Kriegsverletzung
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Eine „Kriegsverletzung“, die mich Jahre kostete

Ich bin durch den Bruch ja nun etwas eingeschränkt. Das Tippen mit einer Hand ist eine langwierige Angelegenheit, zudem muss ich ständig meinen Gips neu lagern- die perfekte Position habe ich nämlich noch nicht gefunden…

Damit es hier nicht zu ruhig wird, habe ich- inspiriert durch meinen Unfall- meine Bloggerkollegen gefragt, ob sie Lust haben, über ihre oder die „Kriegsverletzungen“ ihrer Kinder bei mir als Gast zu schreiben. Ich habe dabei keine Vorgaben gemacht. Sie schreiben „frei von der Leber“. Das kann lustig oder traurig sein, nachdenklich sein oder schon beim Lesen weh tun.

Den Anfang macht die liebe Dani von Glucke und so.

Gluckeundso-logo-300X250Mein Name ist Dani und ich blogge bei Glucke und so über all meine Gefühle und Gedanken rund um mich und meine kleine Familie.

Mama Schulze hat sich den Arm gebrochen und wirklich starke Schmerzen. Sie fragte, ob ich etwas zum Thema „Kriegsverletzung“ schreiben könnte. Mir fiel sofort der 17.09.2009 ein. An diesem Tag stieg ich auf mein Fahrrad, um zum Arzt zu fahren, da ich einige Rezepte brauchte. Ich wollte am nächsten Tag eine Woche Ferien mit meiner Mama machen. Als ich vom Arzt zurückkam, sah ich ein Auto sehr rasant um die Ecke fahren und blieb stehen um ihm den Vortritt zu lassen.

Naja und meine Vorsicht war eher eine Gefahr für mich, denn das Auto fuhr auf einmal rückwärts und mich einfach um. Ich hatte damit nicht gerechnet. Ich flog ein kleines Stück und landete mit dem Kopf auf meinem Rucksack und spürte sooo starke Schmerzen, wie noch nie zuvor. Ich kämpfte mit der Ohnmacht und atmete was das Zeug hielt und schrie und weinte vor Schmerzen. Recht schnell war der Fahrer bei mir, ich gab ihm meine Schlüssel und schickte ihn in unsere Wohnung, die gleich um die Ecke war, um mein Telefon zu holen und meinen Freund anzurufen, damit er ins Krankenhaus kommen kann.

Die Straße füllte sich mit Menschen und Autos. Der Krankenwagen kam nicht durch & musste Einen Umweg fahren. So viele Menschen, die bei mir waren und ich war noch immer bei Bewusstsein. Ich wollte mein Bein sehen, denn es tat so höllisch weh. Der Notarzt kam und meinte, ich solle nicht schauen und ich müsste jetzt stabilisierst werden, da sie mich so nicht transportieren könnten. Ich bekam „Drogen“ und war recht schnell in anderen Sphären.

Ich erwachte im Krankenwagen und mir war so schwindelig, ich sagte ich brauche mehr da die Schmerzen soooo stark sind. Sie lachten und meinten, noch mehr gehe leider nicht. Ich wachte im Krankenhaus wieder auf. Ich musste geröntgt werden. Dann lag ich im Flur der Notaufnahme und weinte und weinte, ich hatte solche Schmerzen und mein Freund war nirgends zu sehen. ich schrie und jemand kam und fragte, was los sei? Ich meinte dass ich gerne einen Cocktail und ein paar Nüsse hätte!!! Hallo was soll wohl los sein, ich wurde gerade angefahren, habe Schmerzen, mein Freund ist nicht da und sowieso ist gerade alles ziemlich scheisse.

Mein Freund wurde endlich zu mir gebracht und ein Arzt kam. Sie wollten mich dabehalten, man konnte beim Röntgen keinen Bruch feststellen, aber da sei soviel Flüssigkeit. Ich sagte, ich würde nach Hause gehen, da ich am nächsten Tag in den Urlaub fahren würde. Der Arzt lachte und meinte ich würde nirgendwo hinfahren. Ich entschied trotzdem, zu gehen. Ich bekam Thrombosespritzen für zu Hause, eine Gipsschiene fürs Bein, einen Verband für die Hand und Krücken und Schmerzmittel.

Die Odyssee ging somit los. Die nächsten Wochen ging es zum Chirurgen, zum MRT (eine geschlossene Röhre, bei der in mehreren Schichten das komplette Gewebe ausgelesen wird, somit kann man kleinste Risse im Knochen oder Verletzungen im Gewebe erkennen). Ich hatte jedoch soviel Flüssigkeit in meinem Fuß, dass ein Bruch nach wie vor nicht festzustellen war. Aber zwei Bänder waren durch, also brauchte ich eine Bänderschiene. Die Schmerzen waren unerträglich, die Hand war zusätzlich geprellt, auf Krücken zu laufen war unglaublich anstrengend, ich war, für mich selbst, ein Vorübergehender Pflegefall.

Es folgten immer wieder MRTs, Röntgenaufnahmen, eine orthopädische Klinik habe ich aufgesucht, 2 versch. Orthopäden, Krankengymnastik, Muskelaufbau… Ich lief knapp 4 Monate an Krücken, ich nahm täglich Schmerzmittel und setzte mir selber 100 Thrombosespritzen. Ich war gefangen in einem Schmerzkreislauf.

Ich rannte von Arzt zu Arzt, es wurde irgendwie nicht besser, ich bekam immer neue Diagnosen, immer schlimmere. Der Fuß tat immer noch weh. Ich habe kein Sport mehr machen wollen, keine langen Wege mehr laufen wollen, keine Schuhe mit Absatz tragen wollen, da ich nicht noch mehr Schmerzen wollte. Ich fuhr nie wieder Auto.

Nach 3 Jahren hatte ich so ziemlich die Nase voll von mir selber und suchte nach einer Schmerzklinik. Ich schickte der Schmerzklinik Heidelberg meine Unterlagen und bekam relativ schnell einen Termin (man wartet eigentlich ein Jahr). Dieser Termin ging 6 Stunden & war sehr emotional. Es war ein reines Gespräch. Die Schmerzklinik in Heidelberg ist ein Zusammenschluss aus vielen Fachärzten (Orthopäden, Chirurgen, Psychologen, Physiotherapeuten, Neurologen usw.) Dort werden Erkrankungen ganzheitlich betrachtet.
Dieses Gespräch hat mein Leben verändert. Mir wurde bewusst, dass dieser Unfall natürlich den Unfall meiner Schwester wieder hochgeholt hatte (Anmerkung von Mama Schulze: Dani hat in früher Kindheit ansehen müssen, wie ihre Schwester bei einem Autounfall starb), aber auch, dass ich Schmerzen viel extremer spüre und das nicht erfinde. Nein, es ist wirklich so, aber es ist ein Schmerz, der vom Gehirn gesteuert wird und nicht von meinem Fuß. Rein körperlich war mein Fuß wieder gesund, ich musste auf nichts verzichten, ich hattee keine irreparablen Schäden und das Wichtigste: Ich brauchte keine Schmerzmittel.

Dieser Tag in dieser Schmerzklinik hat mich gerettet. Ich habe ab dem Tag keine Schmerzmittel mehr genommen, ich hatte wieder Spaß rauszugehen, zu tanzen, ich kaufte mir Pumps. Ich ging nicht mehr zu Ärzten. Ich beendete das Schmerzensgeldverfahren, da für mich das Thema einfach beendet war. Ich befreite mich von diesen unerträglichen Schmerzen und es machte Klick und mein Fuß erholte sich und er tut bis heute kaum noch weh.

Ich war erschrocken, was mein Gehirn so alles bewirken kann. Ich war befreit und es tat so gut, dass ich mein Gehirn positiv beeinflussen kann. Ich fahre seit 2014 auch wieder Auto und das gerne. Ich gehe mit Schmerzen jetzt anders um.

Jeder kann das schaffen und dafür erzähle ich diese, meine Geschichte, da ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die in ihrem (tatsächlich vorkommenden Schmerz) gefangen sind. Ich sage euch: Es gibt Hilfe!

Vielen Dank, dass Du diese Geschichte mit uns geteilt hast, Dani! Sie enthält auch ein paar Dinge, die ich mir für die MS im Hinterkopf behalte und die mich bestärken in meinem Umgang mit der Erkrankung.

Möchtest Du auch Deine Geschichte zum Thema „Kriegsverletzung“ bei mir teilen? Dann schreibe mir bitte an mama.schulze(at)gmx.de.

Ich biete Dir ein Forum auf dem Blog sowie die Verbreitungskanäle Facebook, Twitter & Instagram 😉

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