alleinerziehend, Mama, Wie wuppst Du das?
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Sag mal, wie wuppst Du das, Petra?


Immer, wenn ich das Gefühl habe, ich schaffe gar nichts mehr – ich werde den Kindern nicht mehr gerecht, der Arbeit ebenfalls nicht und im Haushalt komme ich nicht nach – frage ich mich, wie eine alleinerziehende Mama oder ein alleinerziehender Papa das alles wohl wuppt?! Aus diesem Grund finde ich es sehr interessant, heute Petra zur ihrer Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Interview begrüßen zu können. Denn Petra ist so eine alleinerziehende Mama und – so liest es sich jedenfalls für mich – neben den ganzen Tücken sehr gut organisiert. Ich durfte sie sogar bereits persönlich kennenlernen und fand, dass sie eine angenehme Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlt, was sich übrigens auch in ihren Antworten widerspiegelt. Oder was meint Ihr?

Und, jetzt noch mal: Sag mal, wie wuppst Du das Petra?

Vorname: Petra
Alter: 32
Mutter von: Lausbub (geb 2011)
Stadt: Wuppertal
Seiten im Netz:
Blog http://www.allerlei-themen.de/
Twitter https://twitter.com/HamacherPetra
Facebook https://www.facebook.com/allerleithemen/
Instagram https://www.instagram.com/allerleipetra/
Pinterest https://de.pinterest.com/PetraHamacher/

1. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Bist Du happy damit?

Unser Alltag? Puh! Ich arbeite seit der Lausbub 5 Monate alt war. Seit 2 Jahren bin ich zudem alleinerziehend. Also schon einige Zeit in der sich vieles eingespielt hat und ich aber auch viel Zeit hatte, über den Alltag nachzudenken.
Normalerweise stehe ich so um 6h auf, dusche und mache mich fertig. Seit dem Weihnachtsmann hat der Lausbub nun einen eigenen Wecker und steht etwa um 6:20 auf (das entspannt das morgendliche Angezicke bezüglich Weckens). Anschließend frühstücken wir und der Knirps macht sich auch fertig. Wir versuchen, dass wir 7:10 das Haus verlassen. Ich gehe arbeiten, er in die Kita. Um 15:30 treffen wir uns wieder. Dann folgen so Dinge wie Einkaufen, Verabredungen etc. Ich versuche, dass der Nachmittag nie so ganz vollgepackt wird, manchmal gelingt es, manchmal nicht. Um 19:30 ist beim Lausbub in der Regel Schlafenszeit und ich bin bis 22h noch wach. Klingt irgendwie… normal 🙂
Glücklich? Mmmmh, da ich jetzt einen neuen Job angefangen habe und nebenher noch selbständig arbeite, ist mein Tag recht arbeitslastig. Meist mag ich es sehr! Ich bin nicht nur Mama genauso wenig wie nur Angestellte. Das hat einen gewissen Reiz. Ab und an beschleicht mich (selbstverständlich) das schlechte Gewissen, dass so ein kleiner Knirps so lange in der Kita sein muss. Aber ich kann auf das Geld schlecht verzichten.

2. Haben Du und Dein Mann eine Arbeitsteilung was das/die Kind/er betrifft und wie gestaltet sie sich? Läuft die Organisation gut?

Na, hier gibt es ja nur mich. Wobei, das stimmt so nicht. Alle 14 Tage holt der Papa den Lausbub ja für ein Wochenende ab. Bald sogar freitags direkt vom Kindergarten, damit es mich etwas entlastet. Mittwochs ist bei uns Oma und Opa Tag und da holt der Opa den Lausbub aus der Kita.
Grundsätzlich bin ich damit schon zufrieden. Die Absprachen zwischen dem Papa und mir werden besser und mal ist es dem Lausbub ebenso alles Recht, mal merke ich, dass er etwas mehr Zeit für sich oder mit mir braucht. Das ist ganz normal und geht sicher allen Menschen so. Je älter er wird, desto einfacher gestaltet sich hier wenigstens die Kommunikation (Ha ha ha!).
Alleinerziehend den Alltag UND Vereinbarkeit zwischen Beruf und Kind zu organisieren ist definitiv machbar, erfordert in der Regel einfach mehr Aufwand und Hilfe von außen! Letzteres musste ich hart lernen!
Ich hätte gern wieder jemanden, der Abends mal Essen macht, während ich den Lausbub ins Bett bringe…

3. Bleibt in Deinem Alltag auch noch Zeit für Dich ganz persönlich übrig? Wie nutzt Du sie?

DAS ist definitiv der größte Vorteil, den ich als Alleinerziehende habe: ICH HABE FREI! In der Regel alle 14tage und darauf schwöre ich. Ich kann nur jedem Elternteil ans Herz legen, schafft euch Freiräume in regelmäßigen Abständen! Nichts gibt einem mehr Energie zurück als Zeit für sich selbst. Das muss auch nicht lange sein. Die Qualität muss stimmen.
Ich verbringe die Zeit mit Freunden, mit mir selbst, mit selbständiger Arbeit (was mir Spaß macht) und im Reitstall (dazu hab ich öfter schon auf meinem Blog berichtet). 
Bisher hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn dann mein Haushalt zu kurz kam. Aber seid ich bei Dir, liebe JuSu, den Putzteufel gewonnen habe, nutze ich diesen Dienst regelmäßig. Denn im Ernst: Ich kann nicht alles allein! Was ich aber machen muss, ist Energie tanken. Alexandra von StarkUndAlleinerziehend sagt immer „wenn es Dir gut geht, geht es auch Deinen Kindern gut“. Und damit hat sie 100% Recht!

4. Bist Du glücklich mit der Organisation Deines Arbeits- und Familienlebens? Was klappt besonders gut, wo könnte nachgebessert werden?

Ich habe zum Februar meinen Arbeitsplatz noch mal geändert. Das entspannt schon mal deutlich! Dann habe ich einige ganz tolle Ideen und Pläne, die ich gern noch umsetzen möchte. Da hakt es im Moment an Zeit und – zugegeben – auch an Motivation. Das liegt aber daran, dass ich erst mal meinen Hauptjob ordnen musste! 
Außerdem befindet sich der Lausbub aktuell in einer launischen Phase, was Kräfte braucht, die ich gern anders einsetzen würde.
Generell habe ich aber schon an vielen Schrauben gedreht: Hauptjob, Putzteufel, eigene Arbeit, Freunde, grundsätzliche Hilfe, Getränkelieferdienst, Kinderbetreuung und qualitative MeTime. Daher würde ich mir und dem Alltag gerade eine 7 von 10 geben. Wenn ich nicht immer so kaputt und müde und trot zall den guten Dingen so ausgelaugt wäre, wäre es vielleicht sogar eine 9!

5. Drei Tipps, die Du Mamas geben würdest, die wieder ins Berufsleben starten?

Tipps mmmh ja doch, die habe ich:
1. Verkaufe Dich niemals als Elternteil unter Wert! Man arbeitet genauso gut als Elternteil wie als Ohne-Kind-Mensch.
2. Lege Dir immer einen Notfallplan zurecht, den Du dem zukünftigen Chef direkt präsentieren kannst.
3. Schaffe Dir Auszeiten, die Du auch NICHT mit Haushalt verbringst.

Wenn 3. nicht umsetzbar ist, dann hast Du auf Dauer ein wirkliches Problem und, wenn Dein Partner nicht mitzieht… Für mich wäre das ein NO GO!

6. Du hast drei Tage kinderfrei, was machst Du mit der freien Zeit?

🙂 Hab ich ja ab und an. Daher kann ich gern von meinen Wochenenden berichten:
 freitags abends ist Rumhängzeit: TV oder lesen. samstags morgens wird ausgeschlafen! Anschließend gibt es immer ein Wohlfühlfrühstück, was meist aus Quark mit Obst besteht. Und Kaffee! Neben dem lästigen Einkaufen nehme ich mir immer viel Schönes vor: Reiten sowie abends mit Freunden weggehen oder auch einen DVD Abend machen. Es kann auch passieren, dass ich, wenn keiner kann, allein ins Kino gehe! Ich empfinde es nicht als schlimm, sondern genieße die Ruhe.
Sonntags ist auch Ausschlafen angesagt und Wäsche (ich wasche auch unter der Woche, aber sonntags wird auch weggeräumt, sortiert etc.) 🙂 Weiter geht es mit der Zeit nur für mich wie Frühstücken mit Freunden, baden, lesen und bloggen! Letztens war ich dann sogar bei der Perlenmama (Bloggerin) zum Waffeln essen <3
Wenn der Lausbub länger weg ist, versuche ich noch etwas mehr zu planen, wie beispielsweise einen Besuch bei Freunden, die weiter weg wohnen oder Abendveranstaltungen.

7. Wie schaffst Du es, neben Deiner Arbeit/Deinen Aufgaben als Mama zu bloggen, zu twittern, etc?

Ehrlich? Momentan fast gar nicht! Das merkt man auch. Diese Stellschraube musste ich eben auch drehen, denn es gab gerade andere Dinge, die mich besser entspannen und entschleunigen konnten (ich habe beispielsweise die Serie „GamesofThrones“ begonnen – unglaublich dummer Fehler!). Zudem, wie erwähnt, hat der Lausbub eine unruhige Phase mit viel motzen und schlechter Laune. Da kann man dann nicht eben mal so einen Blogbeitrag schreiben. Twitter, Facebook und Instagram habe ich miteinander verbunden, das hilft. Ich nehme mir immer vor, dort nur in festen Zeiten bzw. als Pausenfüller zu lesen. Klappt so semi gut 😀 Hilfreich sind bei mir aber auch feste Termine, die ich mir selbst setze. Etwas Druck brauche ich schon.

8. Hast Du schon einmal schlechte Erfahrungen damit gemacht, dass du anderen einen Einblick in Euer Familienleben gibst?

Wirklich schlechte Erfahrungen habe ich nicht gemacht, nein. Und darum bin ich mehr als froh! Ich achte sehr darauf, dass ich den Lausbub niemals komplett zeige, ihn bloßstelle oder auch andere nicht namentlich nenne. Warum? Weil Leser immer nur einen Teil meines Lebens in einem Blogpost lesen und daraus ihre Meinung bilden (das wird man auch den Lesern nicht abtrainieren können). Da möchte ich vermeiden, dass sie eben die „falschen“ Schlüsse ziehen.Darum übe ich auch wenig direkte Kritik an anderen. Kritik öffentlich zu üben, das ist im Grunde eh eine Kunst, die für mich nur sehr wenige Blogger beherrschen. Konstruktiv ist etwas, was Blogger nicht gut können… ich schweife aber ab 🙂

Meine Familie weiß das mit „dem Blog“, sagt aber nichts dazu. Und auch im Freundeskreis findet niemand mein Bloggen seltsam. Im Gegenteil, viele Freunde, die weiter weg wohnen, nutzen das als „wie geht es dir denn so“ Update. Das finde ich PRIMA! Ab und an werde ich etwas belustigt angesehen, wenn ich Fotos mache, aber das merke ich fast gar nicht mehr.
Lustig ist es nur, wenn mich Menschen auf Dinge ansprechen, die sie nur von meinem Blog wissen können, ich aber nicht weiß, dass sie ihn lesen (andere Kita-Eltern beispielsweise) 🙂 Das führt schon mal zu „ähhh warte, hab ich dir das erzählt?“ Momenten. Das ist aber im Grunde eher heiter. Ob mein Ex oder mein Chef mitliest? Keine Ahnung! Beschwert hat sich jedenfalls noch keiner von denen!

Danke, liebe JuSu, dass ich bei diesem Interview mitmachen durfte! Sehr, sehr gern!

Und ich danke Dir, liebe Petra, dass Du mir so offen geantwortet hast! Ich wünsche Dir, dass der neue Job hält, was er verspricht und, dass es mit der Selbständigkeit klappt. Und natürlich auch insgesamt alles Gute 😉

Falls Ihr Euch dafür interessiert, wie andere alleinerziehende Mamas und Papas ihren Alltag wuppen, dann lest doch mal bei Christine von Mama arbeitet und Jörg von Alleinerziehender Papa vorbei, die mir ebenfalls schon meine Fragen beantwortet haben.

Bist Du ebenfalls Blogger(in) und möchtest bei meiner Vereinbarkeitsserie mitmachen? Dann schreib mir bitte einfach an mama(punkt)schulze(ät)gmx(punkt)de. Ich freue mich!

1 Kommentare

  1. Sehr interessant und spannend. Ich lese ja regelmäßig bei Petra mit. Schön noch mal so kompakt Infos zu bekommen. Ich bewundere ja alleinerziehende und ziehe meinen Hut. Eine gute Freundin, alleinerziehend mit zwei wunderbaren Kindern, arbeitet im Schichtdienst. Wow. Das geht auch nur mit viel Hilfe der Familie.

    Ich starte jetzt im April wieder mit dem Job. 20 Stunden. Ich bin sehr gespannt wie das alles klappen wird.

    Ganz herzliche Grüße….
    Kerstin

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