Kriegsverletzung, Mama-Blog
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Ein ausgeklügeltes Bremsmanöver

Heute ist endlich der letzte Tag meiner Physiotherapie, die ich noch wegen meines Handgelenksbruch vom 15. Mai (hier geht es zur Bruchgeschichte) absolvieren musste. Seit Mai hatte ich nun mit der Wiederherstellung meiner Beweglichkeit im linken Handgelenk zu tun. Mittlerweile funktioniert es eigentlich wieder ganz gut. Ich bin minimalst in einer Bewegung eingeschränkt. Da ich diese Bewegung für meinen Alltag allerdings nicht brauche, ist das auch nicht schlimm.

Nervig waren die Termine für die Physiotherapie in den letzten Wochen. Denn es ist gar nicht so einfach, diese im Alltag mit Job & Kindern & Routineterminen für die MS zu managen. Und dann habe ich sie auch noch ständig vergessen (weil es mir eigentlich wieder ganz gut ging mit dem Handgelenk- kein Schmerz erinnerte mich an die Termine), weswegen sich der Zeitraum der Physio jeweil durch die Nachholtermine verlängerte…

Aber heute ist es endlich geschafft und ich freue mich wie Bolle.

Kurz nach dem Bruch hatte ich verschiedene Blogger gefragt, ob sie Lust haben, hier bei mir – ganz im Namen des Bruchs – ihre Geschichten rund um das Thema „Kriegsverletzungen“ zu veröffentlichen. Herausgekommen ist ein Potpourri aus lustigen und nachdenklichen Geschichten. Mitgemacht haben dabei:

Dani von Gluck und So (hier geht es zum entsprechenden Artikel), ein Papa von den Superpapas (hier geht es zum entsprechenden Artikel), Karin alias Frau Brüllen von Gut gebrüllt (hier geht es zum entprechenden Artikel) und Alu von Grosse Köpfe (hier geht es zum entsprechenden Artikel).

Heute veröffentliche ich zur Feier des Tages die letzte Story um eine „Kriegsverletzung“. Sie kommt von der lieben Marsha. Sie schreibt auf Mutter&Söhnchen über sich und den chaotischen Alltag mit zwei Jungs.

Hallo,

Mama Schulze hat mich gefragt, ob ich nicht einen Text zu der Reihe „Kriegsverletzungen“ beitragen möchte. Mit Knochenbrüchen kann ich dabei nicht dienen – denn auch wenn ich mir schon die ein oder andere Blessur eingefangen habe, irgendwie war ich bis jetzt unbreakable. Vielleicht weil ich schon seit langem Fahrrad, Snowboard und Co meide (ohne Witz – fahrradfrei seit 2003).

Denn auch ich bin so ein „Quax-der-Bruchpilot“. Da steht Mama Schulze nicht allein da. Ok, bei mir war es kein Fahrrad. Nein, ich war auf Inlinern unterwegs. Mit denen kann man sich aber auch richtig schön auf die Fresse legen.

Eine lockere Feierabendrunde sollte es bei mir im Jahr 2003 werden. Ich hatte einen alten Schulfreund im Fitnessstudio getroffen und mich mit ihm auf eine Runde Inliner verabredet. Schon länger war ich nicht mehr gefahren und wollte mir von ihm ein paar Kniffe abschauen. Er brachte noch seine Freundin mit und wir fuhren dann relativ gemütlich auf ein paar Feldwegen. Ich übte vor allem bremsen. Denn das konnte ich bis dato nur mit dem Move „Ausrollen“ oder „An Laterne festhalten“. Man hangelte sich sozusagen sonst durch den Schilderwald des Straßenverkehrs. Wisst ihr Bescheid.

Auf dem Rückweg wollten wir über die damals neue Brücke einer Umgehungsstraße. Ich fühle mich sicher. Doch als wir mit viel Muskelpower oben waren, bekam ich etwas Bammel. Ganz schon hoch. Verdammt hoch. Beim Runterrollen bekam ich ziemlich Speed. Etwas zu schnell! Und dann merkte ich, dass den Rad-Fuß-Weg die Straße kreuzt. Ich bekam Panik. Wie war das nochmal mit dem Bremsen? Da vorne fahren Autos!!! In meiner Not kam ich auf die ziemlich beknackte Idee, mich an besagtem Schulfreund festzuhalten. So bei 30 oder 40-Sachen. Ich fuhr an ihn ran, versuchte mich festzuklammern….Dann drehte sich alles.

Ich glaub ich war ein paar Sekunden weg. Jedenfalls tat mir alles weh und ich lag auf Asphalt. Ich versuchte mich zu bewegen und bemerkte, dass da ziemlich viel Blut war. Es kam von meinem Kinn. Da war ein Loch, aus dem es sprudelte. Es ist zwar eine Möglichkeit, mit dem Kinn zu bremsen, aber versucht das besser nicht. Auch mein rechtes Knie tat höllisch weh – trotz Schützer. Die waren durch den Aufprall total verdreht.

Der Krankenwagen kam. Oh je – Krankenwagen – steht es um mich so schlimm? Mein automatisches Übersprungsverhalten „Bei-Angst-Witzig-Sein“ schaltete sich ein. Das ist scheinbar Standard bei mir (ihr hättet mich Mal beim ungeplanten Kaiserschnitt erleben sollen – die OP-Besatzung lacht sich heute noch scheckig). Und auch damals sorgte ich auf der Fahrt ins Krankenhaus für ein paar Kalauer. Hahaha – ich lach mich tot. Nur innerlich, da nicht.

Im Krankenhaus wurde ich am Knie geröngt, aber es war nichts gebrochen. Auch das vermeindlich riiiieesen Loch am Kinn wurde nur mit drei Stichen genäht. Ansonsten Schürfwunden an Ellenbogen (trotz Schützer) und Knie. Und ein geknickter Stolz. Ich durfte heim. Auch der Schulfreund hatte bis auf ein paar Schürfungen – ich hatte ihn ziemlich umgerissen bei meiner Bremsaktion – nix abbekommen. Glück gehabt. Eben unbreakable.

Die erste Nacht war die Hölle. Ich glaube, bei so Stürzen verkrampft sich der ganze Körper. Denn so tat es weh – einmal komplett von oben bis unten. Und am nächsten Tag musste ich arbeiten. Damals zwischen Ausbildungsende und Studium war ich bei einer Zeitarbeitsagentur beschäftigt – und die Sklaventreiber Personaler machten einen immensen Aufstand, wenn man sich krank meldete. So mit am Telefon anbrüllen und so. Das wollte ich mit ersparen. Drei Tage war ich ein Häuflein Elend, musste aber meine Arbeit wuppen. Kennt man ja als Mama mittlerweile, ne?. Aber schlimmer geht immer.

Ich bin nie wieder Inliner gefahren. Aber ein Fahrrad will ich mir ganz bald anschaffen! Da kann ich wenigstens gescheit bremsen. Ansonsten gibt es ja Laternen.

Marsha, ich danke Dir ganz herzlich für Deine Geschichte.

Dani, Karin, Alu und dem Papa danke ich ebenfalls von Herzen,

dass sie ihre Verletzungen hier bei mir geteilt haben!

…und allen verletzten Personen, die hier vorbeihuschen wünsche ich eine gute Besserung!

Alles wird gut 🙂


 

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