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Sag mal, wie wuppst Du das, Julia?

Endlich, endlich geht es an dieser Stelle einmal wieder weiter mit meiner Vereinabarkeitsserie 🙂 Ihr kennt Sie noch gar nicht, oder könnt Euch nicht mehr daran erinnern? Dann schaut mal hier nach: Sag mal, wie wuppst Du das?

Dort findet Ihr alle meinen bisherigen Interviews, die ich zum Thema Vereinbarkeit geführt habe. Denn in meinem alltäglichen Chaos zwischen Beruf (OK, im Moment wegen Schwangerschaft & Co. weniger), Kindern, Haushalt & Co. interessiert es mich brennend, wie andere Mamas UND Papas den Spagat wuppen. Daher stelle ich immer die gleichen Fragen an unterschiedliche Eltern.

Diesmal ist meine Namensvetterin Julia vom Blog Frieda Friedlich meine Interviewpartnerin. Wir teilen uns nicht nur den Vornamen, sondern auch die Vorliebe für alte deutsche Mädchennamen- und das verbindet sofort, oder? In ihrem Blog schreibt sie über ihren Alltag mit Kleinkind „in einer wundervollen Stadt, von notwendigem Tun mit Kleinkind, von der Freizeit, wenn das kleine Wesen mal schläft, von anstrengenden Situationen, von Liebe, Unternehmungen und Urlauben, aber auch von Problemen, Konflikten und Gedanken.“ (Quelle: frieda-friedlich.de).

Sie ist also genau die Richtige für meine Frage…

Sag mal, wie wuppst Du das, Julia?

Mit ganz viel Schokolade… – das ist zumindestens mein 1. Gedanke. Und ja, ich esse tatsächlich viel zu viel davon.

Vorname: Julia
Alter: 34
Mutter von: Mini-Menschen-Mädchen (22 Monate) und Hundedame Grete (12 Jahre)
Stadt: Geboren in Hattingen (Ruhrgebiet) und mit ganzem Herzen Wahl-Kölnerin

Seiten im Netz:
Blog: www.frieda-friedlich.de
Facebook: www.facebook.com/friedafriedlichkoeln
Instagram: http://www.instagram.com/friedafriedlich/

Frieda Friedlich

1. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus? Bist Du happy damit?

Ich bin Lehrerin für Sonderpädagogik und arbeite nach meinem Jahr Elternzeit, erstmal „nur“ in Teilzeit für 22 Stunden in der Woche. Entgegen der Meinung vieler Leute habe ich als Lehrerin allerdings nicht „vormittags recht und nachmittags frei“, sondern verbringe auch noch viel zusätzliche Zeit mit der Unterrichtsvorbereitung, dem Schreiben von Entwicklungsberichten und Förderplänen. Das lässt sich aber in Absprache mit meinem Partner sehr gut auch mit Kind arrangieren oder eben in die Abendstunden verlegen. Hauptsache ist, der Unterricht steht und die ToDo-Liste ist abgerockt. Vor der Geburt unserer Frieda habe ich übrigens an einer Förderschule gearbeitet, mich nun aber an eine wohnortnahe Gemeinschaftsgrundschule ins Gemeinsame Lernen (Inklusion) versetzen lassen. Hier bin ich jetzt in erster Linie für die individuelle Förderung der SchülerInnen zuständig, die Unterstützung benötigen. Es ist etwas ganz anderes als Klassenlehrerin an einer Förderschule zu sein, aber insgesamt bin ich sehr happy. Mit meiner Berufswahl sowieso, mit der Versetzung an eine andere Schule und auch mit der Entscheidung nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten zu gehen. Dennoch bin ich sehr glücklich, dass es erstmal nur Teilzeit ist. Manchmal weiß ich nämlich ehrlich nicht, wie ich (oder wir) gewisse Sachen wuppen sollen. Am Ende schafft man es ja immer irgendwie, aber vorher steht man so manches Mal vor einem scheinbar unlösbarem Betreuungsproblem. Der Spagat der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist sowieso eine so unglaubliche Belastung.

2. Haben Du und Dein Mann eine Arbeitsteilung was das/die Kind/er betrifft und wie gestaltet sie sich? Läuft die Organisation gut?

Friedas Papa ist auch Lehrer für Sonderpädagogik. Er arbeitet zwar weiterhin „Vollzeit“, ist natürlich aber auch am frühen Nachmittag zu Hause. Luxus pur! Sein Homeoffice, das wie bei mir unabdingbar zum Lehrerjob dazugehört, öffnet auch immer erst abends, wenn unser Mini-Menschen-Mädchen schlummert. Guido übernimmt im und für den Haushalt so viel er kann. Meistens kann man so Dinge wie wischen und gründlich putzen ja im Grunde nur in Ruhe machen, wenn sich der jeweils andere den Nachwuchs schnappt, im Zimmer spielt oder vor die Tür geht. Wir haben uns eigentlich alle Tätigkeiten (auch ohne feste Absprachen) sehr schön und gerecht verteilt. Zumindestens fühlt es sich gerecht an. Wir putzen, waschen, kochen, einkaufen, spielen und toben im Wechsel. Der eine mal mehr, der andere weniger. Wir sind ganz gut organisiert. Am Anfang brauchten wir etwas Zeit und es klappt auch noch nicht immer perfekt, Zuständigkeiten und Verantwortungsbereiche gleichmäßig auf unserer beider Schulter zu verteilen, uns gegenseitig viel Achtsamkeit zu schenken und für Auszeiten zu sorgen, aber wir arbeiten stetig an uns.

Frieda Friedlich

Die Familie von Frieda Friedlich

3. Bleibt in Deinem Alltag auch noch Zeit für Dich ganz persönlich übrig? Wie nutzt Du sie?

Ich glaube, da geht es allen Mamas gleich. So richtig viel ganz persönliche Zeit bleibt nicht mehr so viel. Entweder ruft abends noch der Schreibtisch oder ich bin so k.o. vom Tag, dass ich mich auch schon um 20 Uhr ins Familienbett neben unser Mini-Menschen-Mädchen kuschle. Manchmal lese ich dann wenigstens noch ein paar Seiten bevor ich auch einschlummre. Im Mutterschutz habe ich einen Nähkurs besucht und die Liebe zum Nähen für mich entdeckt. Ich nähe eigentlich ausschließlich kunterbunte, süße Mädchensachen für unsere Frieda, nur manchmal traue ich mich auch an Klamotten für mich selbst heran. Zum Nähen komme ich im Moment allerdings echt nur noch selten. Schade!

4. Bist Du glücklich mit der Organisation Deines Arbeits- und Familienlebens? Was klappt besonders gut, wo könnte nachgebessert werden?

Mit Friedas KiTa-Platz hatten wir wirklich unheimlich großes Glück. Hier in Köln ist die KiTa-Platz-Not irgendwie besonders groß und es ist eine regelrechte Bedrohung des glücklichen Arbeits- und Familienlebens von Familien, in denen beide Partner arbeiten wollen und/oder müssen. Wir hatten zunächst eine Tagesmutter, deren Betreuungszeiten dann aber widererwartend nicht mit meinen Arbeitszeiten vereinbar waren. Meine neue Schulleiterin, der ich von meinen Sorgen erzählte und die mich an der Schule dringend brauchte, hatte DIE Lösung parat. Direkt neben meiner Schule wurde nämlich eine private KiTa neu eröffnet, in dessen Zwergengruppe es tatsächlich noch ein Plätzchen für unsere kleine Frieda gab. Fügung, Schicksal, das Universum oder der liebe Gott. Wer auch immer, hat uns scheinbar diesen Kita-Platz geschickt. Da das alles sehr kurzfristig war und die Eingewöhnung unseres Mini-Menschen-Mädchens gute 4 Wochen dauerte, startete ich im Februar dieses Jahres mit einiger Verzögerung aus meiner Elternzeit. Zum Glück sind Schulleitung und viele meiner neuen Kollegen selbst Eltern und kennen das…
Die Betreuung direkt neben der Arbeitsstelle ist natürlich totaler Luxus, Besser geht es gar nicht, finden wir. Die KiTa zeigt sich was die Vereinbarkeit von Arbeit und Betreuung angeht zum Glück flexibel und wir müssen uns nicht so ganz fest an die Bring- und Abholzeiten halten.

Der Nachmittag ist allerdings immer viel zu schnell vorbei. Eigentlich habe ich jeden Tag das Gefühl, dass unser Mini-Menschen-Mädchen zu viel „nebenher“ gelaufen ist. Einkaufen, Brote schmieren, Haushalt, Emails beantworten, den Hund Gassi führen und sonstige Erledigungen eben. Ich finde oft, dass wir zu wenig echte „Qualitytime“ miteinander verbracht haben. Dann denke ich aber auch schnell wieder, dass genau DAS eben das echte Leben ist und so lange wir unsere Frieda nicht irgendwo auf einem „Abstellgleis“ parken, sondern sie in alles aktiv einbeziehen und sie bei allen Tätigkeiten helfen darf (auch, wenn es dann noch mehr Arbeit macht), machen wir für uns und unsere kleine Familie schon ziemlich viel perfekt.

5. Drei Tipps, die Du Mamas geben würdest, die wieder ins Berufsleben starten?

Ich habe eigentlich nur zwei Tipps und die sind irgendwie nicht nur für den Wiedereinstieg ins Berufsleben:

Schau’ nicht zu sehr nach links und rechts auf andere Mamas und ihre Mini-Menschen. Sie sind kein Maßstab und keine Konkurrenz. Was bei denen klappt, muss für euch noch lange nicht stimmen und vor allem aber auch umgekehrt.

Eingewöhnung in die Fremdbetreuung ist und bleibt ein Arschloch. Mir haben (leider) selbst mitfühlende Worte anderer Mamas nicht geholfen. Auch, wenn man weiß und spürt, dass DAS nun okay und richtig und wichtig ist. Es war das fieseste Gefühl seitdem ich Mama bin. Hör auf dich, hör auf deinen Bauch. Glaube an dich und deine Supermom-Kräfte.

Da fällt mir wieder der dritte Tipp ein: Schokolade! Für mich das absolute Lebenselixier. Ich esse viel zu viel davon und das sieht man leider auch etwas…

6.Du hast drei Tage kinderfrei, was machst Du mit der freien Zeit?

Das kann und will ich mir im Moment noch gar nicht vorstellen. Klingt wie ein echter Horrorfilm für mich.

7. Wie schaffst Du es, neben Deiner Arbeit/Deinen Aufgaben als Mama zu bloggen?

Wenn ich keinen Unterricht vorbereiten muss, sitze ich oft abends am Computer und schreibe Blogbeiträge. Ganz früh morgens oder abends vorm Einschlafen und manchmal auch zwischendurch checke ich noch die Socialmedia-News. Emails beantworte ich auch ganz oft von unterwegs mit dem Handy. Ganz manchmal, bei wichtigen Beiträgen auf dem Blog mit einer herannahenden „Deadline“, hält Guido mir auch nachmittags mal den Rücken frei. Das Meiste passiert aber abends in der Zeit von 19 – 21 Uhr. Danach falle ich müde ins Bett. Der Blog ist allerdings auch „nur“ ein liebgewonnenes Hobby. Ich verdiene kein Geld damit und das soll auch so bleiben.

8. Hast Du schon einmal schlechte Erfahrungen damit gemacht, dass du anderen einen Einblick in Euer Familienleben gibst?

Nein, eigentlich nicht. Dafür ist unser Blog wahrscheinlich auch noch zu jung, zu klein und hat noch wenige Follower. Man macht sich natürlich sehr angreifbar, das muss einem klar sein. Man muss Kritik aushalten, darin sehe ich aber auch eine besondere Chance zu wachsen. Ich hatte vor etlichen Monaten mal ein Foto bei Facebook gepostet. Zu sehen war ich da mit meiner Nichte und unserer Frieda in einem China-Restaurant. Da ging eine kleine Glutamat-Debatte los. Wenn man einen Teil seines Lebens öffentlich macht, dann muss man auch damit rechnen, dass andere Leute irgendwas anders sehen und anders machen. Leider denken viele aber, dass IHRE Sicht auf die Dinge die einzig richtige Sicht ist. Ich bin und „werbe“ auf meinem Blog unbedingt für Offenheit, Toleranz und das Anderssein und eben Andersmachen auch anzunehmen. Das sollten viele Menschen noch üben 🙂

Habt Ihr Lust auf meine Interviews zum Thema Vereinbarkeit bekommen? Dann clickt Euch doch einfach durch die weiteren Beiträge, die Ihr hier findet.

Bist Du ebenfalls Blogger(in) und möchtest bei meinem Interview zur Vereinbarkeit mitmachen? Dann schreib mir bitte einfach an mama(punkt)schulze(ät)gmx(punkt)de. Ich freue mich!

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