Mama, Schwangerschaft
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Endlich… / Ein Brief an Sarah von Mamaskind

Liebe Sarah von Mamaskind.de,

in der vergangenen Woche habe ich etwas entnervt darüber geschrieben, wie ich es finde, nun so überschwänglich gratuliert zu bekommen, weil Baby No. 3 nach zwei Mädchen „endlich“ ein Junge ist.

„Endlich ein Junge?!“

„Da wird Papa Schulze sich aber sicherlich freuen!“

„Na, dann fühlt sich Papa Schulze wenigstens nicht mehr alleine!“

 

…höre ich seitdem öfter. Und das wundert mich, weil anscheinend Familien nur als „komplett“ verstanden werden, wenn beide Geschlechter beim Nachwuchs vertreten sind.

Du hast darauf geschrieben, dass Du meine Verwunderung teilst, es aber auch verstehen kannst, wenn Mann oder Frau sich ein bestimmtes Geschlecht wünschen. Du würdest Dich zum Beispiel bei Baby No. 3 sehr über das erste Mädchen nach zwei Jungs freuen.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen und deswegen möchte ich das an dieser Stelle auch noch einmal schreiben: Ich kann es sehr gut verstehen, dass sich die Eltern ein bestimmtes Geschlecht wünschen. Schließlich wachsen wir alle mit unseren ganz eigenen Vorstellungen vom Leben und entsprechenden Erfahrungen auf. Auch, wenn die Gesundheit tausendmal wichtiger ist- ich glaube, dass darf gerade ich schreiben.

Wirklich, bei Baby No. 3 war es mir zwar egal, was es nun wird. Aber wenn Du mich zum Beispiel vor 10 Jahren gefragt hättest, wie ich mir meine Familie einmal vorstelle, hätte ich Dir gesagt, dass ich mich eher als Jungsmama sehe. Rosa, Glitzer, Einhörner, Barbies und Pferde- das konnte ich mir so gar nicht für meine Zukunft vorstellen. Auch diese ganzen Mädchenzickereien nicht. Ich? Mädchenmama? Niemals!

Das Schicksal meinte es aber dann doch eher pink und lila mit mir. Ich musste mich dann im ersten Moment zwar erst einmal an den Gedanken gewöhnen, als ich erfuhr, dass die MaxiSchnecke ein Mädchen ist. Ja, das gebe ich ganz ehrlich zu. Bis dahin war ich fest davon ausgegangen, dass ich DIE geborene Jungsmama bin.

Trotzdem bin ich als Mädchenmama bis jetzt wunderbar klar gekommen. Auch ein drittes Mal wäre das für mich fein gewesen- wer weiß, vielleicht wäre Mädchen No. 3 aber auch eine kleine Rabaukin geworden, die – gerade um sich von den älteren Schwestern abzugrenzen – blau und grün, Feuerwehrmann Sam und Fußball geliebt hätte? Wie Du schon geschrieben hast:

„Denn was Kinder mögen, kann man (oft) nicht am Geschlecht festmachen.“

Mir geht es da eher um die gesellschaftlichen Konventionen. Um diese Gedanken und Kommentare der Mitmenschen, die in Familien beide Geschlechter bei den Kindern erwarten: Vater, Mutter, Junge, Mädchen. Auch die Kommentare und Zuschriften meiner Leserinnen bestätigen diesen Eindruck. Es ist glaube ich wirklich so, wie meine Leserin Christina Emser auf Facebook geschrieben hat:

„Weil uns von allen Seiten suggeriert wird, Familie ist Vater, Mutter, Sohn und Tochter. Braucht man sich bloß Werbung schauen.“

Und solche Schubladen finde ich doof. Ich würde zum Beispiel nie das Geschlecht vom Nachwuchs bewerten, sondern erst mal nachfragen, ob ein bestimmter Wunsch bestand oder einfach gratulieren. Babys sind toll. Kinder sind toll. Mehr Babys und Kinder sind wunderbar. Mit ihnen öffnen sich ganz neue Galaxien für uns Eltern. Ob diese Galaxien unbedingt rosa UND blau sein müssen (um mal den gängigen Klischees zu entsprechen), wage ich dabei zu bezweifeln.

…nun drücke ich erst einmal die Daumen für ein Outing nach Deinem Wunsch bei Dir. Und falls es diesmal ein Mädchen bei Euch ist, hätte ich da noch die einen oder anderen pinklila Kleidungsstücke für Euch 😉

 

 

 

1 Kommentare

  1. Ich musste schmunzeln. Ich war mir mein ganzes Leben lang sicher, die geborene Jungenmama zu sein.
    Ich wollte drei Kinder. Von mir aus mit einem Mädchen zwischen den Jungs. Aber gerne drei Jungs.
    Meine Mutter meinte damals:“du bekommst nur Mädchen“.
    Ich bim schwanger, Kind liegt falsch herum und der Frauenarzt meinte, wenn man nichts sieht, wird es ein Mädchen.
    Mädchen? ????
    Ich habe bis zum Schluss blau und grün gekauft. Schließlich konnte man das Geschlecht nie sehen.
    Dann war es tatsächlich ein Mädchen und ich war nach dem Kaiserschnitt leider todkrank und ein weiteres Kind rückte in weite Ferne.
    Nach fünf Jahren dann doch noch ein Kind und ja, ich habe mir einen Jungen gewünscht.
    In der 31.SSW eine Drehung. ….es wird natürlich ein….Mädchen.
    Irgendwie konnte ich es nicht fassen. Natürlich war ich überglücklich, dass ich noch ein Kind bekommen würde. Aber ich wusste auch, dass es kein Drittes geben darf.
    Kein Junge für mich.
    Ich bin glücklich über meine gesunden und tollen Töchter.
    Statt Piraten und Ritter, Puppen und Glitzer. Ausgerechnet ich. Lach.
    Ich bin froh, dass ich zwei Kinder haben darf.
    Aber ganz ehrlich…..ich vermisse trotzdem (m)einen Sohn.

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