alleinerziehend, berufstätig, Erfahrung, Wie wuppst Du das?
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Sag Mal, wie wuppst Du das, Jörg?

Ich freue mich sehr, zum Schluss meines Augustprojekts, einen Papa mit seinen Erfahrungen für mein Interview gewonnen zu haben. Seine Erfahrungen sind noch einmal ein Stückchen anders als bei den Mamas.
Viel Spaß beim Lesen!

Zu Beginn eine kurze Vorstellung:

Vorname: Jörg

Alter: 35

Vater von: 1 Tochter (bei mir lebend) / 1 Sohn (bei Mama lebend)

Stadt: Leonberg (bei Stuttgart)

Deine Seiten im Netz (Blog/Twitter/Instagram/etc.):

Blog: http://alleinerziehenderpapa.de

Twitter: www.twitter.com/specialdad

Facebook: www.facebook.com/alleinerziehenderpapa01

 

1.Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Bist Du happy damit?

Natürlich war es eine wahnsinnige Umstellung als meine Tochter zu mir kam und es musste eine Menge umorganisiert werden. Dank Unterstützung meines Arbeitgebers läuft es nun einigermaßen zufriedenstellend. Nachdem meine Tochter morgens abgeholt wird fahre ich ins Büro und arbeite bis ca. 15:30-16:00 Uhr. Je nachdem arbeite ich dann abends von Zuhause noch etwas.

2. Wie werden Deine Kinder in der Zeit betreut? Funktioniert das gut?

Während der Kindergartenzeit hat mich die Mutter hierin sehr gut unterstützt. Nach dem Kindergarten hat sie Svenja bis ca. 17:00 Uhr betreut. 2 mal pro Woche geht sie in die Betreuung der Lebenshilfe. Künftig wird es schwieriger da die Mutter auch wieder arbeiten geht. Glücklicherweise bietet die Lebenshilfe einen 3. Tag Betreuung an so dass ich nur noch 2 Tage die Woche improvisieren muss.

3. Haben Du und Dein Mann eine Arbeitsteilung was das/die Kind/er betrifft und wie gestaltet sie sich? Läuft die Organisation gut?

Meine Ex-Partnerin hat mich in Sachen „AfterKindergarten“ sehr gut unterstützt. Die Organisation in Sachen Wochenenden, etc. läuft eher schleppend, aber das hängt auch mit der Krankheit der Mutter zusammen. Daher ist das zwar schwierig, aber ich bestehe nicht auf irgendwelche Dinge, wenn gewisse Voraussetzungen nicht da sind. Ich weiß, dass die Therapien, etc. notwendig sind und noch 2 weitere Kinder bei der Mutter im Haushalt leben,  die in Zukunft eine möglichst gesunde Mutter genießen sollen. Die Mutter übernimmt auch die Erziehung meines großen Sohnes.

4. Bleibt in Deinem Alltag auch noch Zeit für Dich ganz persönlich übrig? Wie nutzt Du sie?

Wenn ich abends nicht noch arbeite, dann bleiben mir die Abendstunden. Gerne höre ich Musik, entspanne oder blogge ein wenig. Ich halte den Kontakt mit anderen Eltern und tausche mich aus bzw. informiere mich über Dies und Das. Weiterst setze ich mich dafür ein, dass endlich ein wenig Aufklärung in Sachen Zusammenleben mit Menschen mit Behinderungen betrieben wird. Daher auch mein Blog, in dem ich u.a. darüber schreibe.

5. Bist Du glücklich mit der Organisation Deines Arbeits- und Familienlebens? Was klappt besonders gut, wo könnte nachgebessert werden?

Definitiv nein. Klar bin ich glücklich mit meiner Tochter, das steht ausser Frage, aber in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss noch eine Menge getan werden. Meine Tochter ist behindert und hat keinen Zugang zu den üblichen Betreuungsmöglichkeiten. Generell wünsche ich mir bessere Betreuungsangebote. Weiterst habe ich nun in dieser Zeit viele Mamas kennen lernen dürfen, welche gerne arbeiten gehen würden. Meines Erachtens muss ebenso ein Umdenken bei den Arbeitgebern statt finden – in vielen Bereichen wären flexiblere Arbeitszeitmodelle möglich.

6. 3 Tipps, die Du Mamas geben würdest, die wieder ins Berufsleben starten?

Kürzlich habe ich einer alleinerziehenden Mama bei der Bewerbung geholfen.

Ich hatte Ihr geraten Mut zur Lücke (im Lebenslauf) zu haben und ohne die üblichen Standardphrasen zu formulieren. Es hat geklappt! Das kann aber auch nur Zufall gewesen sein. Organisiert den Alltag und fragt in Sachen Betreuung nach, bei Behörden, Jugendämter, etc. Informiert euch und lasst euch nicht mit Standardantworten abspeisen.

7. Du hast 3 Tage kinderfrei, was machst Du mit der freien Zeit?

Im Winter gehe ich gerne in die Therme. Aber ich besuche auch mal gerne ein Fußballspiel oder gehe mit alten Bekannten ein wenig auf Tour. Wären entsprechende finanzielle Mittel vorhanden würde ich mal gerne nach Barcelona oder Lissabon. Einfach mal in Ruhe die Stadt anschauen.

8. Wie schaffst Du es, neben Deiner Arbeit/Deinen Aufgaben als Mama zu bloggen, zu twittern, etc?

Häufig in den Abendstunden. Wenn im Büro wenig los ist fange ich aber auch schon dort mit Schreiben an und Twitter – ganz klar via Smartphone

9. Hast Du schon einmal schlechte Erfahrungen damit gemacht, dass du anderen einen Einblick in Euer Familienleben gibst?

Jaein! Da bei uns eine etwas speziellere Situation vorherrscht (Alleinerziehender Vater & behindertes Kind) ist es für Außenstehende manchmal schwer, zu verstehen. Aber richtig negative Erfahrungen habe ich bislang nicht gemacht. Was mich noch ein wenig stört ist dass es so oft dermaßen hochgelobt wird. Es gibt so viele alleinerziehende Mamas, manchmal auch mit behindertem Kind, die das gleiche leisten. Bei Ihnen wird das aber als „normal“ empfunden.

Herzlichen Dank, Jörg!

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