundschaften zu einigen wunderbaren Frauen in meinem Leben, für die ich ebenfalls regelmäßig Raum schaffe in meinem Alltag. Das ist wie Auftanken!

Bist Du glücklich mit der Organisation Deines Arbeits- und Familienlebens? Was klappt besonders gut, wo könnte nachgebessert werden?

Zum Teil habe ich die Frage ja schon oben mitbeantwortet… Ich glaube, die Organisation ist schon ganz gut. Ich mag vor allem die Flexibilität, die ich habe und meine Fähigkeit zum Lockerlassen. Wenn ich das nicht hätte, sondern mich nur nach einem streng durch choreographierten Plan richten würde, würde ich ausflippen. Und die Kinder auch. Wir brauchen einfach auch mal die Situationen, in denen ich beispielsweise sage: „Drauf geschissen! Kein Fußballtraining und kein Yoga, keine Abgabe vor Mitternacht für mich – wir gehen Schlittenfahren!“ Auf der anderen Seite würde mir in manchen Aspekten ein bisschen bessere Planung gut tun, zum Beispiel bei der Essensplanung für die Woche. Ich müsste seltener einkaufen gehen, wenn ich das besser im Griff hätte, aber auch hier ist mir eben oft die Flexibilität wichtiger. Das macht mir dann dafür mehr Arbeit…

Vereinbarkeit

Anna und ihr Herzensmädchen

3 Tipps, die Du Mamas geben würdest, die wieder ins Berufsleben starten?

Da ich ja immer nur Freelance bzw. selbständig gearbeitet habe, bin ich sicherlich die Falsche, anderen Müttern Tipps zu geben, die klassischerweise „zurück in den Beruf“, also in ein bestehendes Arbeitsverhältnis gehen. Da gibt es mit Sicherheit viele Aspekte, von denen ich aus mangelnder eigener Erfahrung keine Ahnung habe.
Was ich aber jeder Mutter mitgeben kann, die sich wieder mehr mit ihrem Nicht-Mama-Fähigkeiten befassen will und damit auch noch Geldverdienen möchte:

1. Schafft euch die Räume für eure Arbeit, sie stehen euch zu. Und ja, auch Hausarbeit und Familienarbeit ist Arbeit, die immer getan werden muss, also delegiert, bindet die Kinder ein und teilt euch mit eurem Partner, was geht.

2. Erkennt vor allem selbst an, was ihr leistet. Es ist egal, ob ihr Teil- oder Vollzeit arbeitet, ob ihr selbständig seid oder neben dem Job versucht, euer Hobby zum Beruf zu machen. All das sind mögliche Wege, sie alle haben ihre Berechtigung. Ich halte es für zentral wichtig, sich vor allem selbst zuzugestehen, was man wirklich tun möchte und auch anzuerkennen: ja, das ist meine Arbeit und ich mache sie gerne. Und gut!

3. Passt auf euch auf. Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist ein Balanceakt. Oft bleiben wir Mütter als Erste auf der Strecke, weil wir denken, wir müssten alles schaffen. Aber jeder Tag hat nur 24 Stunden. Ihr seid keine schlechteren Mütter, wenn die Muffins für’s Schulfest gekauft sind und ihr seid keine schlechteren Lohntätigen, wenn ihr euch krankmeldet, weil’s Kind krank ist. Wir können nicht alles gleichzeitig sein, wir haben nur 100%, die wir geben können – die müssen wir aufteilen. Seht zu, dass ein Teil dieser 100% für euch übrig bleibt, sonst reibt ihr euch auf.

Du hast 3 Tage kinderfrei, was machst Du mit der freien Zeit?

Ganz allein? Also an Tag Eins: im Bett lesen, im Bett essen, im Bett schreiben, im Bett Serien gucken und überhaupt den ganzen Tag im Schlafanzug bleiben. Falls ich Tag 2 davon genug hätte: vielleicht stundenlang in einer Buchhandlung rumstöbern und ganz viel Geld dort ausgeben. Eine Ausstellung besuchen, mit Freundinnen in ein tolles Restaurant gehen und anschließend in irgend eine Bar. Mich wahrscheinlich betrinken und ohne Zähneputzen ins Bett fallen. Und an Tag 3 dann ins Spa gehen, mir die Nägel machen lassen, schwimmen, rumliegen, lesen, mir ne Massage gönnen…
Mit dem Mann? In unser Lieblings-Wellness-Hotel fahren und die Tage mit Sauna, Schwimmen, Lesen, Beauty- und Wellness-Treatments, tollem Essen, Crémant und leidenschaftlichem, lautem Sex zubringen… ääähh, wer hätte Zeit, drei entzückende Kinder zu hüten? Nur für drei Tage? Anyone?

Wie schaffst Du es, neben Deiner Arbeit/Deinen Aufgaben als Mama zu bloggen, zu twittern, etc?

Ich habe ja das große Glück, dass das Bloggen bzw. die diversen Tätigkeiten drum herum ein großer Teil meiner Arbeit sind, daher beißt sich das nicht. Auch das „Bespielen“ meiner Social Media Kanäle, die Pflege der Kontakte zu Kooperations- und Werbepartnern und die Vernetzung innerhalb der Bloggerszene gehören dazu. Insofern ist viel von dem, was ich auf dem Blog oder auf Twitter, Instagram oder Facebook veröffentliche Teil meiner Lohnarbeit.
Aber ich nutze die Kanäle natürlich auch als ICH, nicht nur als Berlinmittemom. Und das gönne ich mir tatsächlich. Das berühmte „twittern vom Klo“ hinter verschlossener Tür, während davor die Kinder toben, kenne ich aus eigener Anschauung. Ich finde, das ist Psychohygiene, das muss einfach ab und zu sein. Andere Leute lösen das anders, ich nutze das tatsächlich auch als Ventil und schaffe mir die Augenblicke dafür.

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Anna und ihr Goldkind

Hast Du schon einmal schlechte Erfahrungen damit gemacht, dass du anderen einen Einblick in Euer Familienleben gibst?

So direkt noch nicht wirklich. Ich erlebe eigentlich, dass „meine“ Community, die mir seit Jahren treu und zahlreich folgt und mit der ich auch wirklich viel kommuniziere, sehr verständnisvoll ist bzw. sich um Verständnis bemüht. Ich glaube, das hat etwas damit zu tun, dass sie glauben, mich zu kennen oder zumindest ein Vorstellung davon haben, wer ich bin – daher entstehen kaum Missverständnisse und wenn diskutiert wird, geschieht das immer respektvoll und auf Augenhöhe.
Wenn aber meine Artikel woanders geteilt werden, beispielsweise in einer sehr großen Community, dann erlebe ich regelmäßig Aussetzer verbaler Art in den Kommentaren, selbst bei ganz harmlosen weil nicht polarisierenden Themen. Ich führe das darauf zurück, dass ich da nur eine anonyme Quelle für Content bin, wie jede beliebige Online-Plattform, von der Inhalte geteilt werden. Die Follower der anderen Communities kennen mich nicht und hauen eher drauf, wenn sie meinen, sie müssten. Da ist nix mit Augenhöhe und respektvoller Kritik, weil ich in deren Wahrnehmung kein Gesicht habe.
Bei bestimmten Themen habe ich schon fiese Kommentare auch auf meinen Kanälen erlebt, zum Beispiel bei meinem Artikel zu #aufschrei oder als es mal um sexistische Außenwerbung ging. Aber da kriegt man klar den Eindruck, dass das Leute sind, die dem Thema hinterher klicken und deshalb bei mir landen. Mit Einblicken ins Familienleben hat das nie zu tun, eher mit typischem Rumgetrolle von irgendwelchen anonymen Horden, die auf bestimmte Themen anspringen.

Liebe Anna, ich danke Dir ganz herzlich, dass Du Dir Zeit für meine Fragen genommen hast. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles, alles Gute!

Habt Ihr Lust auf meine Interviews zum Thema Vereinbarkeit bekommen? Dann clickt Euch doch einfach durch die weiteren Beiträge, die Ihr hier findet.

Bist Du ebenfalls Blogger(in) und möchtest bei meinem Interview zur Vereinbarkeit mitmachen? Dann schreib mir bitte einfach an mama(punkt)schulze(ät)gmx(punkt)de. Ich freue mich!

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