Mama, Mama-Blog, Wie ist das eigentlich bei Euch?
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Wie ist das eigentlich bei Euch? Februar 2016

Heute habe ich wieder einmal ein interessantes Interview zum Leben mit Kindern im Ausland für Euch. Ich durfte Anne vom Blog Blochicks meine Fragen stellen. Und Anne wohnt in Belgrad, der Hauptstadt Serbiens. Das finde ich super interessant, denn vom Leben in Serbien mit Kindern weiß ich noch überhaupt nichts und davon, dass ich mit barfuß Laufen meine Eierstöcke gefärde auch nicht- Zeit, dass sich das ändert! Oder, was meint Ihr?

Daher bin sehr froh, dass ich Anne vor ein paar Wochen virtuell kennengelernt habe und sie mir gleich zugesagt hat, meine Fragen zu Serbien mit Kindern zu beantworten. Ich möchte Euch ihren Blog an dieser Stelle wärmstens ans Herz legen. Bei ihr geht es um Social Media, Fotografie & Blog Tipps für Frauen. Das ist natürlich total mein Metier und ich habe schon viel bei ihr quergelesen (Danke übrigens für die Funktion „Click to tweet“, Anne!) und entdeckt. Sie schreibt viel über die Organisation des Bloggens und gibt zahlreiche Tipps.

So, und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen 😉

Anne, magst Du Dich uns bitte vorstellen?

Hallo, ich bin Anne. Zusammen mit meinem Mann und unseren drei Kindern leben wir seit zwei Jahren in Belgrad, der Hauptstadt Serbiens. Mein Mann ist Ingenieur und baut hier für seinen Arbeitgeber ein neues Werk auf. Ich kümmere mich um Haus und Kinder und versorge Bloggerinnen und Online-Unternehmerinnen auf Blogchicks.de mit Infos, Tipps & Tricks rund um die Themen Bloggen, Social Media und Online-Marketing.

Serbien mit Kindern

Anne von Blogchicks

Bevor wir nach Belgrad gegangen sind, wussten wir praktisch nichts über Serbien. Ganz am Anfang dachten wir sogar kurzzeitig, dass Belgrad am Meer liegt (peinlich, peinlich). Das hat sich inzwischen komplett geändert. Nach zwei Jahren sprechen wir nicht nur passabel Serbisch, wir waren in Stara Planina Ski fahren, haben die wunderbaren Landschaften des Tara Nationalparks bewundert, waren in Novi Sad in der Donau schwimmen und haben in Vrsac ausgiebig serbische Weine verkostet.

Und wir haben Belgrad kennen und lieben gelernt:

  • Kalemegdan, die alte Festung, von der man einen wundervollen Blick über die Donau hat
  • Ada Cingalia, den Stadtstrand von Belgrad
  • Das hervorragende Essen….
Serbien mit Kindern

Leckeres Essen in Serbien

Wie kinderfreundlich sind die Stadt & das Land?

Serbien ist mit Abstand das kinderfreundlichste Land, das ich kenne. Die Serben lieben Kinder und als Familie hat man viele Vorteile. In Supermärkten, bei der Post oder in Behörden wird man grundsätzlich mit kleinen Kindern vorgelassen. Die Leute reagieren eher mit Unverständnis, wenn man sich mit Kindern in die Schlange stellt. Diese Hilfsbereitschaft und die Begeisterung für Kinder ist generationsübergreifend: Der Gemüseverkäufer hat immer einen Pfirsich oder Apfel für die Kinder parat und Jugendliche auf der Straße bieten selbstverständlich Hilfe mit dem Kinderwagen an und bleiben noch kurz stehen, um mit den Kindern Faxen zu machen. Auch Restaurantbesuche sind mit Kindern kein Problem. Egal ob Kneipe oder Highclass Restaurant: Kinder sind überall willkommen, bekommen kleine Spielzeuge geschenkt und werden mit etwas Glück sogar von den Kellnern unterhalten, damit Mama und Papa in Ruhe essen können.

Dafür sind Kinder aber auch ein bisschen Allgemeingut. Kinder werden angesprochen, angelächelt, geherzt, gestreichelt und geküsst…ob sie wollen oder nicht. Erziehung und Pflege sind ebenfalls Gemeinschaftsthemen und in der Öffentlichkeit bekommt man gerne mal den einen oder anderen ungebetenen Tipp mit: Kleine Kinder sollten beispielsweise auch im Hochsommer keinesfalls barfuß herumlaufen (Frauen übrigens auch nicht, das ist schlecht für die Eierstöcke), Zugluft ist unter allen Umständen zu vermeiden und ein Kind ohne Mütze ist ein Grund für schnelles Handeln. Meine Lieblingsgeschichte: Ich war mit dem Baby im Tragetuch auf dem Markt und hatte in der Eile die Mütze im Auto vergessen. Eine beunruhigte Marktfrau deckte Henrys Kopf schließlich mit Küchenrolle ab. Sicher ist sicher!

Gibt es viele Spielplätze?

In Belgrad wohnen die meisten Menschen in großen Wohnblöcken. Dazwischen gibt es jede Menge Spielplätze, allerdings kann die Qualität ziemlich schwanken. Es gibt ganz tolle neue Spielplätze und dann immer wieder runtergekommene Ansammlungen von Spielgeräten, die an das Ende der DDR erinnern. Aber, wenn man ein Weilchen hier wohnt, kennt man die guten Ecken.

Wer einen Trip nach Belgrad plant, sollte unbedingt den Spielplatz am Kalemegdan unweit vom Zoo besuchen.

Außerdem gibt es viele Kaffees und Restaurants mit Spielplatz. Eine unserer Lieblingsadressen bei gutem Wetter ist das „Sunset“ an der Ada, einem vier Kilometer langem See mitten in der Stadt. Wenn man früh genug dort ist, ergattert man einen Tisch direkt neben dem Spielplatz und kann in Ruhe frühstücken, während die Kinder den Sandkasten unsicher machen.

Typisch für Serbien sind auch die vielen Indoorspielplätze, auf Serbisch Igraonicas. Viele Kinder feiern ihren Kindergeburtstag in den Igraonicas und bei Temperaturen um die 40 Grad im Sommer und viel Schnee und eisiger Witterung im Winter, lernt man wohltemperierte Spielplätze mit der Zeit durchaus zu schätzen.

Serbien mit Kindern

Die Kinder gucken am Spielplatz „in die Röhre“

Gibt es viele Angebote für Kinder?

Neben den Indoorspielplätze, die man wirklich an jeder Ecke findet, gibt es in den Städten wie Belgrad, Novi Sad oder Nis eine große Auswahl an Aktivitäten für Kinder. Musikkurse, Sportangebote, Kunstklassen und Spielgruppen in verschiedenen Sprachen…Auf dem Land nehmen diese Angebote allerdings rapide ab.

Ist es einfach einen Babysitter zu finden?

Einen Babysitter zu finden, ist überhaupt kein Problem. Serbien hat eine Arbeitslosenquote von 30 Prozent. Babysitting ist für viele Leute (vor allem für Frauen) eine gute Möglichkeit, sich etwas dazu zu verdienen. Ein Babysitter mit Doktortitel ist leider keine Seltenheit.

Wie sehen die Betreuungsmöglichkeiten aus?

Die Betreuungsmöglichkeiten in Belgrad sind wirklich gut. Die staatlichen Kindergärten nehmen Kinder ab 18 Monaten und sind in der Regel acht bis zehn Stunden am Tag geöffnet. Es ist normalerweise kein Problem, einen Kindergartenplatz zu bekommen. Weil Belgrad so international ist, gibt es hier auch jede Menge fremdsprachige Kindergärten. Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch…die Auswahl ist wirklich groß.

Serbien mit Kindern

Impression aus Belgrad

Gehen in der Regel beide Eltern arbeiten?

Wenn möglich, gehen beide Eltern arbeiten. Im Sozialismus war das normal und heute ist das weniger eine Sache des Wollens als eine Sache des Müssens. Serbien ist eines der ärmsten Länder Europas und das Durchschnittseinkommen liegt bei ca. 300 Euro im Monat. Die Kosten für Lebensmittel sind aber ähnlich wie in Deutschland. Also sind die meisten Familien einfach auf zwei Einkommen angewiesen.

Wie ist die Arbeitsverteilung bei den Eltern?

Auch, wenn beide Eltern arbeiten gehen, ist die Rollenaufteilung Zuhause sehr „klassisch“. Die Frauen sind für Essen, Haushalt und Kinder zuständig und die Männer für die groben Arbeiten rund ums Haus. Serbische Männer sind begeisterte Väter, aber die weniger spaßigen Aufgaben werden gerne an die Frauen abgetreten. Mein Mann wird immer bestaunt, wenn er die Kinder wickelt oder das Baby in der Trage hat.

Wie ist die gesellschaftliche Meinung diesbezüglich?

Die serbische Gesellschaft ist sehr konservativ. Das gilt besonders auf dem Land. Scheidungen sind verpönt und eine Frau ist eine Frau und ein Mann hat ein Mann zu sein…mit allem, was dazu gehört. Mein Mann hat sich kürzlich mit einem jungen Arbeitskollegen über das Thema Familie unterhalten. „Ich erwarte schon, dass meine Frau beruflich für die Familie zurücksteckt. Sie kann sich ja gerne beruflich verwirklichen, aber das geht auch in acht Stunden am Tag. Frauen können sich einfach besser um Kinder und Familie kümmern.“, war die Aussage. Traditionelle Stereotypen brechen auch in Serbien auf, der Prozess ist aber seeeehr langsam.

Bist du glücklich mit der Situation? Wie ist ein Vergleich mit Deutschland?

Für Familien mit kleinen Kindern ist Serbien das perfekte Land. Die Leute sind nett und hilfsbereit, das Essen ist lecker und das Klima angenehm. Wir fühlen uns hier sehr wohl. Außerdem haben wir durch unseren Aufenthalt hier die Möglichkeit, eine Ecke von Europa kennen zu lernen, die wir bisher nicht so auf dem Schirm hatten: Bosnien, Montenegro, Slowenien, Kroatien… auf dem Balkan gibt es viel zu entdecken. Uns ist aber auch klar, dass wir in Serbien mit unserem deutschen Gehalt eine ziemliche Sonderstellung haben. Wir können uns dadurch eine Reihe von Annehmlichkeiten leisten, die für „normale“ Serben nicht ohne weiteres drin sind.

Liebe Anne, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen und mir von Deinem Leben in Serbien mit Kindern berichtet hast! Ganz ehrlich: Ich habe Lust auf einen Urlaub mit Kindern in Serbien bekommen. Danke 🙂

Bereits mitgemacht an dieser Reihe haben die Bloggerin Séverine von Mama on the Rocks aus der Schweiz, meine Freundin Renate in Sidney, Tanja vom Blog Tafjora- eine deutsche Familie in Frankreich aus Frankreich, Bloggerin Anne vom Blog Die Wüste & Ich aus Dubai und Nadine vom Blog Buntraum aus Wien, Dajana vom Blog Mit Kinderaugen, die eine Zeit in den USA verbracht hat und Lara vom Blog Dreaming Today, die in Finnland lebt. Im April hat mir Susanne, die in Andalusien lebt, meine Fragen beantwortet. Ihr Blog heißt Andalusienmutti. Im Mai war Kristine von Importkaaskop dran, die in Holland lebt. Und danach folgten Ute von Berlondon Mama aus London im Juni und die Tirolerin Verena von Mami Rocks im Oktober.

Hier geht es zu den entsprechenden Beiträgen:

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Lebt Ihr ebenfalls im Ausland und wollt berichten, wie das dort mit Kindern läuft? Dann freue ich mich über Eure Mail an mama(punkt)schulze(ät)gmx (punkt)de

1 Kommentare

  1. Danke für das tolle Interviw. Ich kenne Anne nun schon länger virtuell und hatte mich nie zu fragen getraut warum sie jetzt eigentlich in Serbien lebt … 🙂 Spannend, der Blick über den deutschen Tellerrand und ich werde in Zukunft mal Frauen mit Kindern in der Schlange den Vortritt geben ( mal sehn was passiert)!

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