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Die Geburt – Schneckerich’s coming

Nun ist der Kleine Mann schon einen Monat alt, höchste Zeit also, um Euch von der Geburt zu berichten!

Schwangerschaftsdiabetes

Diejenigen von Euch, die hier fleißig mitgelesen haben, wissen, dass ich einen insulinpflichtigen Schwangerschaftsdiabetes hatte und die Ärzte daher planten, die Geburt spätestens am Entbindungstermin (29.12.2016) einzuleiten. Das wird in der Regel gemacht, da Babys von Müttern mit einem Diabetes größer und schwerer sind. Damit sie nicht noch größer und schwerer werden, wird meist am Termin der Entbindung eingeleitet, falls die Geburt vorher nicht von alleine losgegangen ist.

(Vor-) Wehen

Schon seit Ende November hatte ich immer mal Wehen. Vorwehen, ja auch, aber auch so richtige Wehen. Solche, bei denen ich wirklich dachte: „Ui, jetzt geht es los!“. Und dann? Nix! Es beruhigte sich wieder alles. Trotzdem packte ich schon Ende November meine Kliniktasche– denn das beruhigte mich irgendwie. Wie gesagt, ich war der festen Überzeugung, dass es bald losgehe, und dass ich nie und nimmer bis zum Entbindungstermin Ende Dezember schwanger sein würde.

Der Entbindungstag

Dann waren irgendwann der Geburtstag der MiniSchnecke und Weihnachten vergangen- und ich war doch tatsächlich immer noch schwanger. Ich hatte zwar immer noch das Gefühl, dass jeder Tag DER Tag sei, aber die Wehen ließen immer wieder nach. Und so kam Oma Schulze am 29. Dezember um 8 Uhr morgens zu uns nach Hause, um auf die Mini- und die MaxiSchnecke aufzupassen und Papa Schulze und ich fuhren in die Uniklinik zur Einleitung. Ein sehr komisches Gefühl!

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Ein letztes Foto von Papa Schulze und mir vor dem Check-In am Kreißsaal

Im Kreißsaal angekommen, hieß es erst einmal: warten! Denn zahlreiche Geburten waren gerade im Gange und niemand hatte sofort Zeit für uns. Also setzten Papa Schulze und ich uns zu zwei weiteren Paaren, die ebenfalls zur Einleitung gekommen waren. Beide Paare waren Erstlingseltern und sichtlich aufgeregt. Ich meine, wir waren schon aufgeregt, wie muss das Gefühl dann für zukünftige Eltern sein, die so gar nicht wissen, was nun auf sie zukommt?!

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WaZiFuBo (Wartezimmerfußboden)

Papa Schulze und ich neigen in so aufgeregten und unruhigen Situation zur Dummschwätzerei und so quatschten wir, bis wir endlich dran waren. Während dieser Quatscherei musste ich aber schon immer mal aufstehen und rumlaufen. Denn, das fühlte sich schon wieder ganz nach Wehen an- wie in den vergangenen Wochen. So Wehen, bei denen man laufen muss. Und zwischendurch auch mal anhalten und atmen muss… Sollte es etwa doch noch von alleine losgehen? Am Entbindungstermin? Wie damals bei der Minischnecke?

Nach zwei Stunden des Wartens wurde ich endlich untersucht. „Wie fühlen Sie sich denn?“, fragte mich die Ärztin. „Irgendwie habe ich die ganze Zeit das Gefühl, als ginge es los.“, antwortete ich. „Ja, so sieht das auch hier auf dem Ultraschall aus. Der Blutfluss und die Lage des kleinen Manns deuten darauf hin.“, stellte sie fest. Allerdings: Der Muttermund war noch komplett verschlossen. Aber, das heißt ja nichts. Der kann sich ja auch schnell öffnen. Daher wurde die Einleitung abgesagt, um zu schauen, ob der Schneckerich nicht doch von alleine kommt. Und so hieß der Auftrag an Papa Schulze und mich für den weiteren Tag: Laufen, um die Wehen in Gang zu bringen. Und das taten wir dann auch.

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Spaziergang am Main für die Wehen

Wir liefen also. In der Klinik, um die Klinik und um die Klinik herum. So groß ist der Radius ja gar nicht, in dem man sich entfernen sollte. Das wird zugegebenermaßen schnell langweilig. Aber ich wollte natürlich auch nicht mit einer geplatzten Fruchtblase einen Kilometer zurück zum Kreißsaal laufen.

Und dann tat sich was. Die Wehen kamen wieder und wurden stärker. Schon so stark, dass ich gar nichts mehr zu Mittag essen wollte. Mir war so komisch. Aber immer noch so, dass ich laufen konnte. Und so richtig veratmen musste ich sie auch nicht. Aber dann: gegen 16 Uhr musste ich veratmen. Wir waren wieder im Kreißsaal. Wow, es sollte doch tatgsächlich losgehen!

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Regelmäßige Wehen

Ging es aber nicht. Nein. Die Wehen ließen wieder nach. Und dann waren sie auch wieder weg. Und kamen nicht wieder. Trotzdem wollten die Ärztin und die Hebamme noch die Nacht abwarten, ob die Geburt nicht doch noch von alleine startete. So wurde ich stationär aufgenommen. Und da die Wochenbettstation brechend voll war, musste ich Papa Schulze nach Hause verabschieden. Es war kein Familienzimmer für uns frei. Ein doofes Gefühl, denn wir wohnen schon ein Stückchen entfernt von der Uniklinik. Die Fahrt kann 30 Minuten dauern- so weit weg wollte ich ihn gar nicht mehr lassen. Und ich wollte auch nicht alleine in der Klinik bleiben. Aber noch mal mit nach Hause wollte ich auch nicht. Ich hatte im Hinterkopf, dass so eine 3. Geburt auch schon mal schneller gehen kann. Das wollte ich nicht riskieren. Schließlich hatte ich die Presswehen im Auto mit der MiniSchnecke noch in Erinnerung. Nein, das wollte ich nicht noch einmal erleben. Daher fügte ich mich meinem Schicksal.

Die Einleitung

Aber auch in der Nacht passierte nichts und so kam Papa Schulze um 8 Uhr morgens wieder in die Klinik. Wie am Vortag mussten wir dann wieder im Kreißsaal warten. Auch an diesem Tag hatten die Ärzte und Hebammen viel zu tun. Um 10 Uhr stellte sich mir eine resolute ältere Hebamme vor, die die Einleitung übernahm. Hierfür bekam ich ein Gel auf den Muttermund gestrichen, und zwar nur eine geringe Menge, um keinen Wehensturm zu provozieren. Schließich hatte mein Körper schon 2 Geburten erlebt, das kann beim 3. Mal dann schnell gehen.

Und ja, nach dem Gel tat sich was. Ich spürte, wie es „untenrum“ arbeitete. Es wurde warm und zog irgendwie nach unten. Ich musste erst einmal eine Stunde lang liegen, damit das Gel an Ort und Stelle seine Wirkuhg entfalten konnte und dann musste ich wieder laufen, um die Wehen in Gang zu setzen. Und, und, und? Wenn ich mich ausruhte und lag, kamen Wehen. Auch solche, die wir auf dem CTG sehen konnten. Aber keine Geburtswehen. Und sie verschwanden auch immer wieder, sobald ich mich in Bewegung setzte. Und eigentlich soll es ja genau andersrum sein: Die Wehen werden normalerweise vom Laufen stärker und stärker. Bei mir aber nicht.

Die Geburt

Papa Schulze und ich spazierten und spazierten, aber die Wehen wollten nicht kommen. Zwischendurch ruhten wir uns mal kurz im Kreißsaal aus, um dann wieder weiterzulaufen. Aber es passierte nichts. Und so sollte ich sechs Stunden nach Gabe der ersten Dosis die zweite Dosis Gel erhalten.

Vorher sollte noch einmal eine halbe Stunde lang CTG geschrieben werden. Und dann: Während ich am Gerät lag, zog es plötzlich gewaltig und das CTG schlug aus. Fünf Minuten später wieder und exakt fünf Minuten später wieder, etc. Die Hebamme schaute nach dem Muttermund: 2 cm geöffnet. Nicht viel, aber ein Anfang.

Geburt

Papa Schulze tankt noch einmal Energie im Kreißsaal

Papa Schulze saß neben mir und hörte Musik, ich versuchte, mich zu entspannen und plötzlich – genau eine halbe Stunde nach der ersten Wehe – platzte mit einem lauten Knall die Fruchtblase. Wie ein dickes, strammes Gummiband, das reißt. So laut, dass Papa Schulze seine Kopfhörer abnahm und mich fragend ansah: „Was war das denn?“ „Ich glaube, die Fruchtblase ist geplatzt.“, antwortete ich und begann zu weinen. Dieser laute Knall hatte mich ganz schön erschreckt. Und ich wusste, dass es nun endlich, endlich soweit war. Jetzt ging es definitiv los. Die ganze Anspannung des vergangenen und heutigen Tages floss mit den Tränen aus mir heraus.

Sofort wurden die Wehen stärker und stärker. Der Muttermund hatte sich allerdings noch nicht viel weiter geöffnet. Er stand nun bei 5 cm. Allerdings hatte ich schon kurze Zeit später das Bedürfnis, zu pressen. Meine Schreie wurden lauter und lauter- so, dass ziemlich schnell die Hebamme in unseren Kreißsaal kam. Sie hatte meine veränderten Schreie gehört: „Das dauert jetzt nicht mehr lange. Ich bleibe jetzt bei Euch.“

Sie schaute nach dem Muttermund, der sich leider noch nicht weiter geöffnet hatte und weitete ihn dann per Hand, sodass er sich vollständig öffnete. Schon konnte sie das Köpfchen vom Schneckerich spüren, das nach unten drückte. „Er liegt leider falsch herum.“, stellte sie fest. Ich bekam Panik: „Wie, was? Mit den Beinen zuerst?“ Papa Schulze beruhigte mich: „Nein, alles gut, Süße. Der Kopf liegt nach unten. Aber er guckt nicht nach hinten, sondern nach oben. Er ist ein Sternengucker.“ Die Hebamme erklärte: „Sonst wäre er schon da. Das würde dann viel schneller gehen. Pass auf, meine Liebe, ich versuche ihn zu drehen in den Wehen. Dafür brauche ich Dich. Du musst mitmachen. Dann ist er schnell bei uns.“

Mir war alles egal. Die Schmerzen waren wirklich heftig, ich hatte das unablässige Bedürfnis zu pressen und merkte aber auch gleichzeitig, dass es nicht richtig voran ging. Ich lag auf der linken Seite, Papa Schulze stemmte mein rechtes Bein hoch und die Hebamme versuchte, den kleinen Mann während der Wehen zu drehen. Und, was soll ich sagen? Es waren Schmerzen from hell. Ich schrie lauthals: „SCH*EI*ßE! FU*UUUUUCK!“ Ich wimmerte und bettelte: „Nein, bitte nicht noch mal drehen!“ Es tat wirklich unsagbar weh. Und ich schrie lauter und lauter. Und dachte nur daran, dass ich nicht mehr konnte. „Ich kann nicht mehr!“, schrie ich. „Doch, Süße, Du kannst noch. Und Du kannst noch so viel mehr. Wir schaffen das!“, baute mich Papa Schulze auf.

Die Hebamme wusste ganz genau, was sie tat. Sie drehte den kleinen Mann bei jeder Wehe ein Stückchen weiter. Die Ärztin hielt sich dabei komplett im Hintergrund und stellte nicht einmal in Frage, was ihre Kollegin tat. Und diese schaffte es wirklich, den Schneckerich zu drehen. Danach ging alles ganz schnell. Mit der nächsten Wehe war das Köpfchen vom kleinen Mann draußen. Und er schrie sofort- so halb geboren, noch halb in mir drin. Und mit einer weiteren Wehe war er ganz geboren und lag schon auf meiner Brust, mein kleiner Mann. Genau zwei Stunden nach dem Blasensprung und den ersten richtigen Geburtswehen.

Schneckerich

Geboren am 30. Dezember 2016 bei 40. SSW +1 um 19:03 Uhr mit einem Gewicht von 3.790 Gramm und 55 cm.

Geburt

Das erste Foto beim ersten Anlegen vom Schneckerich im Kreißsaal

Was soll ich sagen? Diese Geburt war ganz anders als die ersten beiden Geburten. Bei der Geburt der MaxiSchnecke habe ich hier noch nicht geschrieben, die Geburt von Mini könnt Ihr hier nachlesen.

Nur zum Vergleich:

Nach Maxis Geburt schaute sie sich erst einmal um und benötigte einen Klaps auf den Popo, um zu schreien. Nach Minis Geburt schrie sie sofort aus vollem Halse. Und der Schneckerich? Der war erst halb geboren und schrie schon kräftig und stark. Momente, die Eltern niemals nie vergessen werden!

Wieder war mir Papa Schulze eine große Hilfe und Unterstützung. Ohne ihn wäre es nicht gegangen. Er war nie eine Last, sondern einfach nur ein Fels in der Brandung. Auch die Hebamme meinte, dass wir ein tolles Team waren. Ja, vielleicht sagt sie das zu allen Paaren. Vielleicht aber auch nicht. Und genau so fühlte es sich auch an: Wir waren ein tolles Team unter der Geburt!

Und was sagt Papa Schulze?

Er fand diese Geburt am Heftigsten. „Süße, Du hast ganz schön geschrien und geflucht! Das hatte wirklich noch einmal eine andere Qualität! Aber, Du hast das ganz, ganz toll gemacht!“

Du auch, Papa Schulze, Du auch!

4 Kommentare

  1. Gänsehaut! Das Warten vorher, wo man nix tun kann ausser denken, dass es doch bestimmt gleich los geht (vor allem weil dann die Einleitung begonnen hat)… Und das bescheuerte Gefühl wenn man weiss: Jetzt geht es wirklich nicht mehr zurück…. Es ist immer wieder eine enorme Leistung, die wir da erbringen. Und der Partner natürliche auch! Aber mit einem wunderschönen Ergebnis ❤

  2. Schnüf. Heul. Schluchz.
    Hach, Wahnsinn…was eine Geduldsprobe. Das Warten ist echt blöd. Das kenne ich noch von der Perle…wenn man nix machen kann.
    Aber zwei Stunden waren ja dann doch ok. Auch wenn ich mir gar nicht ausmalen mag wie sehr das drehen geschmerzt haben muss. Uff.
    Danke für den tollen und ergreifenden Bericht. Schön, dass der Schneckerich nun da ist, kann kaum erwarten ihn kennenzulernen.
    Drück dich!

  3. Pingback: Happy New Year! Mein 2017 - Jahresrückblick - Mama Schulze

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