Erfahrung, Wie wuppst Du das?
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Sag mal, wie wuppst Du das, Johnny?

Wie vereinbart ein Papa Beruf & Familie? Kein „normaler“ Papa, der weiterhin zu 100% arbeiten geht und eine Frau an der Seite hat, die den Spagat zwischen Job und Kita wuppt. Nein, ein Papa, der sich bewusst dazu entschlossen hat, kürzer zu treten für sein Kind. Und darüber gar kein Aufheben macht. Ich freue mich, dass mir heute Johnny vom Blog „Weddingerberg“ meine Fragen zur Vereinbarkeit von Beruf & Familie beantwortet.

Er ist der zweite Papa, der sich für mein Interview die Zeit genommen hat. Falls Ihr Lust habt, könnt Ihr hier das erste Interview mit Jörg von „Alleinerziehenderpapa“ nachlesen.

Johnny bringt noch einmal eine neue Sicht auf die Dinge in meine Interview-Serie hinein. Und dafür bin ich ihm sehr dankbar- und dafür, dass er die Fragen eigenständig an einen Papa angepasst hat, auch 😉 Der Mann denkt mit! Ist das nicht wunderbar? Und Humor hat er auch… tja, Mädels, tut mir leid, vergeben ist er schon 😉

Aber, jetzt höre ich mal auf mit dem peinlichen Gefasel!

Sag mal, wie wuppst Du das, Johnny?

Vorname: Johnny

Alter: Na na na! Gleich mit der zweiten Frage frech werden?

Vater von: Tochter, 1,5 Jahre alt

Stadt: Im Wedding, Berlin

Deine Seiten im Netz (Blog/Twitter/Instagram/etc.):

Blog: http://weddingerberg.de

Twitter: http://www.twitter.com/weddingerberg

Facebook: http://www.facebook.com/weddingerberg

Instagram: https://instagram.com/weddingerberg

 

 1. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Bist Du happy damit?

Halleluja, DingDong, happy. Seit der Geburt meiner Tochter habe ich meine eigene Arbeitszeit derart durch den Fleischwolf gedreht, dass ich teilweise erst dann vernünftig arbeite, wenn die Sonne längst untergegangen ist und die ersten drei Sterne am Himmel stehen.

Als staatlich anerkannte Eule kommt mir das natürlich entgegen – und meiner Tochter gefällt die so extra gewonnene Zeit mit Papa auch ganz gut. Meistens jedenfalls. Wenn er nicht gerade wieder streng guckt. Mittlerweile hat sie auch verstanden, dass Papa morgens immer ein klein wenig länger braucht, bis er vernünftig spielen kann. Mit Mitte dreißig ist er ja auch nicht mehr der Jüngste, nicht wahr.. oh.

Beruf & Familie

Hier der Beweis: Johnny kann auch streng gucken…

Die Entscheidung gegen eine komfortable Vollzeitstelle und gegen die Perspektive eines festen Jobs im Ausland, das waren Entscheidungen, die ich teilweise schon vor der Geburt meiner Tochter getroffen habe. Beide Möglichkeiten waren noch nicht völlig ausgeschlossen, als meine Freundin und ich vor knapp eineinhalb Jahren in die Entbindungsstation gefahren sind.

Mittlerweile ist das alles aber kein Thema mehr. Ich bin nun wieder zu 100% selbständig tätig und tanze seitdem gern mal auf ganz unterschiedlichen Hochzeiten. Sehr zum Leidwesen meiner Steuersachbearbeiterin, die bis zum heutigen Tag nicht genau einzuordnen weiß, was ich da eigentlich treibe.

Bei uns zu Hause gibt es so etwas wie Alltag eigentlich nur selten. Wir haben bestimmte Abläufe, bestimmte Routinen, diese sind in diesem Arrangement aber weit weniger in Stein gemeißelt, als es vielleicht in anderen Familien der Fall ist.

Die Entscheidung, meine Arbeitszeit zu reduzieren bzw. gänzlich selbst zu organisieren habe ich zu keinem Zeitpunkt bereut. Ganz im Gegenteil. Dank der Selbständigkeit habe ich viel Zeit mit meiner Tochter verbringen dürfen.

Dass nicht mehr Väter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, ist schade. Ich weiß aber auch, dass es nicht immer so einfach ist, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Ich weiß aber ebenso gut, dass manche Väter auch einfach manchmal mehr Hintern in der Hose haben sollten. Zumindest gegenüber ihren Vorgesetzten. Ich, für meinen Teil, habe jedenfalls einen Weg gefunden, der für mich funktioniert.

Vermisse ich das geregelte Erwerbsleben? Nein! Vermisse ich das regelmäßig sichere Einkommen? Jein, aber das war eben der Preis, den ich bereit war zu zahlen. War ich am Anfang noch unsicher, ob das Vatersein es wirklich rechtfertigt, weniger zu arbeiten, bin ich mittlerweile felsenfest davon überzeugt.

2. Wie werden Deine Kinder in der Zeit betreut? Funktioniert das gut?

Die Eingewöhnung letztes Jahr im Kinderladen war eine reine Papa-Tochter-Unternehmnung. Wir beide wurden gemeinsam und ganz behutsam in diese neue Situation eingewöhnt. Und jetzt, nach ungefähr vier Monaten glaube ich, dass wir einigermaßen in der Betreuung durch den Kinderladen angekommen sind. Die Eingewöhnung war eine spannende Zeit. Meine Tochter und ich haben uns noch einmal ganz neu kennen gelernt. Auch hier kann ich nur jeden Vater ermuntern: mach das!

Was ich mir für die Zukunft wünsche, wäre etwas mehr Routine im Alltag. Es ist ja alles noch so neu und immer irgendwie anders. Jeden Tag besteht noch die Chance, dass nichts klappt. Dass die Kleene nicht in den Kinderladen will. Dass die Kleene sich nicht von der Mama lösen möchte. Oder von mir. Dass urplötzlich das Fieber aus ihr hinaus schießt und mal wieder alles über den Haufen wirft. Oder viel schlimmer: dass ich mir einen der gefürchteten Kita-Killerviren einfange. Als Mann bin ich besonders gefährdet, das ist ja allgemein bekannt.

3. Haben Du und Deine Freundin eine Arbeitsteilung was das Kind betrifft und wie gestaltet sie sich? Läuft die Organisation gut?

Im Haushalt bin ich derzeit derjenige, der abwäscht und kocht und Kleinigkeiten wegräumt. Wäsche und Wohnung sind hingegen im Moment die Domäne meiner Freundin. Das ist keine abgesprochene Arbeitsaufteilung, sondern etwas, das sich ganz natürlich so ergeben hat. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass meine Freundin gerne mehr kochen wollen würde. Sie mag es manchmal aufwändig. Ich hingegen hantiere mit dem, was in den Schränken steht. Auch diese Aufteilung ist nicht in Stein gemeißelt.

Der Weg zum Kinderladen wie auch das Abholen ist festgeschriebene Papa-Mission. Bevor ich meine Tochter jedoch von dort abhole und wieder nach Hause trage, verbringen wir noch die eine oder andere gemeinsame Stunde im Kinderladen – eine Kleinigkeit essen, spielen, tanzen, was eben so ansteht. Auch morgens verbringen wir mindestens noch eine halbe Stunde gemeinsam dort.

Das Bringen wie das Abholen, es bleibt eine zeitintensive Angelegenheit. Noch aber braucht meine Tochter die gemeinsame Zeit mit mir im Kinderladen, bevor sie bereit ist, sich ihrer Bezugserzieherin zuzuwenden. Mittlerweile ist das aber wie gesagt gut eingespielt und wir wissen, unsere jeweiligen Stimmungen gegenseitig gut zu deuten.

Meine Freundin arbeitet zudem am Wochenende, also am Samstag. Das bedeutet, wir haben eigentlich nur einen freien Tag ohne weitere Verpflichtungen: den Sonntag. Mit dieser Form der Sechs-Tage-Woche hadere ich ein wenig, das muss ich zugeben. Als Selbständiger ist das zwar alles immer auch wenig relativ. Dennoch könnte die Woche sehr viel entspannter sein, hätte sie einfach einen Tag zusätzlich. Einen doppelten Sonntag vielleicht?

4. Bleibt in Deinem Alltag auch noch Zeit für Dich ganz persönlich übrig? Wie nutzt Du sie?

In meinem Alltag, wenn man es so bezeichnen will, ist es besonders die dunkle Tageszeit, die mir gehört. Nicht immer, aber oft wenigstens. Dann schreibe ich, schraube an meinem Blog, recherchiere und schaue amerikanische TV-Serien. Das nennt man dann wohl „Me-Time“ – obgleich man es natürlich dann auch noch als Arbeitszeit bezeichnen könnte.

Ich unterscheide nicht allzu streng zwischen Arbeits- und Freizeit. Die einzige Regel, die ich habe: kein Telefon oder Computer, wenn ich Zeit mit meiner Tochter allein verbringe. Anfangs habe ich es nicht so genau genommen und nebenher immer mal am Rechner hantiert oder das Handy gezückt. Auch meine Freundin ist handyabhängig. Ich bilde mir aber ein, dass, seitdem ich und wir das bewusst vermeiden, unsere Tochter auch etwas entspannter geworden ist. Schließlich muss sie mit keinem Gerät mehr um die Aufmerksamkeit ihrer Eltern konkurrieren.

Mag das Fallbeil nicht ganz so genau zwischen Freizeit und Arbeitszeit unterschieden, so gibt es doch definitiv die „cat time“! In dieser Zeit, meist nachts oder eben vormittags, wenn das Kind also entweder schläft oder im Kinderladen ist, kann unsere Katze endlich ganz ungestört und ohne Kinderhände in der Wohnung herumwuseln. Das gefällt ihr.

5. Bist Du glücklich mit der Organisation Deines Arbeits- und Familienlebens? Was klappt besonders gut, wo könnte nachgebessert werden?

Ich denke, wir haben einen ganzen guten modus operandi gefunden. Natürlich läuft nicht immer alles wie geplant, manchmal klappt auch einfach überhaupt gar nichts. Das hat dann eben auch etwas damit zu tun, dass unsere Tochter nicht unbedingt den einfachsten Charakter hat. Auch deswegen wünschte ich mir manchmal mehr Routine im Alltag. Meine Hoffnungen, dass dieser Zustand irgendwann mal eintreten wird, sagen wir es mal, sie schwinden. Papa eines Kleinkinds zu sein bedeutet Ausnahmezustand.

6. 3 Tipps, die Du Papas geben würdest, die wieder ins Berufsleben starten?

Gleich drei Tipps? Das ist leichter gefragt als beantwortet. Immerhin gehen mehr als Dreiviertel der Väter für gerade einmal zwei Monate in Elternzeit. Vielleicht möchte ich es anders formulieren und statt dessen fragen:

3 Tipps, die Du Papas geben würdest, die länger in Elternzeit gehen wollen?

1. Bleib ruhig. Die Firma wird nicht untergehen, wenn Du länger als zwei Monate in Elternzeit gehst.

2. Bleib Du selbst. Elternzeit macht Dich nicht zu einem besseren Menschen. Also nicht so viel drüber reden, sondern einfach machen.

3. Sei.. Bleib.. na gut, dann sind es eben nur zwei Tips. Die sind dafür aber umso essentieller.

 7. Du hast 3 Tage kinderfrei, was machst Du mit der freien Zeit?

Sollte ich alleine zu Hause und meine Freundin sowie meine Tochter auf einer vaterlosen Reise sein, dann werde ich mich mit einer Flasche Wein und einem Kasten Bier vor den Fernseher legen und alle Staffeln „Lost“ schauen. Unsere Katze mit dem Knickohr wird mir dabei Gesellschaft leisten.

Das bedeutet aber auch, dass ich wahrscheinlich die Nacht zum Tag machen werde, immer später morgens aufwache und auch sonst jedweden Halt verlieren werde. Eulen mögen nunmal die Nacht. Und in Wirklichkeit ist es ja so: Nicht das Kleinkind braucht die Routine, sondern ihr Papa. Das muss aber vorläufig unter uns bleiben. Mal im Ernst: Ich wüsste gar nicht so genau, was ich drei Tage lange machen würde. Sicher wäre nur, ich würde mir keine Termine legen, keine Limits setzen und mich sonstwie durchplanen. Einfach in den Tag hineinleben. Das wär’s.

8. Wie schaffst Du es, neben Deiner Arbeit/Deinen Aufgaben als Papa zu bloggen, zu twittern, etc?

Twittern geht dank Handy ja ganz gut von unterwegs. Und nachts schläft das Kind. Meistens wenigstens. Also schreibe ich nachts, twittere von unterwegs und auch sonst ist bloggen und twittern ja total tiefenentspannt.

Mittlerweile versuche ich etwas von der kreativen Arbeit in die hellen Tagesstunden zu verlegen. Das klappt mal mehr, mal weniger. Manchmal komme ich vom Kinderladen nach Hause und lege mich erst einmal für zwei Stunden wieder ins Bett. Schlaf nachholen. Das sind eben die Vorteile des Selbständigseins.

9. Hast Du schon einmal schlechte Erfahrungen damit gemacht, dass du anderen einen Einblick in Euer Familienleben gibst?

Zum Glück habe ich bisher noch keine schlechten Erfahrungen mit dem Bloggen gemacht. Ich veröffentliche ja an mehreren Stellen, wenn immer auch zum selben Themenkomplex, nämlich Familie.

Allerdings versuche ich auch, nicht alles Erlebte zu verarbeiten. Viele persönliche Dinge halte ich ganz bewusst zurück, um meine Freundin, meine Tochter und natürlich auch mich  selbst zu schützen. Außerdem bin ich ja im Grunde meines Herzens ein eher zurückhaltender Mensch.

Ich verstecke mich als Blogger nicht, aber ich erzähle es denn auch nicht jedem. Wer mich im Internet findet, darf mich gerne finden. Und lesen. Und es mir dann bitte sagen. Manchmal erkennen mich Menschen auf der Straße und starren mich an.

Vielen lieben Dank, Johnny, dass Du mitgemacht und mir meine Fragen zur Vereinbarkeit beeantwortet hast. Ich wünsche Dir für Deine private und berufliche Zukunft alles Gute! Und Ich hoffe, dass wir bei meinem nächsten Berlinaufenthalt es auf ’nen gemeinsamen Kaffee schaffen.

2 Kommentare

  1. Lieschen Müller sagt

    Hey, Du gibst hier Tipps zur Elternzeit für Männer, aber, wenn ich das hier richtig verstehe, hast Du doch keine genommen, oder? Du hast einfach Deine Selbständigkeit reduziert. Das ist ja vielleicht auch einfacher als in einem festen Job, oder?

    • Hey und vielen Dank für’s genaue Lesen! Ich weiß das zu schätzen. 🙂

      Meine Tipps sind ja Verhaltenstips in Richtung: Entspann Dich, Du tust es für’s Kind. Das ist gänzlich unabhängig davon, ob und wie ich angestellt bin. Ich finde es persönlich wirklich schade, dass nicht mehr Väter mehr an ihren Familien teilhaben, aber wie ja gesagt: ich weiß, dass die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Väter, die sich einbringen wollen, ein Fass ohne Boden ist.

      Wenn man es ganz genau nimmt, war ich in den ersten vier Wochen mit Kind noch angestellt. Nicht glücklich angestellt, aber eben angestellt. Ich hätte auch ohne betteln länger Elternzeit nehmen können. Nach diesen ersten vier Wochen mit Kind war mir aber klar, dass es das beste für das Kind sein muss, wenn es beide Elternteile hat. Also Kündigung raus, Selbständigkeit rein. Wenn nicht jetzt, wann sonst? Du hast also recht, zur Elternzeit kam es dann gar nicht mehr.

      Statistisch betrachtet bin ich also einer der Rabenväter, die sich null Zeit für ihr Kind genommen haben – und trotzdem jede Minute bei ihm waren. ;D

      LG, Johnny

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