MS der Anderen, MS Thursday, Multiple Sklerose
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Die Multiple Sklerose bei Roland

Ein weiterer Mann hat sich meinen Fragen zu seiner Multiplen Sklerose gestellt. Seine Geschichte ist wieder ganz anders als die der anderen MSler. Die MS hat tausend Gesichter. Das zeigt sich in meinen Interviews ganz deutlich! Und deswegen freue ich mich auch sehr darüber, dass ich die Geschichten hinter den Gesichtern veröffentlichen darf.

Roland ist Marinesoldat, lebenslustiger denn je- und macht auch mir Mut. Denn ich habe zurzeit MS-mässig einen kleinen Durchhänger. Nächste Woche stehen meine Routineuntersuchungen an. Das zieht mich runter und dann freue ich mich umso mehr über soviel positive Energie wie Roland sie hat! …nur bei der Ernährung gehen wir beide unterschiedliche Wege… Aber auch das ist interessant für mich, zu lesen!


Name: Roland Hehrlein (Ranger)

Alter: 34

Das ist Roland

Das ist Roland

Wie lebst Du (mit Partner, Familie, Kindern):

Ich bin seit knapp 5 Jahren mit meiner Frau Anja verheiratet. Wir haben drei Kinder, Philipp Joachim (5), Charlotte Luise (2) und Oliver (6 Monate).

Wo lebst Du (Stadt/Land):

Wir wohnen in einer kleinen Stadt an der Nordsee in der Nähe von Wilhelmshaven.

Woran hast Du irgendwann gemerkt, dass „etwas“ bei Dir nicht stimmt?

Bei mir begann alles mit einem wahren Paukenschlag. Ende April 2011 bin ich aufgewacht und wollte aufstehen, jedoch versagten mir meine Beine ihren Dienst. Zuerst dachte ich an einen Bandscheibenvorfall und als ich im Krankenhaus war, habe ich eine Infusion bekommen und sämtliche Symptome waren am nächsten Tag verschwunden. Trotzdem ging ich direkt danach zu meinem Truppenarzt, der mich dann auch gleich ins Bundeswehrkrankenhaus in Berlin eingewiesen hat.

Wann hast Du die Diagnose „Multiple Sklerose“ (MS) bekommen?

Ich bekam die Diagnose Anfang Mai 2011.

Ging die Feststellung der MS schnell oder hat es lange gedauert bis Du die Diagnose bekommen hast?

Durch die große Erfahrung im neurologischen Bereich und gerade auch im Bereich MS der Neurologie im Bundeswehrkrankenhaus Berlin war nach nicht einmal einer Woche intensiver Untersuchungen inklusive Lumbalpunktion die Diagnose MS gestellt. Diese hat sich dann ein halbes Jahr später bei einer zweiten Lumbalpunktion leider bestätigt.

Was sind Deine Beschwerden?

Ich kann aufgrund der starken Spastiken mein rechtes Bein kaum noch bewegen. Allgemein ist meine MS fast komplett rechtsseitig ausgeprägt, auch mein rechter Arm ist öfter Taub und die Hand aufgrund der Spastik fast nicht zu gebrauchen.

Wie aktiv ist Deine MS?

Da ich nie einen wirklichen Schub hatte und festgestellt wurde, dass ich wahrscheinlich an der primär progredienten Variante leide hat sich mein Zustand innerhalb von vier Jahren rasch verschlechtert. Allerdings stelle ich seit Herbst 2014 eine Verlangsamung bzw. sogar einen Stillstand der Verschlimmerung fest.

Nimmst Du Medikamente gegen die MS bzw. gegen die Beschwerden?

Ich nehme seit Mitte 2013 Fampyra um die Spastiken in Arm und Bein etwas zu reduzieren. An sonsten verzichte ich auf jegliche Medikamente, da ich festgestellt habe, dass es mit diesen harten Chemikalien nicht besser, sondern eher schlimmer geworden ist.

Wie ist Deine Einstellung zu alternativen Heilmethoden (Ernährung, Akupunktur, Homöopathie, etc.?)

Ich habe bzgl. einer Ernährungsumstellung bis jetzt noch keine Erfahrungen sammeln können, habe aber schon öfter gelesen, dass viele Betroffene recht asketisch leben, was sich mit meiner Koch- und Essleidenschaft leider gar nicht verträgt 😉 Ich sehe das ganze so: lieber schlecht laufen statt schlecht essen. Ich denke, mir würde so ein großer Teil an Lebensqualität verloren gehen. Allerdings esse ich mittlerweile deutlich mehr Fisch und Nüsse.

Tust Du darüber hinaus noch etwas gegen die MS? Wenn ja, warum? Und wenn nein, warum nicht?

Sport, Sport, Sport… und Sauna.

Wie geht es Dir damit psychisch, dass Du MS hast?

Ich war vor der Erkrankung ein lebenslustiger, fröhlicher Mensch, der seit der Diagnose noch viel lebenslustiger und fröhlicher geworden ist. Lachen ist einfach die beste Medizin und Trübsal blasen oder schlecht drauf sein einfach nicht meine Art. Ich mag keine Menschen, die ständig nur ihr Schicksal beklagen. Ich habe es so hinzunehmen und das Beste daraus zu machen. Punkt!

Was machst Du, wenn Du schlechte Tage mit der MS hast, seien es körperlich schlechte Tage, seien es psychisch schlechte Tage?

An körperlich schlechten Tgen versuche ich, Sport zu vermeiden und mich generell auszuruhen. Außerdem vermeide ich Stressoren jeglicher Art.

Hast Du ein Lebensmotto oder hast Du zum Beispiel Deiner MS einen Namen (z.B. Madame Sabotage, o.ä.) gegeben? Magst Du erklären, warum es genau dieses Motto o. dieser Name ist?
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
Hat sich Dein Leben durch die MS verändert? Wenn ja, wie?

Ich denke mittlerweile, dass es Leute gibt, die noch viel schlimmer dran sind als ich. Ich bin geistig noch fit, einigermaßen mobil, weder inkontinent noch dement. Das alles macht das Ganze deutlich erträglicher. Außerdem hat sich meine Sichtweise Behinderten gegenüber stark geändert. Mittlerweilev weiss ich, warum Behinderte einen eigenen Parkplatz haben, im Job gefördert werden und und und.

Hast Du Deine Kinder vor oder nach der Diagnose bekommen?

Philipp kam 2010, also vor der Diagnose zur Welt. Charlotte und Oliver beide danach. Wir haben uns trotz Erkrankung bewusst für unsere Kinder entschieden.

Wissen Deine Kinder von Deiner MS? Wenn ja, wie hast Du es ihnen gesagt?

Mein ältester Sohn Philipp weiss, dass Papa nicht so fit ist wie andere Väter. Er versucht mich immer zu trösten und sagt es wird alles wieder gut 😉 außerdem ist er mir vund meiner Frau eine große Hilfe, sei es im Haushalt oder beim aufheben von bzw. Sachen.

Wird Eurer Familienleben von der MS beeinträchtigt?
Nein. Wir leben etwas langsamer aber trotzdem wie in jeder anderen Familie auch nach festen Regeln und Aufgaben.

Vielen Dank, lieber Roland, dass Du Dir die Zeit für meine Fragen genommen hast!

Falls Ihr Fragen an Roland habt, könnt Ihr diese hier unter dem Artikel als Kommentar schreiben. Ich werde sie dann an sie weiterleiten 😉

Hast Du ebenfalls MS und möchtest Dich meinen Fragen stellen? Dann freue ich mich über eine Nachricht von Dir an mama.schulze(at)gmx.de!

2 Kommentare

  1. Mandy sagt

    Hallo Roland,

    arbeitest du weiterhin als Marinesoldat? Hat sich deine Arbeit dort verändert? Stelle ich mir mit Spastiken in den Extremitäten total schwierig vor!

    Grüßle
    Mandy 🙂

  2. Roland Hehrlein sagt

    Hallo Mandy,

    ich arbeite weiterhin als Marinesoldat, allerdings im Büro, dafür aber Vollzeit und ohne größere Privilegien. Vorher bin ich zur See gefahren und habe auch an Land ausgebildet.

    Es ist natürlich nicht ganz einfach die Treppen hoch- und wieder herunterzukommen aber ich würde nie einen anderen Beruf haben wollen 🙂

    Gruß Roland

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